Teil 1: Die Mega-Verkehrs-Fantasie am Altstadtring

Die Route um den Kern der Stadt wäre beinahe viel dicker geworden, als sie heute ist.
| Christian Pfaffinger
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Die Kreuzung der Paul-Heyse- zur Bayerstraße: noch mit der alten 17er-Tram und vielen schönen, alten Autos.
Klühspies 4 Die Kreuzung der Paul-Heyse- zur Bayerstraße: noch mit der alten 17er-Tram und vielen schönen, alten Autos.
Hier war der Altstadtring an der zerstörten Staatskanzlei noch achtspurig.
Klühspies 4 Hier war der Altstadtring an der zerstörten Staatskanzlei noch achtspurig.
Diese Lücke schmerzt bis heute im Forum der Maximilianstraße – von Boulevard keine Spur (siehe nächstes Bild).
Klühspies 4 Diese Lücke schmerzt bis heute im Forum der Maximilianstraße – von Boulevard keine Spur (siehe nächstes Bild).
Eine Lücke, die das Bild der Maximilianstraße heute noch prägt: die Kreuzung mit dem Altstadtring.
Petra Schramek 4 Eine Lücke, die das Bild der Maximilianstraße heute noch prägt: die Kreuzung mit dem Altstadtring.

München - Flanieren am Altstadtring ist schon ein Genuss von ganz überschaubarer Güte. Dabei sollte der doch ein Boulevard werden, mit "waldähnlicher" Bepflanzung, mit Platz fürs Spazieren. Und jetzt? Mei, es hätte schon auch noch schlimmer kommen können.

Ein Beispiel: Am bis dahin schon achtspurig ausgebauten Altstadtring-Ost soll Ende der 60er Jahre sogar der mittlere Grünstreifen noch für eine zweispurige Tunnelrampe Richtung Königinstraße freigehalten werden – bei einem Ausbau wären das dann bis zu zehn Spuren gewesen.

Die Stadt will das so. Genauer: Der Generalverkehrsplan, den die Stadtplaner 1963 im Rahmen des ersten Stadtentwicklungsplans entworfen haben, will das so. Und die Behörden wollen das durchsetzen. Zwar gibt es auch Gestaltungswettbewerbe für den Altstadtring, letztlich steht das Ziel aber fest. Grünflächen fallen dann halt wieder weg, wenn man Platz für Büros und Asphalt braucht.

Eine Schnellstraße direkt vorbei am Viktualienmarkt

Doch es gibt Widerstand. Bis dahin hat es zwar kaum eine Bürgebeteiligung bei solchen Bauvorhaben gegeben – nun kommt sie aber langsam auf, getrieben von Initiativen wie dem "Münchner Bauforum", aber auch von den Medien.

"Solange die Öffentlichkeit keinen Einfluss auf die Entscheidung der Planungsstellen hat, nützt auch das schönste städtebauliche Projekt gar nichts", heißt es damals in einem Kommentar in der AZ.

Der Widerstand wächst – und er prägt schließlich auch den Altstadtring.

Im Osten hat der heute keine sechs oder zehn, sondern vier Spuren. Als Anfang der 1990er die neue Staatskanzlei fertig wurde, hat man den Ring hier verschmälert – aus Angst vor Terroristen, die zu nahe herankommen könnten. Aber auch wegen jahrelanger Proteste.

"Die desaströsen Erfahrungen mit dem Altstadtring-Ost führten dazu, dass die Rathauspolitik den Bau des Altstadtrings-Süd aufgab", sagt Karl Klühspies. Der sollte als Stadtautobahn etwa am Viktualienmarkt und am Sendlinger Tor vorbeirauschen - "eine Horrorvision", sagt Klühspies. Die "Bürgeraktion Gärtnerplatz" wehrte sich, bis diese Pläne mit dem Generalverkehrsplan fielen.

Der Altstadtring West war da, er sollte durch Tunnel "optimiert", tatsächlich aber größer werden – auch das blieb aus, weil Bürger sich jahrzehntelang gegen die Mega-Verkehrs-Fantasie einsetzten.

Sonst könnte man am Altstadtring heute wohl nur noch fahren.

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