Stadtrat beschließt Azubi-Wohnungen in den Ten Towers

Der Stadtrat gibt den Weg zur Umnutzung der Bürotürme in Berg am Laim frei. Warum die Grünen mahnen und die Linke dagegen ist.
von  Myriam Siegert
Die Ten Towers in Berg am Laim. Rechts der Leuchtenbergring, unten die Berg-am-Laim-Straße.
Die Ten Towers in Berg am Laim. Rechts der Leuchtenbergring, unten die Berg-am-Laim-Straße. © Grüne

Sie sind einer von Münchens größten Bürokomplexen und stehen seit gut drei Jahren leer – die Ten Towers nahe dem Leuchtenbergring.

Bis 2022 arbeiteten in den 50 Meter hohen Türen 3000 Mitarbeiter der Telekom. Danach fanden sich kaum neue Mieter. Im vergangenen Jahr kam die Idee auf, hier statt Büros auch Wohnraum zu schaffen. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass das Planungsreferat dazu eine Beschlussvorlage erarbeitet hat, wie die AZ vorab berichtete. Diese wurde gestern im Planungsausschuss beschlossen.

Wie die Grünen/Rosa Liste/Volt-Stadtratsfraktion nach der Sitzung mitteilte, hat der Ausschuss mit dem Beschluss die Umnutzung zur Wohnnutzung genehmigt. Konkret sollen hier Wohnungen für Studierende und Azubis über das Azubiwerk der Stadt entstehen. Wichtig sei nun, sicherzustellen, dass die Studenten-Apartments auch wirklich bezahlbar sein werden, so die Grünen in der Mitteilung. Hier sieht die Fraktion die Stadt in der Pflicht. Sie müsse genau hinsehen und weiter mit dem Investor verhandeln, heißt es.

Auch ein Hotel und weitere Büros sollen entstehen

Konkret fordern die Grünen, dass geprüft wird, ob ein oberes Mietpreislimit vereinbart werden kann. Außerdem, ob ein Teil der Klein-Wohnungen auch ohne Möblierung angeboten werden kann, denn möblierte Wohnungen haben die Mietpreise in den vergangenen Jahren stark nach oben getrieben, so die Fraktion.

Der Eigentümer der Gebäude möchte außerdem ein Hotel sowie wieder Büros unterbringen. Geht es nach den Grünen, sollten im Fall einer weiteren Umnutzung weitere Flächen für das Azubiwerk gewonnen werden. Grünen-Stadträtin Sibylle Stöhr sagt: "Statt abzureißen, wird hier umgenutzt. Solche Projekte voranzutreiben, ist schon lange unser grünes Anliegen. Uns ist wichtig, dass das, was hier entsteht, wirklich gegen den überhitzten Wohnungsmarkt hilft.“

Mieterverein begrüßt den Beschluss

Leerstehende Büros in Wohnraum umwidmen könne ein Baustein sein, um die extrem angespannte Situation auf dem Münchner Wohnungsmarkt zu verbessern, heißt es auch vom Mieterverein München. "Dass der Eigentümer der Ten Towers zehn Prozent der Wohnungen für das Azubiwerk reservieren muss“, sei daher "eine gute Entscheidung“, sagt auch Monika Schmid-Balzert, Chefin des Mietervereins. Auch wenn man sich angesichts des extremen Wohnraummangels, gerade für junge Menschen, eine höhere Quote gewünscht habe, so Schmid-Balzert.

Linke: Zehn Prozent sind einfach zu wenig

Letzteres sieht die Stadtrats-Linke ähnlich. Sie hatte die Vorlage im Ausschuss abgelehnt, auch wenn man "prinzipiell selbstverständlich für die Umnutzung“ sei, so Stadträtin Brigitte Wolf. Aber: "10 Prozent Azubi Wohnungen ist uns bei der aktuellen Wohnungskrise einfach zu wenig. Wir hatten einen Änderungsantrag eingebracht, in dem wir 40 Prozent gefordert haben“, so Wolf. "Wir geben uns nicht damit zufrieden, dass in dieser Stadt so gut wie keine geförderten Wohnungen mehr entstehen.“

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