Tram-Jubiläum: Historische Straßenbahnen rollen am Wochenende durch München

Am 21. Oktober 1876 nahm die erste Pferdetram ihren Betrieb auf. 150 Jahre später feiert München das Jubiläum mit historischen Straßenbahnen, kostenlosen Sonderfahrten und einem Blick hinter die Kulissen.
von  Maja Aralica
Markus Trommer, Vorsitz des Vereins Freunde des Münchner Trambahnmuseums, in historischer Pferdebahner-Uniform. Der Zug stammt aus den 1950er Jahren.
Markus Trommer, Vorsitz des Vereins Freunde des Münchner Trambahnmuseums, in historischer Pferdebahner-Uniform. Der Zug stammt aus den 1950er Jahren. © Daniel von Loeper

Die Tram ist Münchens ältestes öffentliches Verkehrsmittel: Seit 150 Jahren gehört sie fest zum Stadtbild dazu. Als die erste Pferdetram am 21. Oktober 1876 ihre Fahrt aufnahm, zogen allerdings noch Rösser die Wagen durch die Straßen. Sechs Wagen rollten damals auf einer 2,8 Kilometer langen Strecke von Ost nach West: vom Promenadeplatz über den Karlsplatz und den Centralbahnhof bis zur Stadtgrenze an der Nymphenburger Straße. Ab 1895 fuhren die Trams elektrisch.

Heute feiert die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) die Meilensteine der Tramgeschichte mit einem Jubiläumswochenende.

Die Pferdetram fuhr von 1876 bis 1900 durch die Stadt.
Die Pferdetram fuhr von 1876 bis 1900 durch die Stadt. © MVG

Neun historische Wagen aufpoliert

Den Auftakt des Jubiläums bildet am Samstag um 9.45 Uhr ein Tram-Korso. Dafür hat Thomas Anderl, Fachbetriebsleiter Fahrzeuge, gemeinsam mit einem großen Team neun historische Wagen auf Vordermann gebracht. Techniker, Ingenieure und sogar Auszubildende arbeiteten sich in die teils veraltete Technik der Fahrzeuge aus verschiedenen Jahrzehnten ein. Sie studierten alte Pläne, prüften die Elektrik und besserten den Lack aus. Einige Ersatzteile mussten sie eigens für die historischen Trams anfertigen lassen.

Zwei Jahre lang dauerten die Arbeiten. Anderl ist stolz auf das Ergebnis: Viele der historischen Wagen lassen sich nun wieder häufiger für Sonderfahrten einsetzen.

Thomas Anderl hat mit seinem Team neun historische Wagen aufbereitet.
Thomas Anderl hat mit seinem Team neun historische Wagen aufbereitet. © MVG

Der Korso startet an der Theatinerstraße. Schaffner in historischen Uniformen verteilen alte Fahrscheine, während Schienenritzenreinigerinnen die Gleise freimachen. Über die Perusastraße und die Maximilianstraße geht es bis zur Einsteinstraße. Vorneweg fährt eine moderne Tram mit Jubiläumsfolierung, dahinter folgen eine Pferdetram und Triebwagen aus den Jahren 1901 bis heute.

Um 11 Uhr erreicht der Korso den Tram-Betriebshof in der Einsteinstraße. Mitfahren können Besucher nicht, vom Straßenrand aus können sie die historischen Fahrzeuge aber bestaunen.

Ein sogenannter M-Wagen. Zwischen 1950 und 1965 erhielten die Stadtwerke München 286 Trieb- und 246 Beiwagen in fünf Serien. Der meistgebaute Lenkdreiachser der Welt prägte das Stadtbild über Jahrzehnte bis 1997.
Ein sogenannter M-Wagen. Zwischen 1950 und 1965 erhielten die Stadtwerke München 286 Trieb- und 246 Beiwagen in fünf Serien. Der meistgebaute Lenkdreiachser der Welt prägte das Stadtbild über Jahrzehnte bis 1997. © MVG

Mit historischen Trams durch die Stadt

Enttäuscht braucht man trotzdem nicht sein: Von etwa 11.30 Uhr bis 18 Uhr pendeln historische Trams als Jubiläumslinie in beide Richtungen zwischen dem Tram-Betriebshof und dem Sendlinger Tor. Auch historische Busse des Omnibus-Club München (OCM) sind auf einer Jubiläumslinie unterwegs.

Die Mitfahrt ist kostenlos. Einsteigen können Fahrgäste, solange Plätze frei sind. Allerdings sind die historischen Fahrzeuge größtenteils nicht barrierefrei. Kinderwagen und sperrige Gegenstände dürfen nicht mit an Bord.

Die Baureihe Z war die erste Generation elektrischer Trambahnen. Ab 1895 gingen sie in Betrieb.
Die Baureihe Z war die erste Generation elektrischer Trambahnen. Ab 1895 gingen sie in Betrieb. © MVG

Wer Lust auf noch mehr historische Trams hat, kann an der parallel stattfindenden Langen Nacht der Museen das MVG-Museum besuchen. Dort stehen mehr als 20 Trambahnen, Omnibusse und Arbeitsfahrzeuge. Der OCM fährt von 18 Uhr bis 1 Uhr alle zehn Minuten mit historischen Fahrzeugen vom Odeonsplatz zum Museum.

Ein Blick hinter die Kulissen

Am Sonntag öffnet der Tram-Betriebshof von 10 bis 17 Uhr seine Türen. In der großen Halle mit ihren hellen Deckenfenstern stehen historische und moderne Trambahnen sowie verschiedene Betriebsfahrzeuge. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erzählen von ihrem Arbeitsalltag und Besucher können auch einen Blick in die Waschanlage und die Lackiererei werfen. Bei gutem Wetter zeigen Fachleute, wie sie Gleise verschweißen und die Oberleitungen mit Drohnen kontrollieren.

Ein D-Wagen. Die letzten zog man nach den Olympischen Spielen 1972 aus dem Verkehr.
Ein D-Wagen. Die letzten zog man nach den Olympischen Spielen 1972 aus dem Verkehr. © MVG

Für Kinder gibt es Kinderschminken, Luftballonkunst und eine Spaß-Tram. Darin dürfen die Kleinen selbst Durchsagen machen und klingeln. Auch Mitglieder der Vereine Freunde des Münchner Trambahnmuseums und Straßenbahnfreunde sind in historischen Uniformen vor Ort.

Alle Informationen zum Programm gibt es unter mvg.de/tram150.

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