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Tiertransport trotz Hitzewelle: Strafanzeige gegen Münchner Schlachthofbetreiber

Aktivisten erstatten Strafanzeige gegen mehrere Viehhändler, eine Veterinärin und die Betreibergesellschaft des Münchner Schlachthofs. Es geht um einen Transport von letzter Woche. Bei Temperaturen von teilweise mehr als 30 Grad.
von  Natalie Kettinger
Rinder in einem der Tiertransporter. "Gekühlt" wird das Gefährt lediglich mithilfe von Ventilatoren.
Rinder in einem der Tiertransporter. "Gekühlt" wird das Gefährt lediglich mithilfe von Ventilatoren. © Soko Tierschutz

Freitagnachmittag in München: Die Sonne brennt, über der Stadt flirrt die Hitze, die Temperaturen klettern auf weit über 30 Grad, in den U-Bahnen schwitzen die dicht gedrängten Menschen –  und vor dem Schlachthof brüllen die Rinder.

Denn trotz der Gluthitze rollen weiter Tiertransporte auf das Gelände. Ein Umstand, der nun zu einer Strafanzeige gegen die Betreibergesellschaft, mehrere Viehhändler und eine Veterinärin geführt hat, die der AZ exklusiv vorliegt.

"Am Freitag wurde die Soko Tierschutz von Bürgern informiert, dass bei 39 Grad Hitze ein Tiertransporter nach dem anderen, voll beladen mit Rindern, in den Schlachthof München fuhr", schildert Soko-Gründer Friedrich Mülln der AZ. "Da hilft es auch nichts, wenn kleine Ventilatoren knall-heiße Luft in einen Metall-Kasten voller leidender Rinder blasen, die Tiere leiden entsetzlich."

Tierschützer haben Vorfall dokumentiert und sprechen von "Rechtsbruch"

Mülln und seine Mitstreiter machten sich selbst ein Bild von der Lage. Sie dokumentierten die Außentemperatur anhand eines Fotos (es zeigt die 39 Grad auf dem Display ihres Pkw-Amaturenbretts) und alarmierten das Veterinäramt. Doch dann geschah in ihren Augen: nichts. Deshalb die Anzeige.

Das Display am Armaturenbrett der Tierschutz-Aktivisten zeigt am Freitagnachmittag 39 Grad an.
Das Display am Armaturenbrett der Tierschutz-Aktivisten zeigt am Freitagnachmittag 39 Grad an. © Soko Tierschutz

"Dass der Schlachthof München bei dieser vorhersehbaren Hitzekatastrophe einfach so weiter schlachtet und das Veterinäramt München dabei mitmacht, ist ein unglaubliches Desaster und muss einschneidende Folgen haben", sagt Mülln, und dass der Schlachthof die Annahme der Transporte während der Hitze-Tage hätte im Vorfeld ablehnen müssen.

"Solche Transporte kommen nicht überraschend. Der Rechtsbruch und die Tierquälerei wurden kühl kalkuliert in Kauf genommen. Man wusste ja, dass es ab Montag oder Dienstag kühler wird", kritisiert der Aktivist.

Das ist die juristische Lage

Wie ist die Rechtslage? Komplex. "In Deutschland dürfen innerstaatliche Transporte zu einem Schlachtbetrieb maximal viereinhalb Stunden dauern, wenn die Außentemperatur mehr als 30 Grad Celsius beträgt", teilt das für das Veterinäramt zuständige Kreisverwaltungsreferat (KVR) der AZ mit und beruft sich damit auf die deutsche Tierschutztransportverordnung.

Die Viehhändler, um die es hier geht, haben ihren Sitz allesamt in Bayern – könnte also passen. "Aber", gibt Mülln zu bedenken, "der Sitz der Transportfirma sagt nichts darüber aus, wo die Tiere wirklich herkommen". Auch deshalb verweist der Tierschützer auf eine EU-Verordnung, in der vorgeschrieben ist, dass bei langen Straßentransporten das Belüftungssystem so ausgelegt sein muss, dass im Fahrzeug Temperaturen zwischen fünf und 30 Grad (bei einer Toleranz von plus/minus fünf Grad) aufrechterhalten werden können.

Es gebe durchaus Fahrzeuge mit Klimaanlage, sagt Mülln. Die beanstandeten seien aber nicht damit ausgestattet gewesen, sondern lediglich mit Ventilatoren. Auch das Tränkensystem sei für die hohen Temperaturen unangemessen gewesen. Deshalb liege hier ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor.

Stadt äußert sich zum Vorgang

Dort heißt es unter Paragraf 17: "Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer einem Wirbeltier länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt." Letztes sieht Mülln erfüllt: "Auch wenn ein Transport nur eine Stunde gedauert hat, ist das für die Tiere unter diesen Bedingungen ein unhaltbarer Zustand und ein länger anhaltendes Leiden."

Deshalb hätte das Veterinäramt spätestens bei der Ankunft der Rinder am Schlachthof Strafanzeige stellen müssen, sagt er – zumal eine Tierschützerin bei der Behörde Alarm geschlagen hatte.

Die Betreibergesellschaft reagiert auf eine Anfrage der AZ: "Mit Überwachung durch das Veterinäramt haben wir am vergangenen Freitag unter Beachtung aller gesetzlichen Vorgaben angelieferte Rinder angenommen und anschließend unter Einhaltung aller gesetzlichen Bestimmungen geschlachtet."

Ein Tiertransporter steht in der prallen Sonne auf dem Schlachthofgelände, fotografiert aus dem Auto der Tierschützer.
Ein Tiertransporter steht in der prallen Sonne auf dem Schlachthofgelände, fotografiert aus dem Auto der Tierschützer. © Soko Tierschutz

Auch bei der Stadt will man das so nicht auf sich sitzen lassen. "Während der Schlachtung sind in der Regel zwei amtliche Tierärztinnen oder Tierärzte bei der Anlieferung vor Ort, um die gesetzlichen Vorgaben bezüglich des Tierschutzes zu kontrollieren. Hierbei wird jedes Schlachttier einer Untersuchung unterzogen. Das war auch am vergangenen Freitag der Fall", teilt das KVR mit. "Auf die erwähnte Meldung der Tierschützerin wurde umgehend reagiert und eine Kontrolle der anwesenden Tiertransporter durch eine amtliche Tierärztin und zusätzlich einen Amtstierarzt durchgeführt."

Wegen der Witterung sei dabei ein besonderes Augenmerk auf hitzebedingte Beeinträchtigungen sowie entsprechende Gegenmaßnahmen gelegt worden. In einem Fall habe das Veterinäramt die Nationale Kontaktstelle für Tierschutz (am Friedrich-Loeffler-Institut, d. Red.) eingeschaltet. Friedrich Mülln sagt, die Soko Tierschutz werde das Geschehen am Münchner Schlachthof im Auge behalten.

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