U-Bahn, Tram und Busse betroffen: Verdi streikt am Montag auch in München
Update vom 30. Januar, 9.22 Uhr: Wie die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi offiziell mitteilt, wird der Streik im Nahverkehr am Montag, dem 2. Februar, bundesweit stattfinden. Betroffen sind zahlreiche Großstädte in Deutschland, darunter Berlin und München. Damit will die Gewerkschaft in der aktuellen Tarifrunde für knapp 100.000 Beschäftigte in 150 städtischen Verkehrsunternehmen und Busbetrieben Druck auf die Arbeitgeber machen, wie Verdi am Freitag in Berlin mitteilte.
In den betroffenen Städten dürften die Fahrzeuge also weitgehend im Depot bleiben: Verdi rechnet damit, dass keine Busse und Bahnen fahren werden. Ob einzelne Linien der bestreikten kommunalen Verkehrsunternehmen doch bedient werden oder ob es Ersatzfahrpläne geben wird, war zunächst nicht bekannt. Sicher ist aber: Von dem Ausstand dürften Hunderttausende Menschen betroffen sein.
Beim Verhandlungsauftakt gab es nach früheren Angaben keine Annäherung. Dieses Mal streiten die Tarifparteien nicht über das Gehalt. Neu ausgehandelt wird stattdessen der Manteltarifvertrag, in dem die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten festgelegt sind. Verdi fordert unter anderem höhere Zuschläge für Überstunden, Nachtarbeit sowie Arbeit am Wochenende. Außerdem wolle man Zulagen entsprechend der individuellen Entgeltstufe durchsetzen.
Überstünden für Arbeitgeber günstiger als Neueinstellungen
Verdi argumentiert, dass Überstunden derzeit für Arbeitgeber günstiger seien als Neueinstellungen und die Beschäftigten durch Arbeitsverdichtung stark belastet würden. Verbesserte Zuschläge sollen nach Gewerkschaftsangaben dazu beitragen, Überstunden zu begrenzen, Personal zu gewinnen und den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) langfristig zu stabilisieren.
Verdi-Verhandlungsführer Jan Bleckert zeigte zwar Verständnis für die prekäre finanzielle Lage der Kommunen. Er betonte aber: "Wir akzeptieren nicht, dass die kommunalen Arbeitgeber die Beschäftigten mit der ständigen Androhung von Leistungskürzungen und Preiserhöhungen für Fahrgäste erpressen wollen."
"Katastrophale Finanzlage"
Die Arbeitgeber legten bei der ersten Verhandlungsrunde kein Angebot vor – und wiesen die Forderungen mit Verweis auf die "katastrophale Finanzlage" vieler Städte und Gemeinden zurück. Die Spielräume sind demnach durch wegbrechende Einnahmen, steigende Ausgaben und teils nicht genehmigte Haushalte ausgeschöpft. In dieser Situation gehe es bereits darum, den Status quo zu sichern. Zusatzkosten durch höhere Zulagen seien nicht finanzierbar.
Der Verband verwies zudem auf bereits vereinbarte tarifliche Verbesserungen. Seit 2023 seien die Entgelte einschließlich Zuschlägen um mehr als ein Fünftel gestiegen – und weitere Erhöhungen seien vereinbart. Die Verhandlungen sollen am 9. Februar fortgesetzt werden. Die Friedenspflicht in dem Konflikt endete bereits zum 1. Januar.

Update vom 29. Januar, 16.43 Uhr: Bei der MVG geht man davon aus, dass es zum Streik kommt. In diesem Fall wären in München sowohl U-Bahn, Tram und zahlreiche Buslinien betroffen. Man sei aber vorbereitet.
Sollte es zum Streikfall kommen, dann würde die U-Bahn laut MVG-Info zunächst aus Sicherheitsgründen außer Betrieb gehen. Ob, wann und in welchem Turnus sie möglicherweise doch fährt, sei davon abhängig, ob in der Leitstelle ausreichend Personal zur Verfügung stünde. Auch genug Fahrpersonal sei notwendig, um mindestens eine U-Bahn-Linie betreiben zu können.
Auch bei der Tram hängt der Betrieb von der Personalverfügbarkeit ab. Falls Fahrzeuge besetzt werden können, würden diese zunächst auf der am stärksten nachgefragten Linie 20 in der Dachauer Straße eingesetzt.
Etwas besser sieht es bei den Bussen aus. Weil die privaten Busunternehmen, die für die MVG fahren, nicht bestreikt werden, wäre bei den Buslinien ein stark eingeschränkter Betrieb möglich.
S-Bahn und Regionalbusse werden nicht bestreikt.
Ursprungsmeldung vom 28. Januar: "Sehr enttäuschend" war die erste Verhandlungsrunde am 19. Januar, so das Fazit der Münchner Verdi-Bezirksvorsitzenden Claudia Weber gegenüber der AZ. Bevor am 13. Februar die zweite Verhandlungsrunde ansteht, wird es ernst: Warnstreiks stehen im Raum, die werden auch "definitiv" kommen, sagt Haris Softic am Dienstag zur AZ.
Streik im öffentlichen Verkehr: Was auf München zukommt
Er ist der zuständige Bezirkssekretär von Verdi München. Es ist nur noch nicht ganz klar, wann genau U-Bahnen, Trambahnen und Busse in München stillstehen – und für wie lange. Mindestens 50 Prozent der MVG-Mitarbeiter sind laut Verdi gewerkschaftlich organisiert und somit dem Flächentarifvertrag angeschlossen.
Es sei "untypisch", dass vonseiten der Arbeitgeber kein Entgegenkommen zu spüren gewesen sei, sagt Softic. "Die Arbeitgeber sind mit ihrem Angebot sogar noch unter dem geblieben, was im vergangenen Jahr im Gespräch war". Der erste Streiktag wird bundesweit stattfinden. Nach AZ-Informationen könnte es bereits Ende dieser, eher aber Anfang nächster Woche losgehen. Spätestens 24 Stunden bevor der Streik beginnt, informiert die Gewerkschaft die Öffentlichkeit.
MVG: "Wir sind gewappnet"
Wenn sich die beiden Seiten nicht einig werden, könnte schlimmstenfalls sogar ein unbefristeter Streik drohen. Das war laut Softic zuletzt 2015 bei der Deutschen Post der Fall. Der Streik dauerte damals vom 8. Juni bis Anfang Juli.
Bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ist man schon seit letzter Woche vorbereitet. "Wir wissen natürlich von den Streikabsichten", sagte MVG-Sprecher Maximilian Kaltner vergangene Woche der AZ: "Ziel der Warnstreiks ist ja, dass sie uns unvorbereitet treffen, aber wir sind gewappnet."
Es gibt laut Kaltner ein Notprogramm, bei dem Linien priorisiert werden. Man werde außerdem die Leitstelle der U-Bahn im Blick haben. "Dort ist es angesichts der Sicherheitsvorschriften wichtig, dass das unverzichtbare Personal arbeitet", so Kaltner. Insbesondere viel befahrene Strecken wie die U3 und die U6 sind bei einem Streik im Fokus. Bei der Tram die Linien 20 und 25. Am wenigsten problematisch seien die Busse, weil dort auch viele Privatunternehmen im Einsatz seien.
Mehr Lohn, weniger Arbeit: Was die Gewerkschaft Verdi fordert
Sobald ein Streik bekannt wird, informiert die MVG "vorab über alle Kanäle die drohenden Einschränkungen", so Kaltner. Die Fahrgäste würden während des Streiks stets auf dem Laufenden gehalten.
Die Liste an Forderungen seitens der Gewerkschaft ist lang: Unter anderem enthält sie eine Erhöhung der Tarifgehälter um 668,75 Euro pro Monat sowie den Wechsel von einer 38,5-Stunden-Woche auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Außerdem ein um fünf Prozentpunkte höherer Sonntagszuschlag von 30 Prozent, eine tarifliche Regelung für eine Mindestruhezeit von elf Stunden sowie für die Arbeitnehmer günstigere Regelungen dazu, was vor Fahrtbeginn und nach Fahrtende als Arbeitszeit angerechnet wird. Als Laufzeit strebt Verdi zwölf Monate an.
Der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) Bayern nannte die Forderungen nach der ersten Verhandlungsrunde realitätsfern: "Sie übersteigen das von jedem Unternehmen wirtschaftlich Leistbare bei Weitem".
Man habe stattdessen unter anderem eine Erhöhung der Tarifgehälter um mindestens 5,0 Prozent in zwei Schritten vorgeschlagen. Zudem sollten Ausbildungsgehälter in zwei Schritten um insgesamt 150 Euro steigen – jeweils bei einer Laufzeit bis Ende 2027. Haris Softic von Verdi sagt, er hoffe, dass nach einem ersten Warnstreik keine weiteren nötig sind. "Dann müsste man auch die Geduld der Mitmenschen nicht unbedingt mehr strapazieren."
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