Traumstadt aus dem Bilderbuch

Zwischen Tradition, Touristen und Tracht: Szenen eines riesigen Geburtstagsfestes
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Ein Breznreiter verteilt frische Ware unters Volk.
Ronald Zimmermann Ein Breznreiter verteilt frische Ware unters Volk.

MÜNCHEN - Zwischen Tradition, Touristen und Tracht: Szenen eines riesigen Geburtstagsfestes

Adlerflaum flirrt an ihren Hüten im Gegenlicht, recht hochgeschlossen sind die Dirndl der Frauen: Die Gruppe Trachtler vor dem Jagd- und Fischereimuseum ruht sich aus, ein blonder Junge schläft im Leiterwagen – und schwupps stellt sich ein Tourist zwischen sie: „I’m from Tunesia“. Ein Schnappschuss fürs Album, sofort steht eine Asiatin zwischen den Trachtlern für das nächste Erinnerungsfoto. Bilderbuchmünchen! Lederhosen, Dirndl, Riegelhauben, am Samstag die Schäffler und am Sonntag ein echtes Floß mit kernigen Burschen auf dem Marienplatz. Auch für Touristen war das Stadtgründungsfest eine extrem gelungene Party – allein die Fotomotive!

Wirt Rinaldo Talamonti versucht derweil am Marienhof, bei der Gastro-Olympiade zu punkten: Es gilt, ein Whisky-Glas mit Schwung auf einer improvisierten Theke nach vorn zu schliddern. Aber gnadenlos zeigen die wie Amy-Winehouse gestylten Girls von der Deutschen Eiche, wer hier die Profis sind: Mit Augenmaß und Gefühl platzieren sie das Glas genau an der richtige Stelle. Da nützt es nicht mehr recht viel, dass Bayerische Hof-Chefin Innegrit Volkhardt ihr Team noch in letzter Minute zu coachen versucht – am Schluss gewinnt die Mannschaft des Pschorr vom Viktualienmarkt.

Fast auf den Boden hängt der Bauch des Rauhaardackels, gemächlich wackelt der Besitzer hintendrein – es ist voll auf der Residenzstraße auf dem Weg zum Odeonsplatz, die Menschen flanieren an den Ständen der Kunsthandwerker mit Taschen, Kissen, Schmuck und Puppen vorbei. „Schau amal nauf!“ sagt eine Mutter plötzlich zu ihrem Kind – das Mädchen reckt den Hals zu den phantastischen Stelzengängern, die in bunten, flatternden Kostümen hoch über der Menge zu schweben scheinen. Obschon Hunderttausende auf den Beinen sind und sich neugierig durch die Innenstadt treiben lassen, kommt auch in engen Situationen nie schlechte Stimmung auf. „Luft anhalten“ ruft einer von vorn, als sich die Menschenmasse durch eine Engstelle zwischen Feldherrnhalle und Theatinerkirche schiebt und kurzzeitig zum Stillstand kommt.

Doch vorn, am Odeonsplatz, flattern im Nachmittagswind die prächtigen Fahnen der Trachtler, die in Reih und Glied an den Passanten vorbeiziehen. Erschöpft schläft ein Kleiner im Kinderwagen, nicht nur Touristen zücken die Kameras. So ein runder Geburtstag ist schön. Auch, weil er richtig schön müde macht.

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