Tausende Menschen im Olympiapark: Sause am Sofi-Hill

Die partielle Sonnenfinsternis machen die Münchner zum Happening: vor allem auf dem Olympiaberg.
von  Eva von Steinburg
Zuletzt dürfte der Olympiaberg beim Taylor-Swift-Konzert so voll gewesen sein.
Zuletzt dürfte der Olympiaberg beim Taylor-Swift-Konzert so voll gewesen sein. © Sigi Müller

Eine eindrucksvolle Karawane: Bepackt mit Picknick-Körben, aus denen Baguettes rausragen, mit Deckerl, Bier und Wein, Hund, Kind und Kegel zieht sie sich ab dem frühen Abend von der Schwere-Reiter-Straße und dem Ackermannbogen in den Olympiapark. Das Ziel aller Sehnsüchte: der Olympiaberg, und da möglichst weit oben, um den besten Blick auf die Sonnenfinsternis zu erhaschen.

Kurz nach 19 Uhr ist es so voll am Berg, wie vielleicht bloß einmal zuvor: bei den Taylor-Swift-Konzerten im Juli 2024. Vom Swiftie-Hill zum Sofi-Hill.

Sofi-Brillen werden zum Verkaufsschlager

Auffällig: Sofi-Brillen haben vielleicht gerade einmal die Hälfte. Und während die in den Himmel starren, machen die anderen halt Brotzeit. Und geben die Brille an den Nachbarn weiter. Man hat Spaß, ratscht, ist fröhlich – aber auch ein bisserl andächtig im Angesicht des kosmischen Spektakels. Trotz der Enge, trotz Gedränge.

Eine Mutter wurde von ihren Söhnen hergeschleppt, will das Spektakel im Stehen anschauen. Doch ihr sind  es zu viele Menschen, sie wird gerempelt, hätte die Sofi lieber im Hirschgarten angeschaut. "Da wäre es ruhiger gewesen“, meint sie.

Ja, die Brillen. Leicht war es nicht, noch eine zu ergattern. Der Münchner Einzelhandel, die Optiker und Apotheken haben den Sofi-Hype offenbar ein wenig unterschätzt, so schnell ausverkauft, wie alles war.

Da heißt es eben, findig zu sein. So wie Juliano. Der 16-jährige Schüler hat 20 Optiker abtelefoniert, bis er in der Sendlinger Daiserstraße gerade noch drei Brillen für Mama, Brüderchen und sich ergattert hat. 

Juliano (16) ist begeistert, dass so viele Menschen im Olympiapark die Sonnenfinsternis sehen wollen.
Juliano (16) ist begeistert, dass so viele Menschen im Olympiapark die Sonnenfinsternis sehen wollen. © Eva von Steinburg

Oder wie Micaela, Studentin aus Peru, die aus Cornflakes-Packungen (!) zwei astreine Lochkameras gebastelt hat – nach TikTok-Anleitung. Da sage noch einer, das Netz würde die Menschheit verblöden. Die Stimmung am Hügel? "Wunderbar!"

Micaela, Studentin aus Peru, hat sich aus Cornflakes-Packungen zwei DYI-Lochkameras gebastelt.
Micaela, Studentin aus Peru, hat sich aus Cornflakes-Packungen zwei DYI-Lochkameras gebastelt. © Eva von Steinburg

Andere sagen wegen des unfassbaren Gewusels und Gedränges: "Digga, das sind Loveparade-Vibes."

Besucherrekord an der Hackerbrücke

Um 19.26 Uhr wird es merklich still am Olympiaberg. Raschelnd werden die letzten Sofi-Brillen aus dem Plastik geschält und probiert. "Die Sonne ist rechts unten angebissen, wie ein Pac-Man", jubelt Juliano. Er will mal Pilot werden, ist Feuer und Flamme für das Himmelsschauspiel. Die Münchner wechseln entspannt zwischen Plaudern, Rauchen, Filmen und fokussierter Gestirnbeobachtung. Helmut Steiner ist AZ-Abonnent und erinnert sich an die Sofi 99. "Damals wurde es kälter und sehr duster, als die Sonne voll verdeckt war. An die Korona erinnere ich mich. Ich hatte das komische Gefühl, als ob der Lebensatem weg wäre."

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Ortswechsel: Hackerbrücke. Die Westtribüne der denkmalgeschützten Bogenbrücke ist restlos "ausverkauft“. Sogar auf die obersten Bögen sind ein paar Narrische geklettert. Und selbst die Hacker-Ostkurve Richtung Stadt ist bummvoll. An schönen Tagen ist die Brücke ja immer belebt. Aber so voll wie diesmal dürfte einmalig sein: Besucherrekord! Das Publikum: jung, lässig, chillig.

Sofi-Fans an der Hackerbrücke.
Sofi-Fans an der Hackerbrücke. © Mackenzie Snyder

Auch auf anderen Brücken der Stadt stehen die Leute eng gequetscht. Besonders trubelig: Die Fußgängerbrücke rüber zum Grünwalder Stadion. Und auch hier wieder: selbstgebastelte Lochkameras aus Pringles-Chipsdosen...

Ähnlich voll: Donnersbergerbrücke – und überall da, wo’s einen freien Blick gibt Richtung Nordwesten. Nicht so einfach in einer zugebauten Stadt.

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Nächste Sofi ist schon in einem Jahr

Zurück zum Olympiaberg: Zum Höhepunkt ist das Licht orange wie bei der "Golden Hour", wenn bei Capri die Sonne im Meer versinkt.

Es wird eifrig kommentiert: "sehr magisch", "surreal", "jetzt sieht es unnatürlich aus, wie der Mond sich von unten über die Sonne schiebt". Und dann – man traut seinen Ohren kaum, brandet fast schon feierlicher Applaus auf dem Hügel auf. Dass es während der Finsternis relativ hell bleibt, stört aber keinen. Um 20.29 ist alles vorbei. Bis zur nächsten Sofi am 2. August 2027. Sofi-Brille nicht vergessen! 

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