Einzigartig in Europa: Ein Supermarkt mit eigenem Beet

In Unterföhring wird in einem Edeka jetzt Salat angebaut. Das Konzept ist einzigartig in Europa - und soll Wasser und Energie sparen.
| Andre Spannl
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
2  Kommentare  0 Teilen
Daniel Honner ist Geschäftsführer bei Edeka. In seinem Markt können Kunden nun pflückfrischen Salat kaufen.
Daniel Honner ist Geschäftsführer bei Edeka. In seinem Markt können Kunden nun pflückfrischen Salat kaufen. © Andre Spannl

Unterföhring - Wer in den Edeka-Supermarkt "die Frischnachbarn" in Unterföhring geht, der geht nicht einfach nur einkaufen.

Der Lebensmitteleinkauf sei hier ein Erlebnis - so beschreibt es zumindest Daniel Honner (35), einer der drei Geschäftsführer. Und zumindest kann Honner für sich in Anspruch nehmen, seinen Kunden nicht nur einen Supermarkt, sondern sogar ein Gewächshaus bieten zu können - und zwar ein Besonderes.

Nur ein Supermarkt aus Singapur war schneller

Im Unterföhringer Markt steht nämlich seit kurzem ein Gewächsturm, "Growth Tower" nennt das die Entwicklerfirma "&ever". Hier wächst der Salat nicht am Boden, sondern auf mehreren Etagen in die Höhe. Vom Samen bis zum fertigen Salat geschieht das alles im Supermarkt.

"Das ist der erste seiner Art in Europa", sagt Daniel Honner stolz. Und fast wäre man sogar der erste auf der ganzen Welt gewesen, dann kam allerdings ein Supermarkt aus Singapur zuvor.

Die Beete sind für Kunden nicht zugänglich.
Die Beete sind für Kunden nicht zugänglich. © Andre Spannl

"Vertical Farming" boomte nach der Atomkraft-Katastrophe

Die Geschichte dieses skurrilen Gewächshauses im Münchner Umland begann vor etwa zweieinhalb Jahren. Damals habe sein Vater, Hans-Jürgen Honner, einen Bericht über japanische Salatformen gesehen, erzählt sein Sohn. "Vertical Farming", also vertikales Gemüsezüchten, nennt sich diese Form des Anbaus. Sie hat einen regelrechten Boom erlebt, nach der Atomkraft-Katastrophe in Fukushima.

Lesen Sie auch

In Japan wollte man auf Nummer Sicher gehen und den Salat nicht mehr in der Erde einpflanzen. Die Folge: Beete wurden in die Höhe gebaut. Der Anbau wird so effizienter. Jeder Quadratmeter Fläche wird durch die Etagenzucht um ein Vielfaches genutzt.

Der Gründer des Start-ups ist kein Unbekannter

In Deutschland arbeitete die Firma "&ever" bereits an solchen Anbaukonzepten. Man kam ins Gespräch - allerdings auch mit anderen Firmen. Bis die Kooperation zwischen Supermarkt und Gewächsturmhersteller stand, dauerte es noch eineinhalb Jahre.

"&ever", die für die Technik und Wissenschaft hinter dem Projekt stehen, hat einen durchaus bekannten Gründer. Mark Korzilius hat die Restaurant-Kette Vapiano aufgebaut, er ist der Mann hinter dem neuen Start-up. Dieses wurde kürzlich vom aktiennotierten norwegischen Lebensmittelkonzern Kalera übernommen.

"Wir wollen den kompletten Wachstumsprozess abbilden"

In Unterföhring will man den Kunden nun zeigen, wie moderner Anbau funktionieren kann. "Wir wollen den kompletten Wachstumsprozess abbilden", sagt Edeka-Geschäftsführer Honner.

Auf 120 Quadratmetern Anbaufläche können nun bis zu 360 Salatköpfe pro Tag geerntet werden. Aktuell werden auch 17 Kräutersorten angebaut. Der Preis ist hier natürlich etwas teuer, aber man sei konkurrenzfähig, sagt Daniel Honner. 1,99 bis 2,49 Euro zahlt man hier für diverse Kräuter und Salate. Das ist mehr als für konventionelles Gemüse.

Dennoch, diese Technik könnte für die Zukunft relevant sein. Immerhin spielt Nachhaltigkeit für viele Kunden schon jetzt eine Rolle - und frischer wird man den Salat auch kaum bekommen.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 2  Kommentare – mitdiskutieren Artikel empfehlen
2 Kommentare
Bitte beachten Sie, dass die Kommentarfunktion unserer Artikel nur 72 Stunden nach Veröffentlichung zur Verfügung steht.