Tätowierer sauer auf Corona-Politik: "Alle haben eine Lösung gefunden, nur Bayern nicht"

In ganz Deutschland dürfen Tattoo-Studios wieder öffnen, nur in Bayern nicht. Und das, obwohl körpernahe Dienstleistungen mittlerweile eigentlich wieder erlaubt sind. Die Szene ist sauer – und fühlt sich vergessen.
| Agnes Kohtz
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Seit dem 8. März dürfen "körpernahe Dienstleistungen" wieder öffnen - in Bayern gilt das jedoch nicht für Tätowierer. In der Bilderstrecke kommen Tätowierer aus München und Bayern zu Wort.
Seit dem 8. März dürfen "körpernahe Dienstleistungen" wieder öffnen - in Bayern gilt das jedoch nicht für Tätowierer. In der Bilderstrecke kommen Tätowierer aus München und Bayern zu Wort. © Tempel München

München - Der am 3. März beschlossene Fünf-Stufen-Plan der Bundesregierung hat Hoffnung gemacht: Laut diesem dürfen neben Friseuren auch andere "körpernahe Dienstleistungen" wie Kosmetikstudios oder Nagelstudios seit dem 8. März wieder öffnen. Das sollte eigentlich auch die Tattoo-Studios miteinbeziehen – nicht aber in Bayern!

Corona-Lockerungen in Bayern: Tattoo-Studios bleiben geschlossen

In der 12. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung werden unter § 12 Abs. 2 "Massagepraxen, Tattoo-Studios oder ähnliche Betriebe" von der Lockerung ausgeschlossen. Eine Entscheidung, die für Vertreter der Tattoo-Branche nicht nachvollziehbar ist – schließlich gelten gerade hier ohnehin schon besonders hohe Hygienestandards.

Hinzu kommt, dass Tattoo-Studios im Gegensatz zu Friseuren deutlich weniger Kunden haben, manchmal sogar nur ein bis zwei pro Tag. Die Ansteckungsgefahr wäre folglich bedeutend geringer, auch Mindestabstände sind so wesentlich einfacher einzuhalten als in anderen Einrichtungen.

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Untätig waren viele Tätowierer trotz des Arbeitsverbots aber nicht, einige versuchen bereits seit dem ersten Lockdown, die Kasse mit dem Verkauf von Masken oder Illustrationen wenigstens ein bisschen aufzubessern. Doch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein: "Wir versuchen, unsere Lebenshaltungskosten momentan mit Auftragsillustrationen und Prints zu finanzieren, aber da kommt natürlich nicht so viel bei rum", erklärt Tätowiererin Ella Winchester aus München im Gespräch mit der AZ.

Anzeige für den Anbieter Instagram über den Consent-Anbieter verweigert

Ihrem Unmut machen die Tätowierer wie auch viele Kunden jetzt im Internet Luft. Bei einer Online-Petition von Dr. med Alexander Wagner aus Schwarzach auf openpetition.de haben bereits über 11.000 Menschen gegen den Beschluss unterschrieben. Darin heißt es unter anderem: "Bei entsprechenden Hygienekonzepten (nur mit Termin, aktueller negativer Schnelltest, Hygieneschleuse mit Händedesinfektion sowie mit Handwaschbecken, welches mit Fuß zu bedienen ist, FFP2 Masken, Beschränkung der Personenzahlen im Studio, Abstände UND Zwischenwände, Desinfektion des Arbeitsplatzes, Einwegmaterialien, ...) ist die Ansteckungsgefahr nicht größer als bei Nagelpflege oder Haare schneiden."

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Söder: "Versuchen immer, es so gerecht wie möglich zu machen"

In einem Interview mit "Antenne Bayern" lieferte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hingegen eine für die Branche wenig befriedigende Erklärung zu dem Beschluss: "Es sind immer wieder Abgrenzungen, die man treffen muss. Wir versuchen es immer so gerecht wie möglich zu machen. So eine hundertprozentige Gerechtigkeit... die ist bei Corona schwer zu finden." Das dürften auch die Tätowierer in Bayern so empfinden.

Was Tätowierer aus München und Bayern zur aktuellen Situation sagen, sehen Sie in unserer Bilderstrecke.

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