Teddybärkrankenhaus: So verlieren Kinder spielerisch die Angst vor dem Arzt

Keine Menschen, sondern Teddys, Luchse und andere Kuscheltiere liegen im Behandlungszimmer: Im Teddybärkrankenhaus am LMU-Klinikum München üben Kindergartenkinder spielerisch den Arztbesuch. Medizinstudenten behandeln die Stofftiere – und nehmen den Kleinen so die Angst vor Untersuchungen.
von  Leonhard Pangratz
Medizinstudent Mattis van Hasselt war selbst schon Teddy-Doc.
Medizinstudent Mattis van Hasselt war selbst schon Teddy-Doc. © lp

Der Behandlungssaal des LMU Klinikums in der Nußbaumstraße 5 ist am Dienstagvormittag gut gefüllt. Einige Patienten werden mit Pflastern versorgt, andere werden erstmal zum Röntgen geschickt. Doch an diesem Tag sind die Patienten keine Menschen, sondern Kuscheltiere von Kindergartenkindern.

Kuscheltiere statt Menschen im Behandlungszimmer

Vom 29. Juni bis 1. Juli 2026 verwandelt sich ein Teil der Klinik in ein Teddybärkrankenhaus. Studenten der Human- und Zahnmedizin von LMU und TU München, Feuerwehrleute sowie Azubis aus medizinischen Berufen zeigen den Kindern spielerisch, dass ein Arztbesuch gar nicht so schlimm ist. Die Kinder bringen ihre "kranken" Kuscheltiere von zu Hause mit und nennen dem medizinischen Personal die Symptome.

"40 Prozent aller Kinder haben Angst vor medizinischen Eingriffen", sagt Mattis van Hasselt. Der 22-Jährige studiert Humanmedizin an der LMU und ist Teil des Organisationsteams. "Letztes Mal war ich hier als Teddy-Doc, jetzt bin ich in die Orga gerutscht". Ziel sei es, den Kindern die Angst zu nehmen und gleichzeitig Freude zu bereiten.

Arzt erzählt: "Ein Plüschtier hatte mal Diabetes"

Auch die Ärzte hätten dabei viel Spaß. "Es passieren oft sehr süße Geschichten", erzählt van Mattis. Manche Diagnose falle gar nicht so leicht. "Ein Plüschtier hatte mal Diabetes, da musste ich selber kurz nachdenken, was es denn sein könnte", sagt er lachend.

Die meisten Tiere haben eher alltägliche Beschwerden, so auch Luchsi, das Stofftier des fünfjährigen Adam. "Er hat sich den Fuß gebrochen und ein bisschen Bauchweh", erklärt er. Den Luchs hat er schon seit seiner Geburt. Mit einer Medizinstudentin überprüft er erstmal den Herzschlag des Patienten. "Es geht ihm schon ein wenig besser", sagt Adam erleichtert. Er selbst ist schon ein echter Profi, was Arztbesuche angeht. "Da habe ich gar keine Angst. Einmal musste mein Ohr operiert werden, aber das war nicht schlimm. Ich habe gar nix gemerkt." Einen zusätzlichen Vorteil kennt er ebenfalls. "Nach dem Impfen durfte ich mir immer ein Spielzeug aussuchen."

Nicht alle Kinder sind da so gelassen. Einige müssen zu Beginn weinen, die Studenten und Azubis trösten aber geduldig und erklären jeden Schritt. Der Traubenzucker aus der Apotheke hilft freilich auch. Das nächste Teddybärkrankenhaus ist für den Winter geplant, potenzielle Helfer und Kindergärten können sich voraussichtlich ab August online anmelden.

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