Traditionsgeschäft schließt nach 55 Jahren im Münchner Uni-Viertel – Inhaberin rechnet mit "Spaßkultur" ab

Ihr Geschäft gehört seit Jahrzehnten zur Maxvorstadt. Nun schließt die 85-jährige Inhaberin ihren Laden – und zum Abschied spart Monika Schmidt nicht mit Kritik an der Entwicklung des Viertels.
von  Eva von Steinburg
Schellingstraße Ecke Amalienstraße. Etliche Schanigärten und Freischankflächen gibt es hier. Das gefällt nicht allen in der Nachbarschaft. Auch Monika Schmidt, die ihr Kunstantiquariat in der Schellingstraße 33 nach 55 Jahren schließt, äußert Kritik. (Symbolbild)
Schellingstraße Ecke Amalienstraße. Etliche Schanigärten und Freischankflächen gibt es hier. Das gefällt nicht allen in der Nachbarschaft. Auch Monika Schmidt, die ihr Kunstantiquariat in der Schellingstraße 33 nach 55 Jahren schließt, äußert Kritik. (Symbolbild) © Ben Sagmeister

Es ist wieder Hofflohmarkt – quer durchs Viertel: In privaten Hinterhöfen verkaufen die Bewohner der Maxvorstadt am Samstag, 10 bis 16 Uhr, Ausgedientes und Kurioses aus Garagen und Kellern. Nach 55 Jahren im Viertel – das Kunstantiquariat Monika Schmidt in der Schellingstraße 33 schließt. Regisseurin Doris Dörrie gehört zu ihren Kunden. Auch Politiker und viele Künstler. Bis 26. Juni ist Räumungsverkauf.

Im Hinterhof legen Mitarbeiterinnen am Samstag ihre "Kunst auf Papier" aus: Japankunst ist darunter, wofür die Galerie bekannt ist. Zur alten Grafik gehören Münchenansichten, Blumenstiche, Vogelbilder, Stahlstiche von Pilzsorten und kuriose Tierabbildungen, teils über 150 Jahre alt. "Wir haben Abbildungen zu Berufen, wie Tischler, Jurist oder Mediziner. Auch historische Landkarten", sagt die Mitarbeiterin.

Gibt es in der Schellingstraße – eine wertvolle Stadtansicht: Mitarbeiterin Veronika Rauch zeigt einen historischen Druck mit der Frauenkirche.
Gibt es in der Schellingstraße – eine wertvolle Stadtansicht: Mitarbeiterin Veronika Rauch zeigt einen historischen Druck mit der Frauenkirche. © Eva von Steinburg

Historische Spielkarten, Landkarten, kuriose Tiere

Auf über 100 Quadratmetern gibt es komplette Spielkartensets von 1840 oder aus den 1920er Jahren. "Wir graben jetzt recht viel aus, wie ganze Spielkartenbögen, die man sich ausschneiden kann", sagt Antiquariats-Mitarbeiterin Veronika Rauch. "Meine europäische Grafik habe ich in die Auktion gegeben, doch ich habe noch schönes Material: historische München-Ansichten und wunderbare alte Landkarten", sagt Monika Schmidt, Maxvorstädter und Ladeninhaberin seit 55 Jahren.

Seit 55 Jahren geschätzte Antiquarin im Uni-Viertel: Laden-Inhaberin Monika Schmidt (85).
Seit 55 Jahren geschätzte Antiquarin im Uni-Viertel: Laden-Inhaberin Monika Schmidt (85). © Eva von Steinburg

Die Adresse für Japankunst und dekorative Druckgrafik existiert online weiter

Seit 2014 ist sie in der Schellingstraße 33 – als wichtige Adresse für Japankunst, vorher an anderen Orten im Umkreis. Schmidt, die über dem Laden wohnt, erinnert sich gut an die Zeit, als es 35 Antiquariate in ihrer Umgebung im Univiertel gab: "Ich kannte die Inhaber. In den Siebzigerjahren saßen wir abends dann im Alten Simpl zusammen, als Stammlokal."

Gegen Dumpingpreise komme ich nicht an

Doch ihre Kunden wurden mit der Inhaberin älter. "Sie kamen früher mit dem Auto, doch das machen sie nicht mehr", weiß die Antiquarin. Es gibt junge Leute, die verderben das Geschäft: "Sie kaufen nichts. Sie kommen mit dem Handy herein, fotografieren einen alten Stich. Geben das Foto dann in die Google-Suche ein und versuchen, das Motiv preiswerter online zu finden", klagt sie: "Gegen Dumping-Preise komme ich nicht an."

Kunsthistorikerin Veronika Rauch mit einem historischen Spielkartenbogen.
Kunsthistorikerin Veronika Rauch mit einem historischen Spielkartenbogen. © Eva von Steinburg

Ladeninhaberin bemerkt: "Die Leute fangen an zu sparen"

Die 85-Jährige stellt fest: "Die Menschen fangen an zu sparen. Alles ist so teuer". Als direkte Anwohnerin stöhnt sie über die Schanigärten um sie herum: "Sie sind schön. Aber es ist zu viel. Es gibt einen Moment, da ist das Gleichgewicht nicht mehr gegeben. Wieso kommt niemand von der Stadt – und schaut sich das an?", fragt sie bitter.

Alles ist uniform. Es tut mir leid für München! Es ist schade um die Maxvorstadt

"Es gibt nur noch Spaßkultur, alles ist uniform, nur noch dieselben Shops. Es tut mir leid für München!", sagt die 85-Jährige. "Läden schließen, es gibt nur noch Fresslokale. Es ist schade um die Maxvorstadt. Das war wirklich ein tolles Viertel." Wenn ihr Laden in der Schellingstraße am 26. Juni schließt, wird Veronika Rauch die Japankunst online weiter vertreiben. Das Kunstantiquariat lebt ebenso online fort. Monika Schmidt erinnert sich zum Abschied: "Wir hatten große Leute als Kunden. Auf einer Messe in Los Angeles hat Steven Spielberg bei mir gekauft."

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