Tierquäler-Video: Der digitale Psycho-Terror

Ein Unbekannter veröffentlicht die Daten von Katja P. in einem Internet-Forum, das zum Mord an einer Tierquälerin aufruft. Ein extremer Fall von Cyber-Mobbing – die Opfer sind oft machtlos.
| Abendzeitung
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Die Daten von Katja P. wurden im Internet veröffentlicht
Internet Die Daten von Katja P. wurden im Internet veröffentlicht

AYING - Ein Unbekannter veröffentlicht die Daten von Katja P. in einem Internet-Forum, das zum Mord an einer Tierquälerin aufruft. Ein extremer Fall von Cyber-Mobbing – die Opfer sind oft machtlos.

Stellen Sie sich vor: Sie sitzen beim Essen oder mit Freunden im Biergarten. Oder Sie liegen auf der Couch, lesen ein Buch, ahnen nichts Böses. Plötzlich klingelt Ihr Telefon. Eine unbekannte Stimme schreit: „Man sollte dich töten, du Tierquäler!“ Und das ist erst der Anfang.

Genau das passierte einer 19-jährigen Schülerin aus Aying. Sie wurde mit einem Tierquäler-Video in Verbindung gebracht, das derzeit weltweit für Aufregung sorgt. Der Film zeigt ein Mädchen, das sechs Hundewelpen in einen Fluss wirft. Seit Tagen wird im Netz Jagd auf die Täterin gemacht, sogar Kopfgeld gibt es.

Eine Person aus dem Umfeld von Katja P. veröffentlichte ihre Kontaktdaten in einem Forum, das zum Mord an der Tierquälerin aufruft. Ein schlechter Scherz mit schlimmen Folgen. Die junge Frau musste ins Ausland flüchten, steht unter Polizeischutz. Sie hat nichts mit dem Video zu tun, wie die Polizei bestätigt.

Doch die Hetzkampagne gegen sie läuft – und ist nicht mehr aufzuhalten. Wer bei ihren Eltern in Aying anruft, hört eine Sprachnachricht: „Unsere Tochter hat nichts mit dem Video zu tun.“ Jemand habe ihr in böser, ja, krimineller Absicht schaden wollen. Die Polizei ermittelt. Dann bricht die Verbindung ab.

Hunderte Menschen aus aller Welt haben bei Familie P. angerufen. Nicht nur empörte Tierschützer haben ihnen mit dem Tod gedroht. Die Polizei sucht nun die Person, die Katja P. auf die Liste der Online-Hetzjäger gesetzt hat – und den Horror verantwortet.

Kristine Kretschmer (56) vom Anti-Mobbing–Projekt Seitenstark e.V. schätzt die Zahl der Mobbing-Fälle unter Jugendlichen auf 500000 pro Woche. Die schlimmste Form sei Mobbing im Internet. Die Expertin: „Im Internet kann man nicht weglaufen.“ Der digitale Psycho-Terror ist auch nur schwer zu kontrollieren.

Kretschmer rät Opfern: „Man muss den Betreiber kontaktieren und dafür sorgen, dass Einträge gelöscht werden.“ Außerdem solle man Beweise sichern, Screenshots machen und Anzeige erstatten. Viel mehr Möglichkeiten gibt es allerdings kaum.

Immerhin hat sich nun auch eine Facebook-Gruppe mit dem Namen „Katja P. ist völlig unschuldig“ gegründet. Sie hatte am Freitag 62 Mitglieder. Die Gruppe „Tötet KatjaP.“ mehr als 300. rke

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren