Ude entmachtet die Klinik-Chefs

Der Münchner Oberbürgermeister zieht Konsequenzen: Die Klinik-Chefs bleiben zwar Geschäftsführer. Zentrale Aufgaben übernimmt in Zukunft aber ein Lenkungskreis.
| Julia Lenders
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Das städtische Klinikum Bogenhausen - eines von fünf Krankenhäusern, die zum Stadtklinikum gehören. Elizabeth Harrison (l.), Geschäftsführerin des Städtischen Klinikums München ist unter Aufsicht, denn OB Ude nimmt die Leiter der Kliniken an die kurze Leine.
az/dpa Das städtische Klinikum Bogenhausen - eines von fünf Krankenhäusern, die zum Stadtklinikum gehören. Elizabeth Harrison (l.), Geschäftsführerin des Städtischen Klinikums München ist unter Aufsicht, denn OB Ude nimmt die Leiter der Kliniken an die kurze Leine.

Der Münchner Oberbürgermeister zieht Konsequenzen: Die Klinik-Chefs bleiben zwar Geschäftsführer. Zentrale Aufgaben übernimmt in Zukunft aber ein Lenkungskreis.

München - Oberbürgermeister Christian Ude zieht Konsequenzen aus der schleppend verlaufenden Sanierung des städtischen Klinikums: Er entmachtet die Klinik-Chefs. Zwar nicht in vollem Umfang: Sie bleiben Geschäftsführer.

Aber Ude hat einen übergeordneten Lenkungskreis einberufen, der nun ein „Sanierungskonzept aufstellen und den Prozess steuern soll“. Damit übernimmt das Gremium zentrale Aufgaben, die sonst der Geschäftsführung zugekommen wären. Ude selbst will den Lenkungskreis leiten, sein Vize wird Kämmerer Ernst Wolowicz. Die Klinikchefs sind Teil des Gremiums und dürfen „konstruktiv mitarbeiten“, wie Ude sagt. Ebenfalls gehören die Berater des Klinikums und der Stadt dazu, sowie Gesundheitsreferent Joachim Lorenz.

„Am 24. Oktober ist das Vertrauensverhältnis zwischen Geschäftsführung und Stadt schwer erschüttert worden“, erklärt Ude den Hintergrund. Das war der Tag, an dem der kaufmännische Klinik-Chef Freddy Bergmann Vorschläge für die Sanierung sowie Eckdaten für den Entwurf eines Wirtschafts- und Unternehmensplan abliefern hätte sollen.

Stattdessen bat er um eine Fristverlängerung – und lud zum Pressegespräch. „Wir brauchen so schnell wie möglich neues Geld“, forderte Bergmann über die Medien. Ude sagt, ihm sei ein solcher aktueller Finanzbedarf „mit keinem Sterbenswörtchen“ mitgeteilt worden. Und: „Ich habe immer noch kein Sanierungsprogramm vorliegen, das diesen Namen verdient.“

Stattdessen habe die Geschäftsführung Fragen eingereicht. Sie will wissen, welche Einschnitte sich die Stadt vorstellen kann. Ude spricht deshalb von einer „grotesken Umkehr der Verantwortlichkeiten“. Die Klinik-Chefs seien verpflichtet, ein Konzept vorzulegen. „Persilscheine“ werde er keine ausstellen.

Warum trennt man sich nicht von der Geschäftsführung? Ude erklärt: „Wir erwarten im Falle einer Kündigung nur langwierige Auseinandersetzungen.“ Das sei dem Unternehmen nicht zuzumuten. Lieber nimmt der OB die Zügel jetzt selbst in die Hand.

In Udes Gesellschafter-Weisung stehen – neben der Einberufung des Lenkungskreises – weitere Anordnungen. Darunter: Die Geschäftsführung erhält den Auftrag, ein Sanierungskonzept zu erstellen, das den gesetzlichen Anforderungen genügt. Bis Ende Januar muss ein Unternehmensplan vorgelegt werden.

Ohne schriftliche Zustimmung der Stadt dürfen künftig keine wirtschaftlichen Entscheidungen im Zusammenhang mit der Sanierung getroffen werden. Außerdem soll ein kompetentes Beratungsunternehmen beauftragt werden.

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