Tödliche Schläge gegen Familienvater (†45): "Sinnlose Gewalt“ erschüttert München

Ein 21-Jahre alter Fußballfan und Kampfsportler soll den einen Münchner Familienvater in der Nähe des Sendlinger Tores mit ein paar gezielten Schlägen gegen den Kopf getötet haben. Die Polizei wirft dem Tatverdächtigen Heimtücke vor. Die Hintergründe.
Ralph Hub
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Die Tat ereignete sich in der Sonnenstraße 31.
Die Tat ereignete sich in der Sonnenstraße 31. © hub

Ein 21 Jahre alter Kampfsportler und Fan von Alemannia Aachen soll völlig ohne Grund und Anlass einen zweifachen Familienvater († 45) mit gezielten Faustschlägen getötet haben. Der Verdächtige wurde in Aachen von der Polizei festgenommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes gegen den Fußballfan.

Angriff nach Barbesuch

Armin Ritterswürden, Chef der Münchner Mordkommission, zeigte sich am Freitag tief betroffen und schockiert angesichts der Brutalität des Verbrechens. Eine Tat, die ihn an den tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter der Bahn in einem Zug in Rheinland-Pfalz Anfang Februar erinnere, sagte der Chef von K11 bei einer Pressekonferenz im Präsidium. Es handle sich "um sinnlose Gewalt mit schrecklichen Folgen."

Der zweifache Familienvater aus München hatte mit einem Freund, der aus Mazedonien zu Besuch nach München gekommen war, den Abend auf den 31. Januar in der Kennedy’s Bar am Sendlinger Tor verbracht. Die beiden Männer haben nicht viel für Fußball übrig. Sie wollten nur zusammen einen gemütlichen Abend verbringen.

In der Bar waren auch der 21-jährige Fußballfan aus Aachen und sein Begleiter. Die Männer verließen etwa zur selben Zeit das Kennedy’s wie der Münchner und sein Freund. Das war kurz vor 2 Uhr nachts. Mit etwas Abstand gingen sie die Sonnenstraße entlang in Richtung Stachus. Auf Höhe der Hausnummer 31 kam es laut Polizei zur Begegnung der vier Männer.

Vater zweier Kinder

Der 21-Jährige habe dabei zunächst den Arm um die Schultern des Münchners gelegt, berichtet Armin Ritterswürden. Eine nette Geste, möchte man meinen. Nichts habe in der Situation auf einen drohenden Konflikt oder Streit hingedeutet. Das berichtete später jedenfalls der Freund des Familienvaters. "Der 45-Jährige hat im Vorfeld der Tat nichts getan, es gab von seiner Seite weder eine Beleidigung noch eine Provokation", sagt Staatsanwältin Juliane Grotz.

Dann überschlugen sich plötzlich die Ereignisse. Der Aachen-Fan soll ansatzlos und ohne ersichtlichen Grund zugeschlagen haben. Mindestens zwei Faustschläge trafen den 45-Jährigen am Kopf. Der Handwerker, Vater zweier Kinder, fiel um. "Er schlug mit dem Kopf auf dem Boden auf", sagt Staatsanwältin Juliane Grotz. Zeugen verständigten Polizei und Rettungsdienst. Ein Notarztteam brachte den 45-Jährigen in eine Klinik. Er hatte eine Gehirnblutung erlitten und kam auf die Intensivstation.

Mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus

Der mutmaßliche Schläger und sein Begleiter verschwanden. Die Polizei leitete eine Fahndung ein, doch sie verlief erfolglos. Die Fußballfans blieben in der Stadt. Sie wollten am Samstagnachmittag das Spiel TSV 1860 München gegen Alemannia Aachen (2:2) sehen. Gegen den 21-Jährigen besteht allerdings ein bundesweites Stadionverbot. Weil er eine Frau während eines Fußballspiels begrapscht und sexuell belästigt hatte, darf er nicht mehr ins Stadion, so auch in München. Zeugen sahen den Verdächtigen allerdings im Umfeld des Grünwalder Stadions.

Am Montag, zwei Tage nach der Tat, verschlechterte sich der Gesundheitszustand des 45-Jährigen dramatisch. Weitere zwei Tage später, am Mittwochnachmittag, verstarb der Münchner. Laut Obduktionsergebnis eine Folge der Faustschläge.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes gegen den 21-jährigen Verdächtigen. "Der Täter hat heimtückisch gehandelt", sagt Juliane Grotz, "das Opfer ist arg- und wehrlos gewesen." Damit seien zwei Mordmerkmale erfüllt, so die Staatsanwältin. Der Freund des 45-Jährigen hat den Verdächtigen zweifelsfrei identifiziert. Die Mordkommission legte dem Zeugen Fotos vor, auf denen er den 21-Jährigen wiedererkannte. Der Zeuge war für die Identifizierung extra aus Mazedonien nach München eingeflogen worden.

Tatverdächtiger ist Kampfsportler

Erschwerend kommt in dem Fall hinzu, dass der mutmaßliche Täter ein ausgebildeter Kampfsportler ist. "Er hat seit seiner Kindheit trainiert – Kickboxen und Boxen", sagt Armin Ritterswürden. Der Tatverdächtige sei sich bewusst, welche Kraft seine Schläge haben und welche Folgen sie haben können, argumentiert die Staatsanwaltschaft München I, die in dem Verhalten des 21-Jährigen daher eine "gezielte Tötungsabsicht" sieht. Die Schläge gegen den Kopf hätten eine höhere Wucht gehabt, als wenn sie von einem ungeübten Menschen ausgeführt worden wären, betonte Juliane Grotz.

Lebenslange Freiheitsstrafe droht

Durch Zeugenaussagen und Aufnahmen von Überwachungskameras kamen die Ermittler dem Aachener auf die Spur. Am Mittwoch wurde er an seinem Wohnort verhaftet. Er befindet sich in einer Justizvollzugsanstalt und soll demnächst nach München in die JVA Stadelheim gebracht werden.

Der 21-Jährige zählt in Aachen offenbar nicht zur Hooligan-Szene. Bei der Alemannia gibt es zwei Ultra-Gruppierungen, besonders eine, die "Boxstaffel 520", ist berüchtigt. In keiner der beiden Gruppen sei der Verdächtige, so Ritterswürden. Der 21-Jährige ist polizeibekannt, fünf Einträge umfasst seine Akte, allerdings waren es bisher keine Gewaltverbrechen.

Vor dem Schwurgericht in München soll dem 21-Jährigen der Prozess gemacht werden. Im Fall einer Verurteilung droht dem Fußballfan eine lebenslange Freiheitsstrafe.

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