0,5 Promille auf der Isar: Schluss mit den Schlauchboot-Partys

Laute Musik, Bier und Partylaune: Schlauchbootfahrten auf der Isar sind beliebt. Doch weil die Fahrten überhandnahmen, greift das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen durch.
| AZ/dpa
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Wird die gute Laune im Schlauchboot jetzt getrübt?
Stephan Jansen/dpa Wird die gute Laune im Schlauchboot jetzt getrübt?

München - An heißen Sommertagen herrscht von München bis zum Sylvensteinspeicher Hochbetrieb. Dann wird das Isarufer durch Grillfeste und Badeausflüge gelegentlich zur Partymeile. Schon seit Jahren sind deshalb Ordnungshüter unterwegs.

Müll am Isarufer sorgt für Ärger

Aber damit nicht genug. Das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen will jetzt durchgreifen. Denn schon öfter wurde in der Vergangenheit Kritik laut: Leider würden oft auch leere Flaschen und Unrat nach dem Vergnügen an der Isar zurückbleiben. Sogar die Schlauchboote, billig zum Einmalgebrauch gekauft, würden manchmal liegengelassen. 

Alkoholgrenze von 0,5 Promille auf der Isar

Deshalb sollen sich Schlauchboot-, aber auch Kajak- und Kanufahrer auf neue Regeln einstellen: Das Wildwasser darf im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen nach einem Entwurf des Landratsamtes nur noch von 1. Juni bis 15. Oktober befahren werden - dabei gilt eine Alkoholgrenze von 0,5 Promille.

Angesichts des immer höheren Freizeitdrucks an der Isar hatte das Landratsamt diesen Entwurf zu der Isarverordnung erarbeitet. Die Verordnung soll die Natur schützen und mehr Sicherheit bringen. Sie gilt nur für private Bootsfahrten, nicht für gewerbliche Veranstalter.

Schlauchbootfahren: Beiboot- und Party-Verbot

Auch mit den Bier-Beibooten soll Schluss sein. Die Verordnung untersagt das Anhängen von Booten ebenso wie Glasflaschen. Die Bootsfahrer müssen auch auf laute Musik für ihre Partylaune verzichten. Verstärker sollen verboten werden. Kinder bis zwölf Jahre müssen Schwimmwesten tragen und ab 20.30 Uhr bis morgens um 7 Uhr soll auf dem Fluss Ruhe herrschen: Nachtfahrverbot.

Verstöße sollen mit bis zu 5.000 Euro Geldbuße geahndet werden. Neun Isar-Ranger, die seit Jahren für Ordnung sorgen, sollen mit ehrenamtlichen Helfern der Naturschutzwacht über die Einhaltung der Regeln wachen.

Zwar könnten sie etwa die 0,5 Promille-Grenze nicht direkt kontrollieren, aber bei einem Unfall spiele diese versicherungsrechtlich eine große Rolle, heißt es beim Landratsamt. Die Ranger dürften auch die Personalien aufnehmen.

Gewerbliche Anbieter geben auf

Monatelang war die neue Verordnung mit Anrainergemeinden abgestimmt und auch den Bürgern in einer Online-Befragung vorgestellt worden. Das Papier gilt für private Bootsfahrten, nicht für gewerbliche Anbieter. Doch auch für sie wird es dieses Jahr härter. Bisher wurden kommerzielle Fahrten auch im Naturschutzgebiet von Bad Tölz flussabwärts geduldet, wo auch die meisten privaten Boote unterwegs sind. Dieses Jahr dürfen gewerbliche Anbieter erstmals nur noch oberhalb von Bad Tölz fahren, und auch dann nur unter strikten Auflagen und besonderer Genehmigung.

Der Anbieter Isar-Piraten gab auf. "Was mich ärgert: Dass die privaten Fahrer, die so viel Ärger gemacht haben, grundsätzlich weiter fahren dürfen", sagt Ex-Isar-Pirat Henning Schleusener. Mäßiger Alkoholgenuss, Verzicht auf Glasflaschen und Schwimmwesten als Empfehlung für alle: "Wir haben dieses Standards seit Jahren verwirklicht." Er begrüße aber die Verordnung als lange überfällig. "Viele haben die Natur nur noch als Kulisse für Sauftouren benutzt."

Flößer dürfen weiterfahren wie bisher 

Die einzigen, die wie bisher fahren dürfen, sind die Flößer. Die von manchen als schwimmende Bierzelte geschmähten Baumstamm-Gefährte sind mit Blaskapelle, zünftiger Stimmung und reichlich Gerstensaft auf dem Isarkanal unterwegs. Sie fallen nicht unter die Bootfahrverordnung, und für sie gelten Sondergenehmigungen. Alkohollimits müssen die Gäste hier nicht fürchten - immerhin steuern sie nicht selbst.

Überlegungen auch im Landkreis München 

Auch im benachbarten Landkreis München wird überlegt. Es sollen Vorschläge zur Sicherheit entwickelt werden, etwa eine Schwimmwestenpflicht und für Kinder und ein mögliches Verbot untauglicher Billigschlauchboote.

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