U-Bahn nicht im Einsatz: Hunderttausende beim Streik in München betroffen

Nun ist es offiziell: am Montag wird der ÖPNV in München bestreikt. Bei U-Bahn, Bus und Tram wird so gut wie nichts fahren. Die Schuld am Streik alleine der Gewerkschaft Verdi in die Schuhe zu schieben, wäre aber zu einfach. Worum es diesmal geht und ob weitere Streiks drohen.
von  André Wagner, Jan Krattiger
Für den 2. Februar 2026 hat Verdi Streiks im ÖPNV angekündigt. (Archivbild)
Für den 2. Februar 2026 hat Verdi Streiks im ÖPNV angekündigt. (Archivbild) © Sven Hoppe/dpa

Schon länger hat es sich angedeutet, nächste Woche wird es Realität. Die Gewerkschaft Verdi hat mitgeteilt, dass am Montag bundesweit der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) bestreikt wird. Der Streikaufruf ist von Montag, 2. Februar bis Dienstag, 3. Februar jeweils 3.30 Uhr. Es ist aber davon auszugehen, dass der ganztägige Warnstreik bereits mit Dienstbeginn startet.

Betroffen von den Warnstreiks sind auch die U-Bahnen, Busse und Trambahnen der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Aus "Sicherheitsgründen" wird die U-Bahn am Montag zunächst nicht in Betrieb gehen. Auch Busse und Trambahnen werden in München von den Warnstreiks massiv betroffen sein und damit Hunderttausende von Menschen, die mit dem ÖPNV zur Arbeit kommen oder aus anderen Gründen auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgreifen müssen.

S-Bahn und Regionalbusse, die jeweils von der Deutschen Bahn oder Dritten betrieben werden, werden nicht bestreikt.

ÖPNV-Betrieb hängt vom verfügbaren Personal ab

Ob im Laufe des Montags doch noch U-Bahnen fahren, hängt zum einen davon ab, ob der Leitstelle genug Personal zur Verfügung steht und man auch auf ausreichend Fahrer zurückgreifen könne, um zumindest eine Linie zu befahren.

Ganz ähnlich sieht es bei der Trambahn aus. Sollte genügend Personal zur Verfügung stehen, werde dieses zunächst auf der am stärksten nachgefragten Linie 20 in der Dachauer Straße eingesetzt werden.

Etwas besser sieht es bei den Bussen aus. Hier ist ein, wenn auch deutlich eingeschränkter, Betrieb möglich, weil die privaten Busunternehmen, die für die MVG fahren, nicht bestreikt werden. Einige Busse werden am Montag allerdings im Einsatz sein.

Die Nachtlinien fahren in der Nacht von Sonntag auf Montag nur bis 2:30 Uhr. Sie müssen einrücken, weil der Streik um 3:30 Uhr beginnt.

Weitere Informationen für Fahrgäste 

Die MVG verweist darauf, sich unter "Aktuelle Störungen“ auf mvg.de oder unter "Störungen" in der App MVGO zu informieren. 

Die aktuelle Verbindungsabfrage auf mvg.de und in der App MVGO zeige mit farbiger Uhrzeit an, welche Züge und Busse auch im Streikfall fahren. 

GRÜN = pünktlich
ROT = verspätet
SCHWARZ = kein Fahrzeug im Einsatz

Bei der MVG bittet man darum zu beachten: Bei einer Vorab-Verbindungssuche ist nicht sicher, dass die gewählten Linien später tatsächlich fahren. Ob, wo und wie viele Fahrzeuge im Einsatz sind, ändert sich im Laufe des Tages. 

Werden Tickets erstattet?

Wie die MVG mitteilt, gilt die Garantie nicht im Streikfall. Auch bei den anderen Fahrkarten (Wochen-/Monatskarten, Abonnements etc.) sei eine (anteilige) Erstattung im Streikfall nicht möglich.

Mit dem Streik will man den Arbeitgeber und nicht die Öffentlichkeit treffen

Wird der ÖPNV bestreikt, wird der Schwarze Peter häufig den streikenden Gewerkschaftsmitgliedern zugeschoben, aber Haris Softic, der zuständige Bezirkssekretär von Verdi in München, gibt gegenüber der AZ zu verstehen, dass man mit einem Streik nicht die Öffentlichkeit, sondern den Arbeitgeber treffen möchte. "Unsere Verdi-Mitglieder und deren Familien sind ja selbst Teil der Öffentlichkeit und von den Streiks im ÖPNV ebenso betroffen. Viele von uns sind auch Pendler", so Softic.

"Die Beschäftigten im Münchner Nahverkehr arbeiten unter hohem Druck – bei steigenden Lebenshaltungskosten und hoher Arbeitsbelastung", erklärt Claudia Weber, Bezirksgeschäftsführerin von Verdi München. "Gute Mobilität für München gibt es nur mit guten Arbeitsbedingungen."

Die Gewerkschaft Verdi hat bundesweit zu Warnstreiks im ÖPNV aufgerufen. (Archivbild)
Die Gewerkschaft Verdi hat bundesweit zu Warnstreiks im ÖPNV aufgerufen. (Archivbild) © Peter Kneffel/dpa

Schuld am Streik ist wieder mal das Thema Geld. Dieses Mal streiten die Tarifparteien nicht über das Gehalt. Neu ausgehandelt wird stattdessen der Manteltarifvertrag, in dem die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten festgelegt sind. Verdi fordert unter anderem höhere Zuschläge für Überstunden, Nachtarbeit sowie Arbeit am Wochenende. Außerdem wolle man Zulagen entsprechend der individuellen Entgeltstufe durchsetzen.

"Für den Manteltarif geht normalerweise keiner auf die Straße"

Dass am Montag nun in München zum Streik aufgerufen wurde, ist der Tatsache geschuldet, dass in Bayern Entgelttarif- und Manteltarifvertrag nicht getrennt sind. "Gäbe es in Bayern eine Trennung zwischen den Tarifverträgen, wie es in anderen Bundesländern der Fall ist, dann gäbe es am Montag wahrscheinlich keinen Streik, denn für den Manteltarif geht normalerweise keiner auf die Straße", erklärt Softic der AZ. "Es wurden so viele Versprechungen gemacht und nichts ist passiert, da fühlen wir uns mittlerweile verarscht", so Softic.

In einer ersten Verhandlungsrunde zwischen dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) und Verdi Mitte Januar legten die Arbeitgeber kein Angebot vor – und wiesen die Forderungen mit Verweis auf die "katastrophale Finanzlage" vieler Städte und Gemeinden zurück. Die Spielräume sind demnach durch wegbrechende Einnahmen, steigende Ausgaben und teils nicht genehmigte Haushalte ausgeschöpft. In dieser Situation gehe es bereits darum, den Status quo zu sichern. Zusatzkosten durch höhere Zulagen seien nicht finanzierbar.

Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...
 

Der Verband verwies zudem auf bereits vereinbarte tarifliche Verbesserungen. Seit 2023 seien die Entgelte einschließlich Zuschlägen um mehr als ein Fünftel gestiegen – und weitere Erhöhungen seien vereinbart.

"Die Eskalation in der Tarifrunde liegt allein in der Verantwortung der Verhandlerinnen auf der Seite der Arbeitgeberinnen", erklärt Katharina Wagner, Branchenkoordinatorin Busse und Bahnen bei Verdi. "Wir haben deutlich gemacht, dass wir die Arbeitsbedingungen und die Löhne der Beschäftigten langfristig verbessern wollen. Ein Tarifabschluss zu diktierten Bedingungen kommt für uns nicht infrage."

"In dieser Sache ist das letzte Wort noch nicht gesprochen"

Verdi-Verhandlungsführer Jan Bleckert zeigte zwar Verständnis für die prekäre finanzielle Lage der Kommunen. Er betonte aber: "Wir akzeptieren nicht, dass die kommunalen Arbeitgeber die Beschäftigten mit der ständigen Androhung von Leistungskürzungen und Preiserhöhungen für Fahrgäste erpressen wollen."

Eine zweite Verhandlungsrunde ist für den 13. Februar angedacht, sollte es bis dahin aber vom KAV keine positiven Signale geben und keine konkreten Zahlen genannt werden, welche für Verdi diskutabel sind, könnte dem Streik am Montag durchaus noch ein weiterer bis Mitte Februar folgen. "In dieser Sache ist das letzte Wort noch nicht gesprochen", so Softic.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.