Tätowierer sauer auf Corona-Politik: "Alle haben eine Lösung gefunden, nur Bayern nicht"

In ganz Deutschland dürfen Tattoo-Studios wieder öffnen, nur in Bayern nicht. Und das, obwohl körpernahe Dienstleistungen mittlerweile eigentlich wieder erlaubt sind. Die Szene ist sauer – und fühlt sich vergessen.
| Agnes Kohtz
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Seit dem 8. März dürfen "körpernahe Dienstleistungen" wieder öffnen - in Bayern gilt das jedoch nicht für Tätowierer. In der Bilderstrecke kommen Tätowierer aus München und Bayern zu Wort.
Seit dem 8. März dürfen "körpernahe Dienstleistungen" wieder öffnen - in Bayern gilt das jedoch nicht für Tätowierer. In der Bilderstrecke kommen Tätowierer aus München und Bayern zu Wort. © Tempel München

München - Der am 3. März beschlossene Fünf-Stufen-Plan der Bundesregierung hat Hoffnung gemacht: Laut diesem dürfen neben Friseuren auch andere "körpernahe Dienstleistungen" wie Kosmetikstudios oder Nagelstudios seit dem 8. März wieder öffnen. Das sollte eigentlich auch die Tattoo-Studios miteinbeziehen – nicht aber in Bayern!

Corona-Lockerungen in Bayern: Tattoo-Studios bleiben geschlossen

In der 12. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung werden unter § 12 Abs. 2 "Massagepraxen, Tattoo-Studios oder ähnliche Betriebe" von der Lockerung ausgeschlossen. Eine Entscheidung, die für Vertreter der Tattoo-Branche nicht nachvollziehbar ist – schließlich gelten gerade hier ohnehin schon besonders hohe Hygienestandards.

Hinzu kommt, dass Tattoo-Studios im Gegensatz zu Friseuren deutlich weniger Kunden haben, manchmal sogar nur ein bis zwei pro Tag. Die Ansteckungsgefahr wäre folglich bedeutend geringer, auch Mindestabstände sind so wesentlich einfacher einzuhalten als in anderen Einrichtungen.

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Untätig waren viele Tätowierer trotz des Arbeitsverbots aber nicht, einige versuchen bereits seit dem ersten Lockdown, die Kasse mit dem Verkauf von Masken oder Illustrationen wenigstens ein bisschen aufzubessern. Doch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein: "Wir versuchen, unsere Lebenshaltungskosten momentan mit Auftragsillustrationen und Prints zu finanzieren, aber da kommt natürlich nicht so viel bei rum", erklärt Tätowiererin Ella Winchester aus München im Gespräch mit der AZ.

Anzeige für den Anbieter Instagram über den Consent-Anbieter verweigert

Ihrem Unmut machen die Tätowierer wie auch viele Kunden jetzt im Internet Luft. Bei einer Online-Petition von Dr. med Alexander Wagner aus Schwarzach auf openpetition.de haben bereits über 11.000 Menschen gegen den Beschluss unterschrieben. Darin heißt es unter anderem: "Bei entsprechenden Hygienekonzepten (nur mit Termin, aktueller negativer Schnelltest, Hygieneschleuse mit Händedesinfektion sowie mit Handwaschbecken, welches mit Fuß zu bedienen ist, FFP2 Masken, Beschränkung der Personenzahlen im Studio, Abstände UND Zwischenwände, Desinfektion des Arbeitsplatzes, Einwegmaterialien, ...) ist die Ansteckungsgefahr nicht größer als bei Nagelpflege oder Haare schneiden."

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Söder: "Versuchen immer, es so gerecht wie möglich zu machen"

In einem Interview mit "Antenne Bayern" lieferte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hingegen eine für die Branche wenig befriedigende Erklärung zu dem Beschluss: "Es sind immer wieder Abgrenzungen, die man treffen muss. Wir versuchen es immer so gerecht wie möglich zu machen. So eine hundertprozentige Gerechtigkeit... die ist bei Corona schwer zu finden." Das dürften auch die Tätowierer in Bayern so empfinden.

Was Tätowierer aus München und Bayern zur aktuellen Situation sagen, sehen Sie in unserer Bilderstrecke.

Stephan Rieger (r.) von "Tempel München" in Haidhausen: "Das Schlimmste für uns ist gar nicht einmal dieses Nicht-arbeiten-Können, das geht vielen in der Pandemie so. Wir wissen auch, dass wir nicht systemrelevant sind. Viele andere Betriebe, Büros, Fabriken und Dienstleistungen sind es aber auch nicht und die dürfen ganz normal oder zumindest wieder arbeiten, obwohl sie deutlich mehr Risikokontakte haben. Bayern hat als einziges Bundesland die Beschlüsse von der Konferenz letzte Woche nicht umgesetzt. Überall anders wird gearbeitet. Es sind diese Ungerechtigkeiten und diese Machtlosigkeit dagegen, die uns an den Rand der Verzweiflung bringen."
© Tempel München
Stephan Rieger (rechts) von "Tempel München" in Haidhausen: Das schlimmste für uns ist gar nicht einmal dieses nicht arbeiten können, das geht vielen in der Pandemie so. Wir wissen auch, dass wir nicht systemrelevant sind. Viele andere Betriebe, Büros, Fabriken und Dienstleistungen sind es aber auch nicht und die dürfen ganz normal oder zumindest wieder arbeiten, obwohl sie deutlich mehr Risikokontakte haben. Bayern hat als einziges Bundesland die Beschlüsse von der Konferenz letzte Woche nicht umgesetzt. Überall anders wird gearbeitet. Es sind diese Ungerechtigkeiten und diese Machtlosigkeit dagegen, die uns an den Rand der Verzweiflung bringen.
Olivia von "Bavarian Bounty Tattoo" in Schwabing: "Auch schon vor Corona konnte ich hygienisch arbeiten, sterile Produkte verwenden und alle wichtigen Flächen vor und nach meinem Kunden desinfizieren. Ich kann dabei stundenlang eine FFP2-Maske tragen und vorab meine 1 bis (höchstens) 3 Kunden pro Tag problemlos online terminlich koordinieren und nachvollziehbar registrieren. Ich kann mich selbst regelmäßig testen lassen und nur Kunden mit Negativ-Test annehmen. Ich übernehme gerne Verantwortung für meine Mitmenschen und bin verständnisvoll. Deswegen kann ich den Sonderweg auch nicht verstehen. Ohne jegliche Begründung vonseiten der Regierung schon gar nicht. Von den Hilfen kann ich ohne Kredit weder fristgerecht meine geschäftlichen Fixkosten decken noch mir selbst ein Gehalt für meine private Miete, Krankenkasse, Rente oder Essen bezahlen. Sorry, ich habe keine 5 Monatsgehälter in der Portokasse. Ich habe das 'Schmuddel-Image' unseres Berufes satt und kann die Frustration über die Bedrohung meiner existenziellen Grundlage (und die meiner in Bayern arbeitenden Kollegen) nicht kommentarlos hinnehmen. Es gibt so viele Möglichkeiten, wenn man nur wollen würde, liebe Landesregierung!"
© Olivia - Bavarian Bounty Tattoo
Olivia von "Bavarian Bounty Tattoo" in Schwabing: "Auch schon vor Corona konnte ich hygienisch arbeiten, sterile Produkte verwenden und alle wichtigen Flächen vor und nach meinem Kunden desinfizieren. Ich kann dabei stundenlang eine FFP2-Maske tragen und vorab meine 1 bis (höchstens) 3 Kunden pro Tag problemlos online terminlich koordinieren und nachvollziehbar registrieren. Ich kann mich selbst regelmäßig testen lassen und nur Kunden mit Negativ-Test annehmen. Ich übernehme gerne Verantwortung für meine Mitmenschen und bin verständnisvoll. Deswegen kann ich den Sonderweg auch nicht verstehen. Ohne jegliche Begründung vonseiten der Regierung schon gar nicht. Von den Hilfen kann ich ohne Kredit weder fristgerecht meine geschäftlichen Fixkosten decken noch mir selbst ein Gehalt für meine private Miete, Krankenkasse, Rente oder Essen bezahlen. Sorry, ich habe keine 5 Monatsgehälter in der Portokasse. Ich habe das 'Schmuddel-Image' unseres Berufes satt und kann die Frustration über die Bedrohung meiner existenziellen Grundlage (und die meiner in Bayern arbeitenden Kollegen) nicht kommentarlos hinnehmen. Es gibt so viele Möglichkeiten, wenn man nur wollen würde, liebe Landesregierung!"
Katharina Menne von "Black Heart Tattoo" in Schwabing: "Tätowieren ist mein Leben. Ich vermisse meinen wunderschönen Laden, den ich mir aus eigener Kraft aufgebaut habe und in dem unter strengen Hygienevorgaben gearbeitet wird. Seitdem man mir untersagt, meinen Beruf auszuüben, fühle ich mich, als würde mir ein Teil meines Körpers und meiner Identität fehlen. Auch wenn ich verstehe, dass bei diesem Virus Maßnahmen absolut notwendig sind, fühle ich mich bei der neuen 'Öffnungsstrategie' der Bayerischen Landesregierung willkürlich behandelt und ausgegrenzt. Ich lebe nun seit vielen Monaten von meiner Altersvorsorge. Je länger der Lockdown für unsere Branche geht, desto früher muss ich sterben, denn hinten raus wird mir das Geld schmerzlich fehlen."
© Katharina Menne
Katharina Menne von "Black Heart Tattoo" in Schwabing: "Tätowieren ist mein Leben. Ich vermisse meinen wunderschönen Laden, den ich mir aus eigener Kraft aufgebaut habe und in dem unter strengen Hygienevorgaben gearbeitet wird. Seitdem man mir untersagt, meinen Beruf auszuüben, fühle ich mich, als würde mir ein Teil meines Körpers und meiner Identität fehlen. Auch wenn ich verstehe, dass bei diesem Virus Maßnahmen absolut notwendig sind, fühle ich mich bei der neuen 'Öffnungsstrategie' der Bayerischen Landesregierung willkürlich behandelt und ausgegrenzt. Ich lebe nun seit vielen Monaten von meiner Altersvorsorge. Je länger der Lockdown für unsere Branche geht, desto früher muss ich sterben, denn hinten raus wird mir das Geld schmerzlich fehlen."
Ella Winchester von "Von Fischern und Halunken" in Neuhausen: "Alle Bundesländer haben eine Lösung gefunden, bei dem Tätowierer Teil des Öffnungsplans sind, nur Bayern nicht. Und das, obwohl wir einen absolut hohen Standard an Hygiene haben und maximal zwei Kunden pro Tag bedienen. Wenn die Zahlen stimmen, sollten wir genauso öffnen dürfen wie andere auch. Warum haben alle anderen Kultur- und Freizeitbereiche bereits einen Öffnungsplan? Wurden wir vergessen? Oder übergangen? Uns fehlt jegliche Perspektive."
© Ella Winchester
Ella Winchester von "Von Fischern und Halunken" in Neuhausen: "Alle Bundesländer haben eine Lösung gefunden, bei dem Tätowierer Teil des Öffnungsplans sind, nur Bayern nicht. Und das, obwohl wir einen absolut hohen Standard an Hygiene haben und maximal zwei Kunden pro Tag bedienen. Wenn die Zahlen stimmen, sollten wir genauso öffnen dürfen wie andere auch. Warum haben alle anderen Kultur- und Freizeitbereiche bereits einen Öffnungsplan? Wurden wir vergessen? Oder übergangen? Uns fehlt jegliche Perspektive."
Maike Uschi von "Dreieck Tattoo Cooperation" aus Sendling: "Seit Beginn der Pandemie ist unser Studio schon über sechs Monate geschlossen. Man schwankt zwischen Frust und Verzweiflung. Die Situation ist unglaublich belastend. Finanziell und mental. Wir sind das einzige Bundesland ohne Öffnungsperspektive. Wieso die Abgrenzung zu anderen körpernahen Dienstleistungen stattfindet, ist für uns nicht nachvollziehbar. Wir arbeiten schon immer auf einem sehr hohen hygienischen Niveau. Auch die Kontaktverfolgung ist bei uns im Studio kein Problem , da wir maximal ein bis zwei Kunden pro Tag bedienen. Die versprochenen Hilfen kommen nur sehr langsam an und reichen bei Weitem nicht aus, um alle laufenden Kosten eines Studios zu decken."
© Maike Uschi
Maike Uschi von "Dreieck Tattoo Cooperation" aus Sendling: "Seit Beginn der Pandemie ist unser Studio schon über 6 Monate geschlossen. Man schwankt zwischen Frust und Verzweiflung. Die Situation ist unglaublich belastend. Finanziell und mental. Wir sind das einzige Bundesland ohne Öffnungsperspektive. Wieso die Abgrenzung zu anderen körpernahen Dienstleistungen stattfindet, ist für uns nicht nachvollziehbar. Wir arbeiten schon immer auf einem sehr hohen hygienischen Niveau. Auch die Kontaktverfolgung ist bei uns im Studio kein Problem , da wir Max 1-2 Kunden pro Tag bedienen. Die versprochenen Hilfen kommen nur sehr langsam an und reichen bei Weitem nicht aus, um alle laufenden Kosten eines Studios zu decken."
Miriam Frank von "Farbenpracht Tattoo" im Glockenbachviertel: "Ich würde es vollends nachvollziehen, wenn alle körpernahen Dienstleistungen in Bayern geschlossen bleiben müssten. Das wäre eine klare Linie. Aber hier erfolgen Unterscheidungen, die nicht nachvollziehbar sind- die Einen dürfen öffnen, die Anderen nicht. Es geht dabei nicht mehr um medizinisch notwendige Dienstleistungen. Ein neuer Haarschnitt und lackierte Fingernägel sind genauso notwendig oder unnötig wie eine Tätowierung. Dabei hatten Tätowierstudios bereits vor Corona ein Hygienekonzept und haben weitaus weniger Kunden als ein Friseur oder Nagelstudio. Eine anhaltende Schließung der Tätowierstudios kann meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt werden."
© Miriam Frank
Miriam Frank von Farbenpracht Tattoo im Glockenbachviertel: "Ich würde es vollends nachvollziehen, wenn alle körpernahen Dienstleistungen in Bayern geschlossen bleiben müssten. Das wäre eine klare Linie. Aber hier erfolgen Unterscheidungen, die nicht nachvollziehbar sind- die einen dürfen öffnen, die anderen nicht. Es geht dabei nicht mehr um medizinisch notwendige Dienstleistungen. Ein neuer Haarschnitt und lackierte Fingernägel sind genauso notwendig oder unnötig wie eine Tätowierung. Dabei hatten Tätowierstudios bereits vor Corona ein Hygienekonzept und haben weitaus weniger Kunden (ca. 1-2 Kunden pro Tag) als ein Friseur oder Nagelstudio. Eine anhaltende Schließung der Tätowierstudios kann meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt werden."
Monika Rumrich von "Kleine Welt Tattoos" in Neuhausen: "Ich finde es ungerecht und degradierend, einen Unterschied zwischen körpernahen, kosmetischen Dienstleistungen zu machen. Friseure, Nagelstudios und Kosmetiker arbeiten weitgehend auch dekorativ, so wie wir Tätowierer. Das Arbeitsverbot rückt unsere Branche in ein schlechtes Licht, obwohl unsere Hygienekonzepte von jeher sehr streng und sicher sind. Meine berufliche Existenz - als Mutter von zwei kleinen Kindern - ist bedroht, private Kosten werden durch die staatlichen Hilfen kaum gedeckt. Es ist bitter, mit ansehen zu müssen, wie das eigene kleine, florierende Unternehmen den Bach runtergeht. Das Arbeitsverbot ist schlicht und ergreifend ungerecht. Einige Kollegen weichen auf andere Bundesländer aus, um dort zu arbeiten - das kann ja nicht Sinn und Zweck sein. Aber das Wasser steht vielen bis zum Hals."
© Monika Rumrich
Monika Rumrich von "Kleine Welt Tattoos" in Neuhausen: "Ich finde es ungerecht und degradierend, einen Unterschied zwischen körpernahen, kosmetischen Dienstleistungen zu machen. Friseure, Nagelstudios und Kosmetiker arbeiten weitgehend auch dekorativ, so wie wir Tätowierer. Das Arbeitsverbot rückt unsere Branche in ein schlechtes Licht, obwohl unsere Hygienekonzepte von jeher sehr streng und sicher sind. Meine berufliche Existenz - als Mutter von zwei kleinen Kindern - ist bedroht, private Kosten werden durch die staatlichen Hilfen kaum gedeckt. Es ist bitter, mitansehen zu müssen, wie das eigene kleine, florierende Unternehmen den Bach runtergeht. Das Arbeitsverbot ist schlicht und ergreifend ungerecht. Einige Kollegen weichen auf andere Bundesländer aus, um dort zu arbeiten - das kann ja nicht Sinn & Zweck sein. Aber das Wasser steht vielen bis zum Hals."
Jascha Leven von "Darkest Gold Tattoo" in Sendling: "Dass Corona viele Unternehmen hart getroffen hat, ist kein Geheimnis, was jedoch in Bayern mit den selbstständigen Tätowierern betrieben wird, ist nur noch reine Schikane. Ich und meine Kollegen dürfen nun seit fast 5 (!!!) Monaten unserer Tätigkeit nicht nachgehen. Mir ist durchaus bewusst das Tätowierungen nicht überlebensnotwendig sind. Aber ein Haarschnitt und Kosmetikstudios sind es auch nicht. (…) Es wird die ganze Zeit von Solidarität gefaselt, aber jedes Bundesland und ganz besonders Bayern, ziehen eine „One Man Show“ ab. (…) Was mit uns Tätowieren betrieben wird, ist einfach nur frech und grenzt an Idiotismus. (…) Es geht hart an die Substanz, wenn man als einziges Bundesland geschlossen bleiben muss, weil Herr Söder und seine Gummibärenbande auf ganzer Linie versagt haben. Danke für nichts."
© ho
Jascha Leven von "Darkest Gold Tattoo" in Sendling: "Dass Corona viele Unternehmen hart getroffen hat, ist kein Geheimnis, was jedoch in Bayern mit den selbstständigen Tätowierern betrieben wird, ist nur noch reine Schikane. Ich und meine Kollegen dürfen nun seit fast 5 (!!!) Monaten unserer Tätigkeit nicht nachgehen. Mir ist durchaus bewusst das Tätowierungen nicht überlebensnotwendig sind. Aber ein Haarschnitt und Kosmetikstudios sind es auch nicht. (…) Es wird die ganze Zeit von Solidarität gefaselt, aber jedes Bundesland und ganz besonders Bayern, ziehen eine „One Man Show“ ab. (…) Was mit uns Tätowieren betrieben wird, ist einfach nur frech und grenzt an Idiotismus. (…) Es geht hart an die Substanz, wenn man als einziges Bundesland geschlossen bleiben muss, weil Herr Söder und seine Gummibärenbande auf ganzer Linie versagt haben. Danke für nichts."
Eva Ahoi von "Kollektiv Unegal" aus München: "Es kann nicht sein, dass am 8. März in allen Bundesländern Tattoostudios wieder öffnen durften, nur in Bayern nicht. Kosmetikstudios dürfen nun wieder alle Dienste anbieten, Haare schneiden ist erlaubt. Und trotzdem wird eine absolut ungerechtfertigte Unterscheidung bei körpernahen Dienstleistungen gemacht. Es geht hier um so viele Existenzen, die dadurch bedroht werden und bereits bedroht sind, worunter auch alleinerziehende Mütter fallen, die aus diversen Gründen seit Januar nicht einmal mehr Überbrückungshilfen erhalten. Die Aussage, dass es nun mal nicht immer für alle gerecht sein könne, ist an dieser Stelle so was von an den Haaren herbei gezogen. Außerdem hatten Tattoostudios bereits vor Corona ein Hygienekonzept und somit ist das Tätowieren die sterilste körpernahe Dienstleistung überhaupt. Wir fordern Gleichberechtigung und ein sofortiges Ende dieser ungerechten Schikane für alle Tattoostudios in Bayern!"
© Dominik Alves (dominik-alves.com)
Eva Ahoi von "Kollektiv Unegal" aus München: "Es kann nicht sein, dass am 8. März in allen Bundesländern Tattoostudios wieder öffnen durften, nur in Bayern nicht. Kosmetikstudios dürfen nun wieder alle Dienste anbieten, Haare schneiden ist erlaubt. Und trotzdem wird eine absolut ungerechtfertigte Unterscheidung bei körpernahen Dienstleistungen gemacht. Es geht hier um so viele Existenzen, die dadurch bedroht werden und bereits bedroht sind, worunter auch alleinerziehende Mütter fallen, die aus diversen Gründen seit Januar nicht einmal mehr Überbrückungshilfen erhalten. Die Aussage, dass es nun mal nicht immer für alle gerecht sein könne, ist an dieser Stelle so was von an den Haaren herbei gezogen. Außerdem hatten Tattoostudios bereits vor Corona ein Hygienekonzept und somit ist das Tätowieren die sterilste körpernahe Dienstleistung überhaupt. Wir fordern Gleichberechtigung und ein sofortiges Ende dieser ungerechten Schikane für alle Tattoostudios in Bayern!“
Pam Fatale von Atelier Pam Fatale aus Augsburg hat gegen die Regelung bereits Klage eingereicht: "Aktuell herrscht eine ganz offene Benachteiligung der Tattoostudios in Bayern! Jetzt ist die Zeit zusammenzuhalten und laut zu sein. Ich will nicht mehr länger in Schubladen geschoben werden, in die wir nicht gehören. Ich will aufklären und etwas ändern!"
© Marc Gaedicke
Pam Fatale von Atelier Pam Fatale aus Augsburg hat gegen die Regelung bereits Klage eingereicht: “Aktuell herrscht eine ganz offene Benachteiligung der Tattoostudios in Bayern! JETZT ist die Zeit zusammenzuhalten und laut zu sein. Ich will nicht mehr länger in Schubladen geschoben werden, in die wir nicht gehören. Ich will aufklären und etwas ändern!”
Olli, Tobi, Julie, Mausi von der "Black Torch Tattoo Crew" in Deggendorf: "Es hieß, dass zum 8. März alle anderen körpernahen Dienstleister wieder öffnen dürfen. So war es dann auch – aber nicht für uns. Als einziges Bundesland hat es Bayern den Tätowierern nicht erlaubt, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Bei uns trifft das auf Unverständnis, da wir diese Ausnahme nicht nachvollziehen können. Auch ohne Pandemie herrscht bei uns mehr Hygiene und Sterilität als bei den meisten anderen Branchen. Dass wir nicht systemrelevant sind, können wir akzeptieren. Aber das sind Glitzernägel und Dauerwelle vermutlich auch nicht. Wir sind ein junges Studio und haben erst Anfang 2020 eröffnet. Davon konnten wir aktiv bis dato nur knappe acht Monate arbeiten. Für uns vier Tätowierer ist das eine Katastrophe und wir sind auf staatliche Hilfen angewiesen. Diese decken aber bestenfalls unsere Fixkosten. Wir würden uns daher mehr Transparenz bezüglich der staatlichen Entschlüsse wünschen und hoffen, dass auch wir noch im März unser Studio mit einem adäquaten Hygienekonzept wieder eröffnen dürfen."
© Black Torch Tattoo Crew
Olli, Tobi, Julie, Mausi von der "Black Torch Tattoo Crew" in Deggendorf: Es hieß, dass zum 8. März alle anderen körpernahen Dienstleister wieder öffnen dürfen. So war es dann auch – aber nicht für uns. Als einziges Bundesland hat es Bayern den Tätowierern nicht erlaubt, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Bei uns trifft das auf Unverständnis, da wir diese Ausnahme nicht nachvollziehen können. Auch ohne Pandemie herrscht bei uns mehr Hygiene und Sterilität als bei den meisten anderen Branchen. Dass wir nicht systemrelevant sind, können wir akzeptieren. Aber das sind Glitzernägel und Dauerwelle vermutlich auch nicht. Wir sind ein junges Studio und haben erst Anfang 2020 eröffnet. Davon konnten wir aktiv bis dato nur knappe acht Monate arbeiten. Für uns vier Tätowierer ist das eine Katastrophe und wir sind auf staatliche Hilfen angewiesen. Diese decken aber bestenfalls unsere Fixkosten. Wir würden uns daher mehr Transparenz bezüglich der staatlichen Entschlüsse wünschen und hoffen, dass auch wir noch im März unser Studio mit einem adäquaten Hygienekonzept wieder eröffnen dürfen."
Marion Glas von "Brandner und Kneißl" in Sauerlach: "Ich bin wütend und enttäuscht, dass es nicht bei der bundesweiten Öffnung der Tattoostudios geblieben ist. In Bayern darf man sich nun wieder die Fingernägel bunt machen lassen - warum nicht die Haut?"
© Marion Glas
Marion Glas von "Brandner und Kneißl" in Sauerlach: "Ich bin wütend und enttäuscht, dass es nicht bei der bundesweiten Öffnung der Tattoostudios geblieben ist. In Bayern darf man sich nun wieder die Fingernägel bunt machen lassen - warum nicht die Haut?"
Andrew Zelena von "Visavajara" in Nürnberg: "Nach dem Beschluss des Bundes am 3. März hab ich mich sehr gefreut, bald wieder arbeiten zu können. Langsam wird es finanziell dann doch eng und ich bemerken auch die mentalen Auswirkungen des Lockdowns. Am 5. März kam dann der Schock: Bayern lässt die weiteren körpernahen Dienstleistungen geschlossen. Noch schlimmer: Es gibt keine Öffnungsperspektive. Wir sind einfach unter den Tisch gefallen."
© Philip Nürnberger
Andrew Zelena von "Visavajara" in Nürnberg: "Nach dem Beschluss des Bundes am 3. März hab ich mich sehr gefreut, bald wieder arbeiten zu können. Langsam wird es finanziell dann doch eng und ich bemerken auch die mentalen Auswirkungen des Lockdowns. Am 5. März kam dann der Schock: Bayern lässt die weiteren körpernahen Dienstleistungen geschlossen. Noch schlimmer: Es gibt keine Öffnungsperspektive. Wir sind einfach unter den Tisch gefallen."
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