"Tausende unterwegs": CSU will Radfahrer aus dem Westpark aussperren

Weil die Menschen einfach nicht wüssten, wo sie hinsollen, sei es in Zeiten von Corona im Westpark einfach zu eng, argumentiert Alfred Nagel. Mit einem anderen Argument stößt der CSU-Fraktionssprecher nicht nur im BA Sendling-Westpark auf Unverständnis.
| Guido Verstegen
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Auch im vergangenen Corona-Herbst war im Westpark einiges los.
Auch im vergangenen Corona-Herbst war im Westpark einiges los. © Sven Hoppe/dpa

München - "Von Aerosolen in der Luft war nie die Rede", sagt Alfred Nagel am Mittwoch – angesprochen auf seinen Vorschlag, die Radfahrer aus dem Westpark zu verbannen; angesprochen auf sein Argument, dass die Radler auf den Wegen im Westpark schnaufend an den Fußgängern vorbeirauschen und so für Spaziergänger zum Problem werden würden.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte über einen solchen Vorstoß der CSU-Fraktion im Bezirksausschuss (BA) Sendling-Westpark berichtet. Und klar ist: Nach einem Jahr im täglichen Umgang mit dem Coronavirus überrascht der Gedankengang von CSU-Fraktionssprecher Nagel schon, macht der 81-Jährige so doch Radfahrer als mögliche Infektionsherde aus.

Wohnt in unmittelbarer Nähe des Westparks: CSU-Fraktionssprecher Alfred Nagel. (Archivbild)
Wohnt in unmittelbarer Nähe des Westparks: CSU-Fraktionssprecher Alfred Nagel. (Archivbild) © CSU

Pneumologe: "Radfahren ist seuchenhygienisch unbedenklich"

Beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in München zeigte man sich anschließend auch ziemlich verwundert ob dieser Idee. "Die Chance, sich beim Radeln mit dem Coronavirus zu infizieren, liegt bei Null", betont Martina Tollkühn vom ADFC gegenüber der AZ und beruft sich dabei auf Erkenntnisse des Ulmer Pneumologen Michael Barczok vom Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner (BdV). Radfahren ist demnach "seuchenhygienisch unbedenklich".

Tollkühn sieht bei einem "normalen Vorbeiradeln" kein Risiko durch eine mögliche Tröpfcheninfektion. "Wenn unser Chef-Virologe Christian Drosten jeden Tag mit dem Rad zur Charité fährt, kann das doch nicht gefährlich sein", schmunzelt die 58-Jährige. Schließlich werde beim Radeln ja wie bei Ausdauersportarten die Lungenmuskulatur trainiert.

Alfred Nagel: "Radfahrer sind ein gefährlicher Störfaktor"

Nagel stellt im Gespräch mit der AZ jedoch klar, dass die Infektionsgefahren nicht den Kern der Angelegenheit treffen: "Uns geht es vor allem um die Gefahr für die kleinen Kinder, an manchen Tagen sind da tausende Menschen auf den Wegen im Westpark unterwegs, die Leute wissen ja wegen Corona nicht mehr, wohin. Radfahrer sind da ein gefährlicher Störfaktor!" Ein Schreiben besorgter Bürger habe bereits Ende Dezember auf die Zustände hingewiesen.

Frauen schieben ihr Fahrrad über eine Brücke im Westpark – ein seltenes Bild, gerade in Corona-Zeiten.
Frauen schieben ihr Fahrrad über eine Brücke im Westpark – ein seltenes Bild, gerade in Corona-Zeiten. © imago images/Ralph Peters

Der CSUler hält den Westpark grundsätzlich für einen Segen – gerade in diesen Zeiten. Gleichzeitig verfolgt er die Entwicklung aber mit großer Besorgnis: "Es ist da jetzt einfach zu eng. Wie will man denn da die Abstände einhalten, wenn die Radler nicht absteigen?"

Die hätten doch im Westpark obendrein drei Radwege zur Verfügung  - zwei im Süden, einen im Norden - und müssten nicht unbedingt mitten hindurch durch die Menge. Nagel: "Sie schlagen ja auch nicht vor, an einem Wiesn-Samstag die Haupt-Wirtshausstraße für den Radverkehr zu öffnen, oder?"

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ADFC-Sprecherin Tollkühn plädiert hingegen für "Rücksichtnahme auch von Seiten der Radfahrer", das Ganze funktioniere halt nur im Miteinander.

Der CSU-Antrag, das Radeln auf den Hauptverkehrswegen im Westpark während der Corona-Pandemie zu verbieten, fand im Bezirksausschuss übrigens keine Mehrheit.

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