Tag der Archive: Zeitreisen in ganz München

Ausreden von Einstein, Post aus dem bracken Hafenwasser und ein Bleibote: Zum Tag der Archive am Samstag gibt's viel zu entdecken – zum Beispiel im Deutschen Museum.
| Jasmin Menrad
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Oskar von Miller schrieb diesen Luftschiffbrief.
Daniel von Loeper 5 Oskar von Miller schrieb diesen Luftschiffbrief.
Der schwimmende Bote.
Daniel von Loeper 5 Der schwimmende Bote.
Matthias Röschner (links) und Wilhelm Füßl vom Archiv des Deutschen Museums.
Daniel von Loeper 5 Matthias Röschner (links) und Wilhelm Füßl vom Archiv des Deutschen Museums.
Der erste "Unterwasserbrief" der Welt.
Daniel von Loeper 5 Der erste "Unterwasserbrief" der Welt.
Der ausgeräucherte Brief.
Daniel von Loeper 5 Der ausgeräucherte Brief.

München - Wir kommunizieren heute viel mehr und viel schneller als vor zehn, 20, 100 Jahren. Am Tag der Archive an diesem Samstag holt das Deutsche Museum spannende Dokumente aus seinen 4,7 Regalkilometern an Originaldokumenten, die Zeugnisse ihrer Zeit sind.

Da schreibt Einstein in Schönschrift eine Entschuldigung, die man durchaus ausprobieren könnte, wenn man eine freundliche Absage formulieren muss, nämlich dass sein "besseres Ich gegen den Faulpelz in mir einen verzweifelten Kampf gekämpft" habe, wobei das bessere Ich am Ende "nachgegeben" hat.

Daneben präsentiert auch das Archiv der Akademie der Bildenden Künste zeitgenössisches Material und die Ausstellung "Die Kommunikation der Studentenrevolte an der AdBK München 1968/69".

Außerdem sind die Bayerische Staatsbibliothek und das TU-Archiv mit Ausstellungen zu Gast im Foyer der Bibliothek des Deutschen Museums. Sie zeigen "Illustrierte Künstlerautographen", von Kaulbach und Olaf Gulbransson, und "Feldpost an das Institut für Organische Chemie" mit dem Briefwechsel von Nobelpreisträger Hans Fischer.

Doch nicht nur das Deutsche Museum – dessen Archiv ist ganzjährig für jeden zugänglich –, sondern Archive in der ganzen Stadt öffnen am Samstag.
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Museumsinsel 1, Samstag, 10 bis 17 Uhr

Tag der Archive: Post aus dem Himmel

Oskar von Miller schrieb diesen Luftschiffbrief.
Oskar von Miller schrieb diesen Luftschiffbrief. © Daniel von Loeper

Eigentlich sollte Luftschiffpost im Postamt abgegeben werden, aber darum hat sich Museumsgründer Oskar von Miller wenig geschert. Auf seinen Luftschiffbrief schrieb er, man möge ihn direkt im Deutschen Museum abgeben. Was funktioniert hat und so erhielten seine Mitarbeiter im Jahr 1929 einen Gruß aus dem legendären LZ 127 Zeppelin, mit dem von Miller München überflogen hatte.

Der LZ 127 war der berühmteste Zeppelin, bekannt durch zahlreiche spektakuläre Fahrten, unter anderem mehrere Weltumrundungen und eine Fahrt ins Polargebiet. Da der Zeppelin maximal 25 zahlende Passagiere befördern konnte, wurden solche (teuren) Reisevergnügen auch durch das Befördern von Post mitfinanziert.

Was freilich auch ziemlich teuer war. Im Normalfall wurde die Luftschiffpost am Boden übergeben und zu einem Postamt gebracht. Manche Briefe aber wurden über der Stadt abgeworfen – etwa, wenn es dort keinen Halt gab – und wer sie fand und bei einer Post abgab, der erhielt ein bisserl Geld dafür. Damit die so abgeworfene Luftschiffpost nicht verlorenging, war ein langes Band in den Reichsfarben daran befestigt. Und so erreichte auch der Brief von Oskar von Miller seine Mitarbeiter.

Tag der Archive: Bote mit Bleischuhen

Der schwimmende Bote.
Der schwimmende Bote. © Daniel von Loeper

Warum die Boten des Militärs nicht einfach in ein Boot gestiegen sind, bleibt zwar unklar. Das wehrtechnische Manuskript von zirka 1480 zeigt dafür auf jeden Fall eine aufregende Methode auf, Nachrichten zu überbringen: Der "schwimmdende Bote" trägt Bleischuhe, die ihn am Boden halten und eine Lederhose mit einem Schwimmreif – den er offenbar immer wieder aufpusten muss.

So konnte der schwimmende Bote, der mehr ein laufender Bote war, einen Fluss oder See trockenen Fußes durchqueren – zumindest theoretisch und wenn er nicht zu tief war. Wilhelm Füßl hat nämlich begründete Zweifel daran, dass die Lederhosn dicht waren, nicht aber daran, dass das Militär tatsächlich auf diese Art und Weise Nachrichten überbracht hat. Die Zeichnung eines Nürnberger Büchsenmachers, der sich im Gesicht des Boten wohl selbst verewigt hat, wurde in militärischen Handschriften zwischen Belagerungs- und Verteidigungstechniken gefunden und ist nicht die einzige Zeichnung eines schwimmenden Boten.

Tag der Archive: Johann Wolfgang von Steinsammler

Matthias Röschner (links) und Wilhelm Füßl vom Archiv des Deutschen Museums.
Matthias Röschner (links) und Wilhelm Füßl vom Archiv des Deutschen Museums. © Daniel von Loeper

Walle, walle, manche Strecke – wird sich so manch einer denken, wenn er Johann Wolfgang von Goethe hört, aber Steine werden den wenigsten Menschen in den Sinn kommen. Johann Wolfgang von Goethe war aber auch Naturforscher und beteiligte sich am Wissenschaftsstreit, wie Gebirge entstehen. Johann Wolfgang von Goethe glaubte, dass sie aus der Erde kommen (und nicht aus dem Wasser, wie so mancher annahm) und sammelte zum Beweis rund um die Kurstadt Karlsbad Steine, die er mit einem Juwelier bearbeitete und als Sammlung verkaufte.

Zur Sammlung, die in einer Auflage von weniger als 100 Stück erschien, brachte er auch ein Büchlein heraus, in dem er jeden Stein beschrieb. Diese Sammlungen waren im Bürgertum sehr beliebt. 30 Gulden soll Johann Wolfgang von Goethe dafür verlangt haben. Er wird aber wenig davon gehabt haben, denn im selben Jahr – 1832 – verstarb der Dichter und Naturforscher.

Tag der Archive: Grüße aus dem U-Boot

Der erste "Unterwasserbrief" der Welt.
Der erste "Unterwasserbrief" der Welt. © Daniel von Loeper

Wilhelm Bauer war einerseits ein sehr glücklicher Mensch, denn er lebte seinen Traum, war Ingenieur von Unterseebooten und Unterwasser-Abenteurer. Und anderseits hatte der 1822 geborene Bauer immer wieder Pech, weil seine U-Boote just in dem Moment sanken, wenn er sie verkaufen wollte. "Er galt als gescheiterte Erfinder", sagt Matthias Röschner.

So ging es Bauer auch mit jenem 16 Meter langen Boot, aus dem er den ersten Unterwasserbrief der Welt schrieb – an "meine lieben Eltern und Brüder" aus dem Hafen von Sankt Petersburg, wo er in 15 Fuß Tiefe (das sind etwa 4,50 Meter) horizontal fahrend in Nord-Nord-Ost unterwegs war, wie er seiner Familie schreibt. Rund 130 Mal ist er mit diesem U-Boot getaucht, dann ging es wegen eines Bedienfehlers unter – kurz bevor er es an die Russen verkaufte.

Ein Modell von diesem U-Boot ist in der Schifffahrtsabteilung des Museums ausgestellt. Und Wilhelm Bauer hatte Glück, er überlebte jedes seiner U-Boot-Unglücke. Er starb 1875 in München im Alter von 53 Jahren.

Tag der Archive: Briefe in Zeiten der Cholera

Der ausgeräucherte Brief.
Der ausgeräucherte Brief. © Daniel von Loeper

Epidemien haben die Menschen schon immer gefürchtet – das zeigt ein Brief aus dem Januar 1832, der im Archiv des Deutschen Museums lagert. Damals fürchteten die Menschen die Cholera. 1837 sollte deshalb sogar der Bayerische Landtag aufgelöst werden – was manchem gar nicht so unrecht war, denn es hatte sich eine Opposition gebildet.

Der Brief wurde in Stockholm geschrieben und nicht nur, was darin steht, ist interessant (der Verfasser musste in Dänemark in Quarantäne, weil die Cholera über das Baltikum und Schweden gekommen war), sondern wie dieser Brief behandelt wurde: In Hamburg kam das Schriftstück nämlich in die Briefreinigungskammer. Dort wurden Löcher hineingestanzt, er wurde ausgeräuchert und musste dann noch mehrere Tage liegen. Denn man fürchtete, dass auch Briefe die Cholera übertragen können.

"Manche Briefe wurden auch in Essig gelegt, um sie zu reinigen", sagt Wilhelm Füßl, "das hat natürlich die Tinte verschmiert und aufgelöst." Auch die Tipps, wie die Bevölkerung eine Ansteckung vermeiden kann, waren nicht minder merkwürdig: Man riet beispielsweise davon ab, in einem Himmelbett zu schlafen, da dort die Gefahr am höchsten sei.

Tag der Archive: Das Programm

Archive in der ganzen Stadt machen am Samstag mit, hier ein Auszug aus dem Programm...

  • Staatsarchiv, Schönfeldstr. 3, 12-19 Uhr: Führungen zu jeder vollen Stunde, Bücherbazar u.v.m.
  • Bayerischer Rundfunk, Arnulfstr. 42, 10-17 Uhr, Filmvorführungen, Recherchedesk, Führungen.
  • Forum Homosexualität München, Bayerstr. 77a, Rückgebäude III, 14 Uhr Archivführung.
  • Orff-Zentrum, Kaulbachstr. 16, 10 bis 17 Uhr: Filme mit und über Orff, Hausführungen.
  • Institut für Zeitgeschichte, Leonrodstr. 46b, 10-17 Uhr: Ausstellung zur Kommunikation unter der NS-Herrschaft und auch Flugblätter aus der Arbeiterbewegung, Magazinführungen.
  • Haus der Kunst, Prinzregentenstr. 1, 12 Uhr Führung. 
  • Bayerisches Wirtschaftsarchiv, Orleansstr. 10-12, 10-17 Uhr: diverse Ausstellung von Reklame über Wirtschaftsgeschichte im Spiegel historischer Aktien und Führungen.

Das komplette Programm gibt's unter www.tagderarchive.de

Lesen Sie hier: Münchner Wochenend-Tipps - Gehen Sie doch mal ins Museum

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