To-Go-Flut in München: Die Stadt, ein großer Müllkübel

Im Englischen Garten wird doppelt so viel Abfall aufgesammelt wie noch vor 15 Jahren. Und die to go-Kultur lässt die Müllberge sogar noch weiter steigen.
| Christina Hertel
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Das Müllaufkommen sei in diesem Jahr exponentiell gestiegen, sagt die Schlösserverwaltung. Besonders im Englischen Garten, aber auch hier im Hofgarten falle immer mehr Verpackungsmüll an.
Das Müllaufkommen sei in diesem Jahr exponentiell gestiegen, sagt die Schlösserverwaltung. Besonders im Englischen Garten, aber auch hier im Hofgarten falle immer mehr Verpackungsmüll an. © Irene Kleber

München - Pappbecher, Plastikschalen, Papiertüten - viele Mülleimer in Münchens Straßen und Parks quellen gerade über. Seit wegen Corona Restaurants und Cafés geschlossen sind, essen und trinken immer mehr Menschen unterwegs. Mit der Entsorgung dieser Abfälle kommt die Stadt offensichtlich jedoch kaum mehr hinterher.

Um die Straßen und städtischen Parks sauber zu halten, seien gerade viele Sonderreinigungen und Extraschichten notwendig, schreibt Dagmar Rümenapf, die Sprecherin des Baureferats.

Englischer Garten: Jede Woche werden 30 Kubikmeter Abfall entsorgt

Auch der Englische Garten, der Nymphenburger Schlosspark und der Hofgarten vermüllen immer mehr. Das Müllaufkommen sei in diesem Jahr exponentiell gestiegen, schreibt Sprecherin Franziska Wimberger von der Bayerischen Seen- und Schlösserverwaltung, die für diese Grünanlagen zuständig ist. Das Besucheraufkommen sei heuer extrem hoch gewesen, da viele Kultureinrichtungen wochenlang geschlossen waren.

Jeden Sommer stellt München mehr Mülleimer auf. Trotzdem laufen die Behälter über, wie hier im Hofgarten.
Jeden Sommer stellt München mehr Mülleimer auf. Trotzdem laufen die Behälter über, wie hier im Hofgarten. © Irene Kleber

Um wie viel der Müll seit Corona gestiegen ist, können weder Baureferat noch Schlösserverwaltung sagen. Es sei von Anlage zu Anlage verschieden; deshalb seien die Mengen in absoluten Zahlen nicht zu fassen, schreibt die Sprecherin der Schlösserverwaltung. In den Gärten, die im urbanen Umfeld liegen, habe die Müllmenge stark zugenommen - "vor allem der Einwegverpackungsmüll, besonders Verpackungen von to go-Essen und Getränken”.

Alleine im Englischen Garten beseitigen die Mitarbeiter der Parkpflegeabteilung momentan jede Woche 30 Kubikmeter Abfall. Dabei ist Putzen gar nicht ihre eigentliche Aufgabe. Hauptsächlich sollen die Parkangestellten Gärtnerarbeiten erledigen, Wiesen mähen und Laub sammeln. Doch zur Zeit verschiebe sich dieses Verhältnis immer mehr, so dass die Müllbeseitigung nun einen Großteil der Arbeitszeit in Anspruch nehme, schreibt Pressesprecherin Wimberger.

Das gleiche Bild an der Münchner Freiheit, beim Busbahnhof.
Das gleiche Bild an der Münchner Freiheit, beim Busbahnhof. © Daniel von Loeper

"In diesem Jahr scheint die Open-Air-Saison nicht enden zu wollen"

Deutlich wird dieser Mehraufwand in den Kosten: 2019 habe die Schlösserverwaltung für die Reinigung des Englischen Gartens 280.000 Euro ausgegeben, dieses Jahr werden es wohl 20.000 Euro mehr sein.

Auch die Reinigung der Straßen und Plätze ist in diesem Jahr besonders aufwendig. Zwar falle an Wochenenden, besonders bei schönem Wetter und hohen Temperaturen, immer viel Abfall an, weil die Münchner ihre Plätze, Fußgängerzonen und Grünanlagen dann intensiv nutzen, schreibt Baureferatssprecherin Rümenapf.

Auch im Nußbaumpark sieht es nicht viel besser aus. Stets sind es zu wenige Mülltonnen.
Auch im Nußbaumpark sieht es nicht viel besser aus. Stets sind es zu wenige Mülltonnen. © Daniel von Loeper

Heuer sei es - bedingt durch die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen - jedoch fast pausenlos hoch hergegangen: "In diesem Jahr scheint die Open-Air-Saison nicht enden zu wollen."

Für die Stadt bedeutet das mehr Arbeit: An manchen Stellen sei der Reinigungsturnus von dreimal wöchentlich auf täglich erhöht worden. An den Badeseen habe die Stadt entweder mehr oder größere Mülleimer aufgestellt.

Münchner Bürger entrümpeln fleißig ihre Wohungen

Doch auch unabhängig von Corona wird der Müll in Münchens Straßen und Parks immer mehr. Jedes Jahr erhöht die Stadt laut Baureferat die Reinigungsgänge und die Anzahl und Größe an Abfallbehältern in der Sommersaison. Im Durchschnitt putzt die Straßenreinigung 6.000 Tonnen Kehricht im Jahr weg. Täglich sind das etwa 25 Tonnen.

Auch der Englische Garten vermüllte bereits vor der Pandemie: In den vergangenen 15 Jahren hat sich dort laut Schlösserverwaltung die Müllmenge verdoppelt und ist seitdem immer weiter gestiegen. 2012 sammelten die Mitarbeiter dort etwa 120 Tonnen Abfall in einem Jahr auf. 2019 mussten sie 160 Tonnen Müll entsorgen.

Während die Straßen immer mehr vermüllen, könnten die Wohnungen gerade immer sauberer werden. Denn offensichtlich haben mit Corona viele Lust bekommen, zu Hause auszumisten. Auf den Wertstoffinseln, wo die Münchner eigentlich ihr Altglas und ihren Kunststoffmüll entsorgen sollen, stehe seit Corona immer mehr Sperrmüll, erzählt Klaus Thielmann. Er arbeitet für das Abfallunternehmen Remondis, das einen großen Teil der Container entleert und das dafür zuständig ist, die Wertstoffinseln sauber zu halten.

2019 entsorgte das Unternehmen laut Thielmann 568 Tonnen Sperrmüll. 2020 dürften es wohl noch mehr sein. "Seit Corona", sagt er, "werden die Wertstoffinseln geradezu überrannt."


Übrigens: Wer Müll auf den Straßen entdeckt, kann die Stadt darüber telefonisch informieren unter: 089 233-96296

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