Totschlagsprozess: Messerattacke auf den "liebsten Menschen der Welt"

Versuchter Totschlag: 59-Jährige rammt ihrem Mann ein Küchenmesser in den Bauch. Er hält dennoch weiter zu ihr.
| John Schneider
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Versuchter Totschlag: Die angeklagte Petra K. (Name geändert) mit ihrer Anwältin.
jot Versuchter Totschlag: Die angeklagte Petra K. (Name geändert) mit ihrer Anwältin.

München – Als ihr Mann den Zeugenstand verlässt, bricht es aus Petra K. (Namen geändert) heraus. „Ich Liebe doch!“, sagt die 59-Jährige mit schluchzender Stimme. Ein Gefühl, das offenbar immer noch erwidert wird. Paul K. redet beruhigend auf seine Frau ein. „Ich habe dir verziehen“, sagt er. Und: „Ich warte auf dich.“

Eine erstaunliche, eine rührende Szene bedenkt man, dass ihm die Frau auf der Anklagebank am 17. Juli vergangenen Jahres die 15 Zentimeter lange Klinge eines Küchenmesser bis zum Schaft in den Bauch gerammt hat. Doch Paul K. hat ein sehr, sehr großes Herz. Vor dem Landgericht verweigert er im Zeugenstuhl die Aussage, um seine Frau nicht zu belasten. Als Ehemann hat er ein Zeugnisverweigerungsrecht.

So ist die Strafkammer unter dem Vorsitz von Martin Rieder vor allem auf das Geständnis der Täterin angewiesen. Die ließ am Donnerstag ihre Anwältin erklären, dass die Messerattacke ein „Reflex“ gewesen war. Petra K. wollte lediglich eine Entschuldigung, weil ihr Mann bei einem Kneipenstreit kurz zuvor nicht zu ihr gehalten habe und sie allein das Lokal verlassen musste.

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Laut Anklage tobte die Frau, kündigte ihm an, dass sie ihn abstechen werde. Kurz darauf soll sie auch noch einen Bekannten angerufen haben und diesem erklärt haben, dass sie ihren Ehemann fertig machen werde.

Als Paul K. dann nach Hause in die Mittenwalder Wohnung kam, habe sie ihm dann das Messer an den Bauch gehalten: „Um ernst genommen zu werden.“ Doch statt der erhofften Entschuldigung erwiderte der 54-Jährige nur: „Dann stich doch zu.“

Was sie auch tat. Aber nicht um zu töten, sagt die Angeklagte. Wenn sie das gewollt hätte, hätte sie nach dem ersten Stich ja weitermachen könnte. Doch sie habe von ihm abgelassen.

Paul K. lief weg, fiel hin, rappelte sich wieder auf und stürzte aus der Wohnung zu einem Nachbarn. Das Messer hatte die Bauchwand durchstoßen, war in den linken Leberlappen und den Magen eingedrungen. Ohne ärztliche Hilfe wäre Paul K. wohl an einer Bauchfellentzündung oder Blutvergiftung gestorben. Für die Ankläger war das versuchter Totschlag.
Petra K. hatte sich nach dem Messerstich im Badezimmer versteckt. „Aus Schuld und Scham“, wie sie sagt. Ihr Mann sei für sie doch „der liebste Mensch auf der Welt“, sie wolle die Ehe fortführen, erklärte die Angeklagte.

Paul K. ist bereits ihr vierter Ehemann. Doch die Verbindungen zuvor waren eher unglücklich verlaufen. Ganz schlimm war es nach ihren Angaben beim ersten Mann. Der habe sie geschlagen, vergewaltigt, ihre Kinder gegen sie aufgebracht.

Danach sei sie abgestürzt, wurde endgültig zur Alkoholikerin. Am Tattag habe sie schon am Vormittag sechs bis sieben Halbe getrunken, erzählt sie.

Der Prozess wird fortgesetzt.    

 

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