Historischer See-Ort ist älter als München: Festwochen am Ammersee

Herrsching am Ammersee ist ein beliebtes Ziel für Ausflügler, auch aus München. Das einstige Fischerdorf wird in diesem Jahr 1250 Jahre alt und begeht das ab 7. Juni mit zwei Festwochen. Die Sache mit dem Riesenrad hat im Vorfeld allerdings für Irritationen gesorgt. 
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Sonnenplatz am Ammersee: Herrsching feiert in diesem Jahr 1250. Geburtstag. Erstmals erwähnt worden ist der Ort im Jahr 776.
Sonnenplatz am Ammersee: Herrsching feiert in diesem Jahr 1250. Geburtstag. Erstmals erwähnt worden ist der Ort im Jahr 776. © imago/Reinhold Ratzer

Herrsching am Ammersee feiert im Juni großen Geburtstag – 1250 Jahre! Zum Vergleich: Münchens offizielle Geschichte beginnt "erst" im Jahre 1158.

Herrsching dagegen wurde urkundlich erstmals 776 erwähnt, so das Haus der Bayerischen Geschichte. Der Adelige Isanhart übergab anno dazumal mit einer Schenkungsurkunde seinen gesamten Besitz in "Horscaningun" dem Kloster Schlehdorf – "einschließlich bebauter und unbebauter Flächen, Wälder, Gewässer und des zugehörigen Gesindes", hat der Ort fürs Jubiläum (7. bis 21. Juni 2026) festgehalten.

Das war die offizielle Geburtsstunde. Aber das Gebiet war wohl schon früher besiedelt. Neben der Nikolauskirche wurde das Grab einer keltischen Frau samt Schmuck entdeckt.

Der große Boom: Die Bahnlinie nach Pasing

Wie der "BR" berichtet, konnte der seltene Fund auf die Zeit um das 4. Jahrhundert vor Christus datiert werden. Auch Spuren der späten Römer hat man entdeckt.

Eine alte Aufnahme von Herrsching am Ammersee.
Eine alte Aufnahme von Herrsching am Ammersee. © imago stock&people

Das beliebte Ausflugsziel im Fünfseenland ist trotz langer Historie nicht in die Jahre gekommen. Im Gegenteil. Einst war Herrsching eine kleine Siedlung, um 1800 lebten hier nur rund 350 Menschen. Ihr Fokus: die Landwirtschaft.

Die längste Seeufer-Promenade Deutschlands

Heute wohnen in der Kommune im Landkreis Starnberg knapp 12.000 Menschen. Ein wichtiger Schub: 1903 eröffnete die Bahnlinie Pasing–Herrsching. Und das zog auch Ausflügler rund um München an. Eine Anekdote, die die Gemeinde auf ihrer Seite vermerkt: "Kurioserweise meldeten im Jahre 1905 die damals 448 Einwohner Herrschings 400 Fremdenbetten."

Heutzutage fährt die S8 von München nach Herrsching. Gäste können von dort aus Schifferl fahren oder einfach strawanzen. Die dortige Seenschifffahrt schwärmt: Herrsching habe "Deutschlands längste Seeufer-Promenade".

Bürgermeister: "Herrsching hat viel zu bieten"

Der aktuelle Bürgermeister Christian Schiller teilt der AZ zum großen Jubiläum mit: "Die Herrschingerinnen und Herrschinger sind sehr stolz auf unseren Ort und den Zusammenhalt auch zwischen den Ortsteilen mit Breitbrunn, Widdersberg und Herrsching selbst. Herrsching hat sich gerade seit dem Bau der Bahnlinie um 1903 auch zu einem attraktiven Ausflugsort entwickelt."

Auf dieser Illustration zum Fest ist auf dem Riesenrad auch das Wappen von Herrsching zu sehen. Es besteht laut Haus der Bayerischen Geschichte aus einer Möwe und einer Welle im oberen Bereich, im unteren Teil sind die bayerischen Rauten zu sehen als Erinnerung an die Wittelsbacher Herzöge.
Auf dieser Illustration zum Fest ist auf dem Riesenrad auch das Wappen von Herrsching zu sehen. Es besteht laut Haus der Bayerischen Geschichte aus einer Möwe und einer Welle im oberen Bereich, im unteren Teil sind die bayerischen Rauten zu sehen als Erinnerung an die Wittelsbacher Herzöge. © 1250 Jahre Herrsching e.V.

Schiller fügt an: "Dort, wo die Menschen ihre Freizeit verbringen wollen, lebt es sich natürlich auch ganz besonders gut." Er verweist auf die gestiegene Einwohnerzahl, die Infrastruktur, Einkaufsmöglichkeiten "über ein internistisches Krankenhaus bis hin zu einem kompletten Schulbildungsangebot von Grund- und Mittelschule, Realschule und einem der modernsten Gymnasien Bayerns". Man habe den Wandel geschafft "von einem bescheidenen Fischerdorf" hin zu einer der "wichtigen Bildungs-Lebensmetropolen" im Fünfseenland.

Er ist überzeugt: "Ja, Herrsching hat viel zu bieten und ist wirklich ein beliebter Ort zum Verweilen. Für kurz und auf Dauer!"

Wolfgang Krebs und die bayerischen Löwen.
Wolfgang Krebs und die bayerischen Löwen. © Severin Schweiger

Der Bürgermeister hebt die über 100 Vereine und das ehrenamtliche Engagement hervor. "Nur so schaffen wir auch, dieses 1250-Jahr-Jubiläum entsprechend zu organisieren und zu feiern."

Ein Blick ins zweiwöchige Programm

Von 7. bis 21. Juni wird also am Ostufer des Ammersees einiges los sein. Im Festzelt am "Alten Sportplatz" haben rund 1200 Gäste Platz. Ein kleiner Auszug aus dem Programm: Die Kapelle Josef Menzl tritt gleich am 7. Juni auf, DeSchoWieda kommen am 11. Juni, Django3000 am 12. Juni, die Brettl-Spitzen (13. Juni) oder auch Roland Hefter (14. Juni) sind dabei.

Die Kapelle Josef Menzl kennt man von der Wiesn, in Herrsching feiern sie das historische Jubiläum des Ortes.
Die Kapelle Josef Menzl kennt man von der Wiesn, in Herrsching feiern sie das historische Jubiläum des Ortes. © Hubert Lankes

Am 18. Juni kommen Wolfgang Krebs und die Bayerischen Löwen nach Herrsching. Am Festsonntag (21. Juni) wird ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert.

Schiller lässt wissen: "Als Bürgermeister freue ich mich besonders auf das Miteinander am Festgelände." Er bedanke sich schon jetzt bei allen Helferinnen und Helfern. "Insbesondere danke ich unserem Verein 1250-Jahre-Herrsching e.V. mit seinem Vorsitzenden Ludwig Darchinger."

Eine geschätzt knapp 100 Jahre alte Landkarte zeigt den Ammersee.
Eine geschätzt knapp 100 Jahre alte Landkarte zeigt den Ammersee. © imago stock&people

Er ist sich schon jetzt sicher: "Wenn am Abend vom 21. Juni das Festgelände dann wieder schließt, werden sich alle fragen, warum sind diese beiden Jubiläumswochen so schnell vergangen."

Riesenrad: Unerwartete Kosten

Auch ein Riesenrad gibt es zum historischen Geburtstag. Um dieses gab es im Vorfeld Wirbel. Denn: Die Bayerische Schlösserverwaltung verlangt Geld dafür, damit das Fahrgeschäft dort stehen kann. Das bestätigt Schiller ("das stimmt leider!").

Die Schlösserverwaltung teilt der AZ auf Anfrage mit: "Die zur Aufstellung des Riesenrads angesprochene Fläche zählt zu dem Grundbesitz, der vom Freistaat Bayern der Gemeinde Herrsching für den Gemeingebrauch entgeltfrei überlassen ist."

Das Riesenrad sorgt fürs Volksfest-Gefühl. Allerdings kam damit eine nicht erwartete Rechnung ins Haus.
Das Riesenrad sorgt fürs Volksfest-Gefühl. Allerdings kam damit eine nicht erwartete Rechnung ins Haus. © afaw/1250 Jahre Herrsching e.V.

Aber: "Das von der Schlösserverwaltung für die hier in Rede stehende gewerbliche Sondernutzung einvernehmlich vereinbarte Entgelt beträgt 225 Euro pro Festtag für die auf Staatsgrund liegende Aufstellfläche und entspricht so dem üblichen Satz."

Das mag der Bürgermeister in Herrsching besonders gern

Wenn das Riesenrad und das Fest nach zwei Wochen in Herrschings Geschichtsbücher eingegangen sein werden, hat der Bürgermeister noch einen Ammersee-Tipp. Er verrät seinen persönlichen Lieblingsplatz: "Bei Westwind und etwas Wellengang am Herrschinger Seeufer zu stehen und die untergehende Sonne zu beobachten."


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