Tauben-Drama am Stachus

Im Zwischenboden über der Rolltreppe sind hinter einem Gitter mehrere Vögel eingesperrt. Sie drohen zu verdursten. Ein Unbekannter befreit die Tiere.
| Natalie Kettinger
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Durchaus nicht unumstritten: die Münchner Stadttauben.
Petra Schramek 2 Durchaus nicht unumstritten: die Münchner Stadttauben.
Gefährliche Falle: Die Bahn hat diesen Spalt im Zwischenboden vergittern lassen.
Petra Schramek 2 Gefährliche Falle: Die Bahn hat diesen Spalt im Zwischenboden vergittern lassen.

München - Völlig verstört tappt die Taube am Gitter entlang, mit letzter Kraft pickt sie gegen das Drahtgeflecht. Doch der Vogel hat keine Chance. Er ist eingesperrt. Auch die Artgenossen, die aufgeregt von außen gegen seine Gefängnisstäbe flattern, können ihm nicht helfen.

Tierfreunde sind entsetzt über die Szenen, die sich derzeit über der Rolltreppe abspielen, die am Stachus vor dem Saturn in den Untergrund führt. Seit geraumer Zeit nisten dort Taubenpaare im Zwischenboden – die nun nicht mehr hinaus können, weil die Bahn ihre Einflugschneise vergittern ließ.

„Die Tauben können weder zu ihrer Brut, noch raus aus dem Gitter, so dass sie verhungern“, empört sich ein Münchner. „Es ist eine Schande, welch herzlose Maßnahmen hier in der ,Weltstadt mit Herz’ getroffen werden. Ich bitte die Deutsche Bahn und die S-Bahn München dringend um tierschutzgerechte Maßnahmen.“

Bei der Bahn, die für den Treppenabgang zuständig ist, hält man die Situation allerdings für weit weniger dramatisch. „Immer wieder werden Beschwerden an uns herangetragen, dass sich Fahrgäste durch umherfliegende Tauben in den unterirdischen Stationen genauso wie in Bahnhofsgebäuden belästigt fühlen“, so ein Sprecher zur AZ.

„Auch unsere Pächter erwarten, dass wir die Tauben so gut wie möglich von ihren Verkaufsständen fernhalten. Durch den Kot und die Federn der Tauben kann es beim Verzehr von Lebensmitteln und Getränken zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen.“ Durch Netze, Gitter und „Spieker“ versuche die Bahn deshalb zu verhindern, dass sich die Vögel in ihren Gebäuden aufhalten oder gar nisten.

Im vorliegenden Fall, so der Bahnsprecher weiter, habe nicht die Bahn die Tauben eingesperrt. Vielmehr hätten sich die Tauben selbst einen Weg hinter die Gitter und Netze gesucht. „Sie werden auf dem gleichen Weg auch wieder nach draußen kommen.“

Doch genau daran zweifelt eine Tierfreundin, die das Taubendrama am Mittwochmittag geraume Zeit beobachtet hat. „Es ist eine Frechheit so etwas zu behaupten. Die eingeschlossenen Tiere finden keinen Weg nach draußen. Bei der Hitze werden die Tauben innerhalb kürzester Zeit in ihrem Gefängnis verdursten.“

Überraschende Wende am frühen Abend: Ein Unbekannter hat ein großes Loch ins Gitter geschnitten. Die Tauben sind frei.

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