Trickser im Münchner Impfzentrum: Keine Lust auf Warteschlange

Immer mehr Impfzentren berichten von Vordränglern, die sich mit fiesen Tricks die begehrte Corona-Spritze erschleichen wollen. Auch in München ist das Problem akut. Nun werden Rufe nach Sanktionen lauter.
| Leonie Meltzer, Christian Andresen
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Im Münchner Impfzentrum Riem werden laut Gesundheitsreferat täglich 25 bis 50 Tricksende erwischt.
Im Münchner Impfzentrum Riem werden laut Gesundheitsreferat täglich 25 bis 50 Tricksende erwischt. © imago images/Christian Offenberg

München - Der Sommerurlaub naht, mehr Freiheiten gibt es auch: Angesichts zunehmender Versuche Impfwilliger, sich ungerechtfertigt eine vorzeitige Impfung zu verschaffen, wird der Ruf nach Strafen laut. "Zwar werden Tausende erwischt, aber es fehlt an Sanktionen", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. "Sich beim Impfen vorzudrängen, ist weiterhin keine Ordnungswidrigkeit."

Viele Impfzentren klagen über Aggressivität von Impfwilligen und Versuchen, sich eine vorzeitige Impfung zu erschleichen. Das ARD-Politikmagazin "Report Mainz" berichtete von mehreren tausend Fällen, bei denen sich die Betreffenden mit falschem Alter und Beruf im Impfzentrum angemeldet haben. In Hamburg wurden zuletzt 2.000 Vordrängler pro Woche erwischt.

Pflegebedürftige Person kann nur zwei Kontaktpersonen benennen

Die Recherchen zeigen auch, dass die Impfbetrüger sich oft als höher priorisierte Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen oder Schwangeren ausgeben. Denn eine pflegebedürftige Person kann zwei Kontaktpersonen benennen, die vorrangig geimpft werden.

Brysch sagte: "Jetzt werden Vakzine freigegeben. Damit entsteht in den Impfzentren und bei den Hausärzten massiver Druck. Am Patientenschutztelefon erfahren wir von psychischen und physischen Drohgebärden."

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Bis zu 50 Impf-Trickser pro Tag in München

Das Gesundheitsreferat München berichtet auf AZ-Anfrage von 25 bis 50 Impf-Tricksern pro Tag – allein im Impfzentrum Riem. Durch fehlerhafte Angaben, etwa zu Beruf, Vorerkrankungen und in selteneren Fällen auch zum Geburtsdatum würden sie sich eine höhere Priorisierungseinstufung erschleichen, so die Sprecherin.

Mitarbeiter des Impfzentrums entlarven die Vordrängler dann beim Check-In: Vor Ort müssen geeignete Dokumente, die im Registrierungssystem BayIMCO hinterlegten Gründe für die Impfpriorisierung belegen. Geprüft werden etwa "die Arbeitgeberbescheinigung, ärztliche Befunde, Gutachten, Bestätigungen oder auch den Ausweis bezüglich des Geburtsdatums", teilt die Sprecherin weiter mit.

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Können Personen entsprechende Nachweise nicht vorlegen, würden sie zunächst abgewiesen werden, bestätigt auch das Landratsamt München der AZ. Zahlen zu Vordränglern werden hier aber nicht erfasst.

Vordrängler sorgen für längere Wartezeiten und stören den Ablauf

Ein weiteres Problem: Die Aufklärung frisst Zeit. Durch die Falschangaben erhöhe sich der Aufwand vor Ort, so das Gesundheitsreferat. Diese Fälle würden "nicht zuletzt wegen der anschließenden Diskussionen mit den Abgewiesenen" den Betriebsablauf stören. Zudem führen sie zu Wartezeiten für berechtigt Angemeldete.

Auch Markus Frühwein, Facharzt für Allgemein- und Reisemedizin kennt das Problem. Es sei bis jetzt in seiner Praxis in der Brienner Straße allerdings noch kein alltägliches und eher selten: "Natürlich kommt es vor, dass jemand einen Termin bucht und vorher behauptet, er sei in der Prio 2", sagt Frühwein der AZ. Dann stelle sich manchmal heraus, dass der Tricksende keiner Priorisierungsgruppe angehöre - "und dann erzählt er noch von einer Urlaubsreise".

Wenn die Falschinformation ans Licht komme, werde derjenige schlichtweg nicht geimpft. "Das geht einfach nicht", so der Allgemeinmediziner. Anhand der Krankenversicherungskarte werde erkannt, wie alt jemand wirklich sei. Ob ein Attest jedoch gefälscht sei, könne er nicht kontrollieren, so der Arzt.

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