Um Kosten zu senken: Klinikum München bekommt zwei Tochterfirmen

Um Kosten zu senken, gliedern die städtischen Krankenhäuser ihre Küchen und die Logistik aus – die Angestellten sind wenig begeistert vom Outsourcing. 
| Florian Zick
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Teil der Sanierung: das Klinikum Harlaching.
AZ-Archiv Teil der Sanierung: das Klinikum Harlaching.

Man kennt diesen Begriff eigentlich nur aus der großen Wirtschaft: Outsourcing. Gemeint ist damit das Auslagern nicht rentabler Firmenteile. Im Zuge der Kliniksanierung greift nun aber auch die Stadt auf dieses umstrittene Mittel zurück.

Der Stadtrat hat gestern beschlossen, dass die Krankenhausküchen und der Patiententransport in eigenständige Tochtergesellschaften ausgegliedert werden dürfen. Dadurch ist das Klinikum in diesen Bereichen nicht mehr an die Tarifstruktur im öffentlichen Dienst gebunden. Die Folge: erhebliche Kürzungen bei den Lohnkosten.

Die städtische Kämmerei rechnet mit 4,6 Millionen Euro weniger Ausgaben bis 2022 – wichtige Einsparungen, um das finanziell schwer angeschlagene Klinikum wieder auf wirtschaftlich solide Beine zu stellen. Doch für die Beschäftigten des Klinikums bedeutet der jetzige Beschluss auch finanzielle Härten.

Da das Klinikum mit den Gewerkschaften bislang noch keine Einigung über einen Haustarif erzielen könnte, bekommen neue Mitarbeiter in den Klinikküchen und beim Krankentransport vorläufig nur noch das, was in diesen Bereichen auch an anderen Kliniken in Bayern bezahlt wird.

Dumpinglöhne für neue Beschäftigte?

Die Stundenlöhne liegen branchenüblich derzeit bei zehn bis 12,28 Euro. Das Problem: In Nürnberg oder Passau kommt man mit diesem Geld natürlich deutlich weiter als in München. "Das mit den zehn Euro können wir deshalb nicht machen", findet Lydia Dietrich, die Klinik-Expertin der Grünen im Stadtrat.

Man sei zwar nicht grundsätzlich gegen die Gründung der Tochtergesellschaften, so Dietrich, auf jeden Fall aber gegen Dumpinglöhne.

Zwar behalten alte Mitarbeiter ihre jetzigen Tarifgehälter. Neue Mitarbeiter bekommen durch die neue Lohnstruktur dagegen bis zu 40 Prozent weniger Geld. Auf diese Weise würden die Probleme einfach auf die Beschäftigten abgewälzt, schimpft Dietrich.

In der rot-schwarzen Stadtregierung verteidigt man die Maßnahmen. Man befinde sich mitten in der Sanierungsphase, sagt Hans Theiss, der gesundheitspolitische Sprecher der CSU-Fraktion. Da müsse man auch mal unbequeme Entscheidung treffen.

Theiss sagt, das oberste Ziel sei immer gewesen, den sogenannten "weißen Bereich" wie Medizin und Pflege zu schonen. Deswegen habe man versuchen müssen, anderweitig Einspareffekte zu erzielen. Insgesamt sei es aber immer noch eine "sanfte Sanierung, die wir hier machen", so Theiss.

Die Klinikküchen sollen nun im Lauf des Jahres ausgelagert werden. Zum 1. Januar 2019 soll dann auch der Transportservice folgen. Wenn auf diese Weise dann Fakten geschaffen sind, wollen auch die Gewerkschaften die Gespräche wieder aufnehmen. Womöglich lässt sich für die Angestellten dann ja doch noch ein Haustarif mit ein paar Euro mehr aushandeln.

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