Superzug startet: Von München direkt nach Mailand und Rom

Ab Ende des Jahres sollen Münchner Bahnreisende bequem und schnell die Alpen überqueren: Der Frecciarossa ist bald in Deutschland zu Probefahrten unterwegs.
AZ/dpa |
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Die roten Hochgeschwindigkeitszüge sollen zum Fahrplanwechsel ab Dezember 2026 fahren. Münchner Bahnreisende können dann ohne Umstieg bis nach Mailand oder Rom reisen.
Die roten Hochgeschwindigkeitszüge sollen zum Fahrplanwechsel ab Dezember 2026 fahren. Münchner Bahnreisende können dann ohne Umstieg bis nach Mailand oder Rom reisen. © imago images/italyphotopress

Die AZ hat bereits mehrfach über die Pläne berichtet, jetzt gewinnen sie deutlich an Kontur: Der italienische Schnellzug Frecciarossa 1000 wird ab Mai für Probefahrten in Deutschland unterwegs sein.

Im Mai umfangreiche Probefahrten in Deutschland 

Die Testfahrten sind Teil eines Zulassungsprozesses der Hersteller Hitachi und Alstom. Denn zum Fahrplanwechsel im Dezember soll der Zugtyp auf den neuen Direktverbindungen München–Mailand und München–Rom eingesetzt werden.

Mit dem Frecciarossa 1000 schneller nach Mailand und Rom

"Nach ersten Probefahrten im italienischen Netz im Jahr 2025 wurde kürzlich der erste umgerüstete Frecciarossa 1000 über den Brenner nach Deutschland überführt", sagte ein Bahnsprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

"Dort erfolgen zahlreiche technische Tests an den Fahrzeugen. Im Mai 2026 starten wir dann mit umfangreichen Probefahrten in Deutschland und Österreich." Genauere Angaben, wo Probefahrten stattfinden, machte die DB zunächst nicht. 

Attraktive Zwischenstopps garantiert 

Der Frecciarossa 1000 (deutsch: roter Pfeil) kann theoretisch bis zu 400 Kilometer pro Stunde erreichen. Zunächst soll es je eine Verbindung pro Tag geben. Die Strecke München–Mailand wird rund sechseinhalb Stunden, die Strecke München–Rom (mit Stopps in Bologna und Florenz) etwa achteinhalb Stunden lang dauern.

Ab 2026 sollen Züge von München bis Rom fahren, später sogar ab Berlin und bis Neapel. Die Strecke soll mit dem Frecciarossa 1000 zurückgelegt werden.
Ab 2026 sollen Züge von München bis Rom fahren, später sogar ab Berlin und bis Neapel. Die Strecke soll mit dem Frecciarossa 1000 zurückgelegt werden. © Grafik: Deutsche Bahn AG

Damit würden Reisende im Vergleich zur aktuellen Fahrtzeit samt Umstiegen auf dem Weg nach Mailand nach früheren Angaben der Bahn gut 75 Minuten sparen. Die Fahrgäste dürfen sich hier auf Zwischenhalte in Innsbruck und Bozen freuen. Auch ein Stopp in Verona ist geplant. Nach Rom werde die Fahrt 45 Minuten kürzer. 

Brenner-Basistunnel bringt weitere Verbesserungen 

Am Ende sollen täglich fünf Hin- und Rückfahrten zwischen Deutschland, Österreich und Italien angeboten werden. Perspektivisch soll das Angebot schrittweise bis nach Berlin respektive Neapel ausgeweitet werden. Mit der für Ende 2032 geplanten Eröffnung des Brenner-Basistunnels werden sich die Fahrtzeiten voraussichtlich noch mal um etwa eine Stunde verkürzen.

Erste Züge sollen zum Fahrplanwechsel im Dezember fahren

Die Pläne, den Frecciarossa-Schnellzug der italienischen Eisenbahngesellschaft Trenitalia auf der Strecke München–Mailand und München–Rom und damit erstmals in Deutschland einzusetzen, sind schon länger bekannt.

Der Frecciarossa 1000 ist seit 2015 in Italien auf den Gleisen unterwegs.
Der Frecciarossa 1000 ist seit 2015 in Italien auf den Gleisen unterwegs. © imago images/Markus Mainkax

Im Mai 2025 hatten Trenitalia, die ÖBB und die Deutsche Bahn in München offiziell über das Vorhaben informiert. Damals hieß es bereits, die roten Hochgeschwindigkeitszüge sollen zum Fahrplanwechsel ab Dezember 2026 fahren.

Verlängerung bis Berlin und Neapel ab Ende 2028  

Perspektivisch sollen täglich fünf Zugpaare zwischen Deutschland, Österreich und Italien verkehren. Ab Ende 2028 soll die Strecke dann bis Neapel erweitert werden und in Deutschland bereits in Berlin beginnen.

Entspanntes Reisen im Frecciarossa 1000.
Entspanntes Reisen im Frecciarossa 1000. © imago images/italyphotopress

Die 200 Meter langen Schnellzüge sollen standardmäßig mit 300 km/h unterwegs sein, sind also in etwa auf ICE-Niveau.  In den Zügen gibt es vier Klassen: Standard, Premium, Business und die luxuriöse "Executive Class". Letztere zeichnet sich durch überdimensionierte Ledersitze und ein italienisches Gourmet-Menü aus.

Preise stehen noch nicht fest, sagte ein Bahnsprecher im Vorjahr der AZ. Buchbar seien Tickets jedoch mit dem gewohnten DB-Preissystem aus Spar- und Flexpreisen. Der Frecciarossa überquert schon jetzt die Alpen von Mailand nach Paris, hob Gianpiero Strisciuglio, CEO von Trenitalia, bei der Vorstellung hervor. Der Zug sei also geübt darin, Hindernisse zu überwinden.  

Realistischer Start? "Eine ehrgeizige Zeitplanung"  

Experten sehen den Start 2026 als sehr ambitioniert. Die Verkehrsunternehmen selbst stellen den Termin unter Vorbehalt, sagte Andreas Barth, Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn im Gespräch mit der AZ. "In den drei Ländern haben wir verschiedene Zulassungsbehörden, Stromsysteme und Signaltechnik", so der Bahnexperte.

Blick ins Cockpit des Frecciarossa 1000.
Blick ins Cockpit des Frecciarossa 1000. © imago imagesAntonio Balasco

All das müsse erst noch angegangen werden. "Das braucht seine Zeit – und deswegen ist das eine ehrgeizige Zeitplanung." Mit der Ausweitung der Verbindungen bis Berlin ab 2028 kämen noch weitere Hürden hinzu. Hier müsse sich vor allem hinsichtlich der Kapazitäten noch etwas tun.

Deutsche Bahn rechnet mit starken Fahrgastzahlen

Die Kooperation der drei Verkehrsunternehmen macht die Planung zumindest einfacher. "Keiner von uns hätte diese Verbindungen alleine auf die Schiene bringen können", sagte Sabine Stock, Vorständin des ÖBB-Personenverkehrs. Die ÖBB habe etwa Erfahrungen durch ihre im letzten Jahr gestartete Nachtzugverbindung von München nach Rom einbringen können, sagte Stock. 

Der Hochgeschwindigkeitszug Frecciarossa 1000 von Trenitalia im Gare de Lyon in Paris.
Der Hochgeschwindigkeitszug Frecciarossa 1000 von Trenitalia im Gare de Lyon in Paris. © imago images/Bruno Levesque

Die Zusammenarbeit und das Projekt seien "ein starkes Symbol für ein zusammenwachsendes Europa", betonte der DB-Vorstand für Personenverkehr, Michael Peterson. Für die neue Direktverbindung erwarte man starke Fahrgastzahlen, sagte Sabine Stock. Denn: "Die Kombination aus diesem schönen Zug, attraktiven Fahrzeiten und wunderschönen Tourismusdestinationen ist unschlagbar."  

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  • Xaverl Weissnix vor 9 Stunden / Bewertung:

    Hochgeschwindigkeitszug… spart von München nach Rom satte 45 Min…. Wow, wie geil!🥸

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  • Sapere aude! vor 4 Stunden / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Xaverl Weissnix

    Dass nicht mehr Fahrzeit eingespart wird liegt höchstwahrscheinlich nicht am Zug, sondern an der Trassenbeschaffenheit und -auslastung.

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  • Dugi vor 9 Stunden / Bewertung:

    "Die 200 Meter langen Schnellzüge sollen standardmäßig mit 300 km/h unterwegs sein, sind also in etwa auf ICE-Niveau."
    Was soll denn heißen "in etwa auf ICE-Niveau"?
    Der ICE ist jedenfalls "standardmäßig" in Deutschland nicht mit 300 km/h unterwegs sondern eher mit 200 bis 250. Tempo 300 dürfen überhaupt nur auf 3 oder 4 ICE-Strecken gefahren werden. Sofern der "Rote Pfeil" tatsächlich bis zu 400 km/h fahren kann, ist er sogar deutlich leistungsfähiger als der ICE, der nur in Frankreich 320 km/h fährt.

    In diesem Falle wären selbst die für 300 km/h ausgebauten Strecken eher ein Hindernis für den Frecciarossa und er könnte zwischen München und Berlin und erst recht ab München Richtung Brenner sehr viel schneller sein, wenn man in Deutschland den Hochgeschwindigkeitsausbau richtig gebaut hätte (min. 300 km/h, eigene Gleise, durchgehend etc.). Andere Länder machen das und haben mittlerweile ein deutlich attraktiveres System und auch systemisch eine geringere Verspätungsproblematik.

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