Ein Maibaum für Rom – und ein kurioser Diebstahl

In einem Hof im Landkreis Erding liegt heuer ein ganz besonderer Maibaum. Was der Erzbischof von München und ein Festessen im Fünfseenland mit dem Prachtexemplar zu tun haben.
Elke Richter, dpa |
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Der Baum ist mit ganz besonderen Schildern verziert: Sie zeigen in Cortenstahl gelasert die Logos kirchlicher Institutionen.
Der Baum ist mit ganz besonderen Schildern verziert: Sie zeigen in Cortenstahl gelasert die Logos kirchlicher Institutionen. © Felix Hörhager/dpa

Diesmal ist es der echte Maibaum, und den werden sie in Schwaig fortan nicht mehr aus den Augen lassen. Der mit Schildern und Wipfelfigur geschmückte Stamm soll nämlich im Auftrag des Münchner Kardinals Reinhard Marx in Rom aufgestellt werden.

Für Rom bestimmter Maibaum ist nur halb so groß wie üblich

Vor diesem Hintergrund dürfte er bei Maibaumdieben besonders beliebt sein – wie ein kurioser Vorfall bereits gezeigt hat.

Ein umtriebiger Burschenverein hatte ihn nämlich vermeintlich bereits gemopst. Dumm nur, dass es sich statt um den echten Maibaum um einen Übungsbaum gehandelt hatte. 

"Das hätten wir auch nicht gedacht, dass wir mal einen Übungsbaum brauchen. Aber es ist doch ein sehr besonderer Baum, deshalb muss man sich darauf vorbereiten", schildert der Vorsitzende des Brauchtumsvereins Moosmotor Schwaig, Michael Miesbauer. 

Die Schwaiger Brauchtumspfleger reisen zum Aufstellen des Baumes nach Rom.
Die Schwaiger Brauchtumspfleger reisen zum Aufstellen des Baumes nach Rom. © Felix Hörhager/dpa

Denn das für Rom bestimmte Exemplar sei mit 15 Metern nur etwa halb so groß wie üblich. Die Schwalben – gekreuzte Stangen, die zum traditionellen Aufstellen per Hand verwendet werden – seien allerdings für höhere und im Umfang größere Bäume konzipiert. Außerdem gebe es in Rom nur einen eingeschränkten Korridor zum Aufstellen.

Statt des echten Römerbaumes nur den Übungsbaum geklaut

Während der echte Stamm also noch im Wald lag, spielten die Verantwortlichen im Oberdinger Ortsteil Schwaig (Landkreis Erding) mit einem Übungsbaum schon einmal alles durch.

Das ist er nun: Der echte Maibaum für Rom.
Das ist er nun: Der echte Maibaum für Rom. © Felix Hörhager/dpa

Den aufgerichteten und weithin sichtbaren Baum bemerkte zufällig einer der Burschen aus dem rund 70 Kilometer entfernten Inning am Ammersee – und die Jungs schritten zur Tat. 

Als sie im Dunkel der Nacht anrückten, präsentierte sich ihnen der Baum auf dem Silbertablett: Unbewacht, das Tor offen, konnten sie ihn ohne Probleme abtransportieren. Doch auf den Stolz ob der vermeintlich erfolgreichen Diebestour folgte rasch die Ernüchterung. 

Maibaum-Beschützer "ziehen dennoch den Hut"

Häme sei dennoch fehl am Platz, betont Miesbauer. "Wir schätzen das, was die gemacht haben, wir ziehen da den Hut. Die haben ja schon in der Nacht davor einen Baum geklaut und sich schon einige recht besondere Bäume zu eigen gemacht."

Dabei würden sie den echten Baum für Rom nie aus den Augen lassen, versichern die Schwaiger.
Dabei würden sie den echten Baum für Rom nie aus den Augen lassen, versichern die Schwaiger. © Felix Hörhager/dpa

Ein Übungsbaum sei zudem derart unüblich, dass man damit nicht hätte rechnen können. Nur eines hätte die Inninger stutzen lassen müssen, sagt Miesbauer: "Wir hätten den Baum natürlich nie aus den Augen gelassen!"

Maibaumaktion soll Pflege bayerischer Traditionen nach Rom bringen

Denn die Schwaiger stehen bei Kardinal Marx persönlich in der Pflicht: Der Erzbischof von München und Freising stiftet den Baum aus seinem Privatvermögen, wie aus seinem Umfeld zu hören ist.

Sie feierten die Fertigstellung des vom Erzbischof in Auftrag gegebenen Baumes mit zünftiger Musik.
Sie feierten die Fertigstellung des vom Erzbischof in Auftrag gegebenen Baumes mit zünftiger Musik. © Felix Hörhager/dpa

Dem Vernehmen nach saß Marx eines Tages in Rom im Garten des Begegnungszentrums der Erzdiözese, als er die Idee hatte, anlässlich der traditionellen Maiandacht in der Casa Santa Maria auch einen Maibaum aufzustellen. "Die Maibaumaktion soll – wie die Maiandachten selbst – die Pflege bayerischer Traditionen nach Rom bringen", erläutert eine Sprecherin des Erzbischöflichen Ordinariats. 

Erzbischof Marx spendet besonderen Baum für Rom

Entsprechend ist der Maibaum auch optisch etwas anders als übliche Maibäume. Nicht wie oft in Oberbayern weiß-blau lackiert, sondern nur gehobelt.

Und statt Zunftzeichen oder Vereinswappen zeigen die sechs Schilder aus Cortenstahl die gelaserten Logos verschiedener kirchlicher Einrichtungen und Institutionen. Oben auf der Spitze thront der Heilige Korbinian, der Bistumspatron, mit dem Freisinger Bären. 

So kommen die Schwaiger um die Ablöse herum

Und was ist mit den Inningern, die eigentlich darauf spekuliert hatten, der Tradition gemäß zum Aufstellen am 9. Mai mit nach Rom zu fahren? "Wir haben verhandelt und überlegt, ob wir den Übungsbaum wieder zurücknehmen, weil es für uns ein Erinnerungsstück wäre", schildert Miesbauer. 

Am Ende aber gab es eine ganz andere Wendung: "Die Inninger haben einen verdienten Maibaumdieb aus ihrer Burschenschaft, der im hohen Alter ist, zwischen 85 und 90. Dem machen sie eine Freude und stellen ihm den Baum im Garten auf." Dadurch kommen die Schwaiger um die Auslöse herum Maibaumaktion soll – und dürfen sich im Gegenzug sogar auf ein Rollbratenessen am Ammersee freuen.

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