Heimleiter: "Ich hatte das nicht auf dem Schirm"

Vor wenigen Tagen hat das Landgericht München einen Altenpfleger verurteilt, weil er mehrere wehrlose und demente Frauen sexuell missbraucht hat. Jetzt wehrt sich der Leiter des Heims in Planegg gegen Verheimlichungsvorwürfe.
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Der Pfleger missbrauchte mehrere demente und wehrlose Frauen im Heim. Er wurde zu vier Jahren Haft verurteilt.
Daniel von Loeper Der Pfleger missbrauchte mehrere demente und wehrlose Frauen im Heim. Er wurde zu vier Jahren Haft verurteilt.

München/Planegg - Vier Jahre. So lange muss der 58-jähriger Pfleger eines Altenheims in Planegg ins Gefängnis. Der Mann hat mehrere wehrlose Frauen sexuell missbraucht.

Seit 2009 hat der Mann im Heim gearbeitet – im Januar 2016 beobachtete eine Kollegin ihn dann dabei, wie er eine halbnackte, demente 92-Jährige umarmte und küsste. Daraufhin meldete sie den Vorfall bei der Heimleitung, wenig später wurde der Arbeitsvertrag mit dem 58-Jährige aufgelöst. Daraufhin stellte er sich bei der Polizei – und gestand weitere Vorfälle, unter anderem die Vergewaltigung einer dementen Patientin.

Heimleitung stellte dem Pfleger noch ein Zeugnis aus

Jetzt äußert sichder Leiter des Heims erstmals in der Süddeutschen Zeitung und sagt, er bereue sein Zögern. Der 63-Jährige hat nicht Anzeige erstattet, als er vom Missbrauch erfahren habe. Gleichzeitig wehrt er sich gegen Vorwürfe, die grausigen Taten verheimlicht zu haben. "Ich hatte es nicht auf dem Schirm, die Polizei einzuschalten", so der Leiter gegenüber der Süddeutschen. "Es herrschte aber so viel Aufregung und Hektik, dass die Fehler leider unterlaufen sind."

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Ein weiterer Fehler: Bevor der Pfleger entlassen wurde, hat ihm die Heimleitung noch ein Zeugnis ausgestellt, in dem von "einwandfreiem Verhalten" die Rede ist. Nun übernimmt der 63-Jährige Verantwortung und gibt zu, dass das "keine Glanzleistung gewesen" sei – dennoch macht er auch klar, dass nicht er, sondern seine Stellvertreterin das Zeugnis unterschrieben habe.

Trotz allem müsse die Heimleitung nicht mit Konsequenzen rechnen, sagte eine Sprecherin des Münchner Landratsamtes der Süddeutschen. Doch die Heimleitung hat aus den schrecklichen Vorfällen gelernt: Seit den Missbrauchsfällen herrsche ein "offener und enger Informationsaustausch" zwischen dem Pflegeheim und der Aufsicht.

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