E-Speedboat auf dem Starnberger See: Wasserflitzer auf Flügeln

Das schnellste Elektro-Speedboot der Welt fährt nicht im Wasser, sondern fliegt auf Tragflügeln darüber. AZ-Test auf dem Starnberger See.
| Irene Kleber
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Das fliegende Boot "Candela 7".
Das fliegende Boot "Candela 7". © Daniel von Loeper

Starnberger See - Die Kulisse könnte prächtiger nicht sein. Überm Hafen des Münchner Yacht Clubs (MYC) am Starnberger See strahlt die Sonne. Aus dem Süden schimmern die Alpen her, im silbrigen Blau liegen Segler, die gerade zu einer Regatta starten.

Wir sitzen in einem blauen Ding, das auf den ersten Blick aussieht wie ein ganz normales Sportboot. Langsam gleitet es auf den See hinaus. Dann kommt Wind ins Haar, das Boot zieht an, 13 Knoten, sagt der Bildschirm neben dem Steuerrad. Dort sitzt Kapitän Mikael Mahlberg, ein drahtiger PR-Mann mit Oberlippenbärtchen und Sonnenbrille im verstrubbelten Blondschopf.

"Jetzt aufpassen", sagt er schmunzelnd - und dann geht's los. Das Boot erhebt sich aus dem Wasser, ein Schub drückt in den Sitz, als wenn ein Flugzeug den Boden verlässt, der Rumpf steigt weiter auf, gefühlt einen Meter - und wir fliegen!

"Candela 7": Ein schwebendes Boot

"Candela 7" heißt der fliegende Flitzer, es ist das aktuell schnellste Elektro-Speedboot der Welt, sagt die schwedische Firma, die es herstellt, und die damit gerade auf Werbetour ist in Starnberg, wo die Bootsfreaks aus dem geldigen München zu vermuten sind. Und die Fans von emissionsfreien Fahrzeugen, die Teslafahrer zum Beispiel. "Die Candela 7", so sagt es Mahlberg lachend, "ist quasi der Tesla auf dem Wasser."

16 Boote ausgeliefert: Bootsverkäufer Thorben Thies von VMG Marine.
16 Boote ausgeliefert: Bootsverkäufer Thorben Thies von VMG Marine. © Daniel von Loeper

Das elektrische Speedboot fährt nicht im Wasser, es schwebt auf zwei Tragflügeln. Bis zu rasanten 30 Knoten schafft es in der Spitze, also 60 Stundenkilometer, weil die Reibung im Wasser wegfällt.

Und damit nicht genug mit Superlativen: Mit vollgeladener Batterie schafft es eine Reichweite von 50 Seemeilen. Rund 92 Kilometer also - dreimal so viel, wie herkömmliche Elektroboote.

"Hier kann keiner seekrank werden"

Was man mit diesem hübschen Luxus-Spielzeug anstellen kann? "Zweieinhalb Stunden am Stück Wasserski fahren, zum Beispiel, leise und ohne die Fische zu stören", sagt der PR-Kapitän. Und ohne Wellen für den Wasserskifahrer dahinter. Das schwebende Boot verursacht nämlich keine.

"Wie ein Tesla auf Wasser", sagt Candela PR-Mann Mikael Mahlberg.
"Wie ein Tesla auf Wasser", sagt Candela PR-Mann Mikael Mahlberg. © Daniel von Loeper

"Noch ein supertoller Nebeneffekt, hier kann keiner seekrank werden", sagt er auch. Stimmt übrigens. Auch als ein Dampfer vorbeikommt und hohe Wellen schlägt, fliegt die Candela friedlich schwebend übers Wasser, nicht mal ein Ruckeln ist zu spüren, herrlicher Fahrtwind, sonst nichts.

21 Verkäufe, alle ins Ausland

Auf der Ostsee, auf der Elbe in Hamburg, auf der Havel in Berlin haben sie das neue Boot (sieben Meter lang, zweieinhalb breit) schon vorgestellt, nun also Starnberg.

16 Boote hat der Hersteller Candela Boats schon ausgeliefert. "Nummer 17 befindet sich gerade im Bau", sagt Bootshändler Thorben Thies von der Firma VMG-Marine aus der Nähe von Kiel, die das Boot in Deutschland vertreibt.

"Und 21 haben wir schon verkauft", wirft Mahlberg von der Seite ein. Aha. Also wer kauft so ein Tragflächenboot, für das man schlappe 245.000 Euro netto hinlegen muss? "Fast alle sind Männer zwischen 40 und 80", sagt Mahlberg und grinst. "Alle sind Tesla-Besitzer."

Krasse Technik, simple Anzeige: Ein aktuelles Tempo von 20 Knoten zeigt der Bildschirm neben dem Steuerrad an. Daneben: die Karte des Starnberger Sees und den Ladezustand des Akkus.
Krasse Technik, simple Anzeige: Ein aktuelles Tempo von 20 Knoten zeigt der Bildschirm neben dem Steuerrad an. Daneben: die Karte des Starnberger Sees und den Ladezustand des Akkus. © Daniel von Loeper

Zwei Boote seien auf einer Inselgruppe in Schweden, eins in Helsinki, eins in Österreich, drei in den USA, "die mögen sowas im Silicon Valley, weil viel Computertechnik drin steckt." Kleine Pause: "Und wir haben auch eins an einen Milliardär in der Karibik verkauft." Bloß noch keines in Deutschland.

Viel Computertechnik im leichten Boot

Nun, das könnte sich bald ändern. Segler schauen sehnsüchtig herüber, etliche zücken Kameras, auch im Yachthafen. Die Feinheiten können Technikfreaks mit dem nötigen Kleingeld ja auch verzücken. Beispiel: Die Hülle aus Karbon wiegt nur 240 Kilo, "das ist superleicht", sagt Mahlberg, "beim konventionellen Glasfaserboot würde die Hülle 850 Kilo wiegen. Das hier ist gemacht wie ein Flugzeug mit einem Haufen Software drin."

Oder: Sensoren am Bug spüren jede Welle, senden Signale an den Computer und stabilisieren das Boot so, dass es weder hart auf den Wellen aufschlägt, noch umkippt.

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Darf man sich da trauen, selber zu steuern? Man darf, und wirklich, es ist nicht schwer: Einfach das Steuerrad drehen wie im Auto und mit dem silbernen Hebel rechts Gas geben. In die Kurve fahren. Über Wellen fliegen, fast ruckelfrei. Und als wir wieder auf den Hafen zufahren, ist es ein bisschen wie landen, als das Heck kurz sanft ins Wasser sinkt. Dann muss die Candela zurück an die Stromtankstelle - Akku aufladen.

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