Dieses Festival bei München will sich zurückkämpfen: "Der wichtigste Termin im Jahr"

Die Domstadt Freising bangt um ihr Festival: Das Uferlos ist in finanzielle Schieflage geraten. In diesem Jahr soll es eine Neuauflage geben, mit neuem Hauptsponsor und neuem Chef. Was Fans erwartet, was das größte Risiko darstellt – und warum es für die Branche seit Corona schwierig ist.
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Das Uferlos-Festival in Freising hat 2025 nicht stattgefunden. Für dieses Jahr soll es eine Neuauflage geben. Mit neuem Chef und neuem Hauptsponsor.
Das Uferlos-Festival in Freising hat 2025 nicht stattgefunden. Für dieses Jahr soll es eine Neuauflage geben. Mit neuem Chef und neuem Hauptsponsor. © Copter Company

Kostenlose Konzerte, Kunst und Kultur unter freiem Himmel: Dafür steht das Uferlos-Festival in Freising seit 15 Jahren. Mit bis zu 100.000 Besuchern pro Jahr. Und Künstlern wie Voodoo Jürgens, Haindling, Dicht & Ergreifend, Moop Mama oder Liquid & Maniac, wie alte Line-ups zeigen.

Doch zuletzt geriet die Veranstaltung in finanzielle Schwierigkeiten, musste während Corona pausieren und fiel 2025 aus. Fans zitterten: Steht das Festival nun gar vor dem Aus? Nein. Vorerst jedenfalls nicht.

Die Stadt Freising springt als Hauptsponsor ein. Und einen neuen Chef hat das Festival (heuer von 8. bis 17. Mai) auch. Trotzdem läuft parallel eine Crowdfunding-Aktion. Festival-Gäste können zu Unterstützern werden.

Warum braucht es noch zusätzliches Geld? Und was erwartet die Besucher in diesem Jahr?

Das erwartet Besucher in diesem Jahr

Die AZ will zunächst von der Stadt Freising wissen, ob das Festival etwa weiterhin auf wackeligen Beinen stehe. Eine Sprecherin verneint das. "Die städtische Förderung reicht jedoch nicht aus, um alle Kosten eines zehntägigen Musik- und Kulturfestivals vollständig zu decken. Insbesondere entstehen hohe Ausgaben für Sicherheit, Technik, Infrastruktur oder Gagen, die trotz der Unterstützung durch die Stadt nicht vollständig abgedeckt werden."

Sie erklärt weiter: "Mit der Crowdfunding-Aktion möchten die Organisatoren das Festival nicht nur einmalig unterstützen, sondern langfristig finanziell stabil und nachhaltig aufstellen."

Welche Erfahrung der neue Festival-Chef mitbringt

Der neue Geschäftsführer der gemeinnützigen Uferlos GmbH heißt Lemarr Baqai (30). Auf AZ-Anfrage teilt der Veranstaltungskaufmann mit, dass er bislang noch kein mehrtägiges Festival organisiert habe, er aber zehn Jahre Erfahrung bei der Organisation von Kulturveranstaltungen vorweisen könne.

Dazu bringt er Erfahrungen "im Public Catering in der Allianz Arena, im Olympiastadion und dem Olympiapark sowie diversen anderen Standorten und Großveranstaltungen" mit. Auch beim Uferlos 2024 war er schon dabei.

Sein Team und er schauten nun "mit großer Demut vor dem Werk unserer Vorgänger, aber vor allem mit unbändiger Vorfreude auf das, was kommt".

Größe und Gestaltung: Das ändert sich in diesem Jahr

Was erwartet die Besucher 2026 beim Uferlos-Festival? Es soll so werden, "wie die Menschen es kennen und lieben: vielfältig, inspirierend, lebendig und von Freisingerinnen und Freisingern für Freising". An zehn Tagen werden Bands auftreten, dazu Kunst, Kultur, Stände und kulinarische Feinheiten. Kurzum: "zehn Tage wunderschöner Ausnahmezustand in Freising auf unserer Luitpoldanlage".

Die Innenstadt von Freising, von München erreichbar mit der S-Bahn und Regionalzügen.
Die Innenstadt von Freising, von München erreichbar mit der S-Bahn und Regionalzügen. © imago/Manfred Segerer

Was sich dieses Jahr ändert: "Platzbedingt wird das Festival etwas kleiner ausfallen, allerdings nur zwischen zehn bis 20 Prozent, sodass die Identität des Uferlos voll erhalten bleibt." Auch sonst wird sich das eine oder andere tun: "Beispielsweise bei der bisherigen Tipi-Bühne und dem Nachhaltigkeitszelt werden wir auf eine etwas andere Herangehensweise setzen", so Baqai. Dazu und auch zum Line-up will er aber noch nicht mehr verraten.

"Neustart, aber auch das Ende einer Ära"

Der Veranstaltungskaufmann verspricht: "Diese Ausgabe wird zweifellos eine ganz besondere, denn sie markiert einen Neustart, aber auch das Ende einer Ära." Baqai, sein langjähriger Geschäftspartner Joseph Berger und Anja Winnes vom Kulturimpuls e.V. treten in die Fußstapfen des scheidenden Vipo Maat. Dieser habe Freisings Kulturlandschaft über viele Jahre geprägt.

Warum sie ein Crowdfunding gestartet haben

Beim Crowdfunding sind bisher (Stand Dienstag) rund 12.600 Euro zusammengekommen. Baqai: "Das Crowdfunding dient dazu, anfallende Kosten mitzudecken, und gleichzeitig einen finanziellen Puffer für eine nachhaltig gesicherte Zukunft der gemeinnützigen GmbH und des Uferlos-Festivals als Plattform für Freising und Umgebung zu schaffen, denn diese Zukunft ist alles andere als klar."

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Die Jahre 2018 und 2019 seien "die wohl erfolgreichsten Jahre der Uferlos-Geschichte gewesen". Es folgten: Corona, Stillstand, null Veranstaltungen. Baqai teilt mit: "Nachdem das Festival wiederholt aussetzen musste, war der Neustart im Anschluss sehr herausfordernd. Kosten stiegen weiter in die Höhe und zugleich waren Rückgänge in den Umsätzen zu verzeichnen."

Darum ist es seit der Pandemie schwieriger geworden

Mit gravierenden Folgen: "Da über diese Umsätze die Produktionskosten beispielsweise aller Konzerte gegenfinanziert werden, da kein Eintritt für die Konzerte verlangt wird, hatten diese Rückgänge immense Auswirkungen auf das Projekt." Aus seiner Sicht ist es seit der Pandemie zunehmend schwer geworden, Kulturveranstaltungen kostendeckend zu gestalten.

Anders als bei einer festen Location müsste bei einem Festival etwa "jeder einzelne Bestandteil der Veranstaltung vom Wasser bis zum Strom von Grund auf geschaffen" werden.

Unberechenbar: Umsätze hängen vom Wetter ab

Und ein absolut unberechenbarer Faktor: das Wetter. "Wenn es in der kommenden Ausgabe zu viele Tage regnet, blickt man wieder auf fatale Umsatzeinbrüche und so wird die Zukunft des Festivals schon wieder ungewiss und deshalb braucht es diese Unterstützung."

Das müssen wir uns bewahren und dafür möchte ich mich engagieren

Daher sagt Baqai deutlich über das Herzensprojekt: "Ohne die Unterstützung der Stadt Freising und das intensive Engagement des amtierenden Oberbürgermeisters Tobias Eschenbacher sowie der lückenlosen Rückendeckung des Freisinger Stadtrats wäre eine Neuauflage und Neuaufstellung des Projekts nicht denkbar gewesen, und selbst jetzt ist man noch immer nicht im sicheren Hafen und hofft darauf, mit der Unterstützung durch das Crowdfunding eine nachhaltig gesicherte Zukunft für diese Kulturplattform zu gewährleisten."

Ihm selbst bedeute das Festival "unglaublich viel". Es sei für regionale Künstler, Vereine und Initiativen "nicht weniger als der wichtigste Termin im Jahr, die größtmögliche Sichtbarkeit und all das auf heimischem Boden". Es sei zudem ein "Festival für alle" "Deshalb war eines für mich sofort klar: Das müssen wir uns bewahren und dafür möchte ich mich engagieren."

Zur Crowdfunding-Aktion: https://www.startnext.com/uferlos-festival

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