Supermond am Montag: XXL-Mond so groß wie seit 70 Jahren nicht mehr

Der Erdtrabant kommt unserem Planeten so nahe wie seit 70 Jahren nicht mehr. Ein Experte erklärt in der AZ, was es mit dem Supermond auf sich hat.
| Interview: Irene Kleber
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Voll und gelb präsentiert sich der Mond hinter der Frauenkirche. Am heutigen Montag ist der Mond der Erde besonders nahe und wird in München deshalb sicher für ähnlich beeindruckende, wenn nicht sogar noch spektakulärere Bilder sorgen.
Heinz Gebhard Voll und gelb präsentiert sich der Mond hinter der Frauenkirche. Am heutigen Montag ist der Mond der Erde besonders nahe und wird in München deshalb sicher für ähnlich beeindruckende, wenn nicht sogar noch spektakulärere Bilder sorgen.

Was für ein Abend für Mond-Anbeter: In der Nacht von Montag auf Dienstag wird der Mond so spektakulär groß über München scheinen, wie seit fast 70 Jahren nicht mehr. Die Erde erlebt den größten „Supermond“ des Jahrtausends. Was hat es damit auf sich? Die AZ sprach mit dem Leiter der Volkssternwarte München, Benjamin Mirwald.

Benjamin Mirwald (35) ist Physiker, Astronomie-Historiker und leitet seit einem Jahr die Volkssternwarte München.   

AZ: Herr Mirwald, wie kommt es zu diesem Supermond?
BENJAMIN MIRWALD: Von einem Supermond ist immer dann die Rede, wenn ein Vollmond mit dem Zeitpunkt zusammentrifft, an dem der Mond sich besonders nah an der Erde befindet – wir nennen diese maximale Erdnähe auch Perigäum. Der Mond kreist ja in einer elliptischen Bahn um die Erde – ein Mal alle vier Wochen. In dieser Zeit ändert sich der Abstand Erde-Mond regelmäßig um rund 50 000 Kilometer.

Bei einer Maximalentfernung von 407 000 Kilometern ...
... ist er dann etwa um 14 Prozent näher bei uns. Und deshalb erscheint er uns deutlich größer.

Womit lässt sich das vergleichen?
Das ist ungefähr wie der Unterschied zwischen einer 1-Euro- und einer 2-Euro- Münze.

„Er wird 30 Prozent heller strahlen als im Durchschnitt“

Wie oft fallen Vollmond und Erdnähe denn zusammen?
Im Schnitt gibt es solche großen Monde alle 13,6 Monate. Wobei der Vollmond-Termin drei Monate am Stück dem Perigäum recht nahe kommt. Zuletzt hatten wir das am 15. Oktober. Der Größenunterschied am Himmel fällt einem Laien aber normalerweise nicht auf, weil ja kein zweiter Mond zum direkten Vergleich da ist.

Was ist diesmal anders als bei gewöhnlichen „Supermonden“?
Diesmal kommt der Mond noch ein paar hundert Kilometer näher ran, er wird nur noch 356 523 Kilometer von uns weg sein.

Diesen Supermond hat der Amateur-Astronom Andreas Zottmann mit einem Linsenfernrohr und einer Spiegelreflexkamera fotografiert – und hinterher die Farben per Bildbearbeitung verstärkt. Die dunkelblauen und violetten Bereiche zeigen metallreiche Gesteine in tieferen Regionen, dunkelorange und hellbeige sind Hochebenen – und wo sich weiße Streifen und hellblaue Flecken zeigen, sind Meteoriten eingeschlagen. Andreas Zottmann/ ho

Wie kommt das?
Der Mond wird ja nicht nur von der Erde angezogen, sondern auch von der Sonne, diesmal ist die Summe dieser beiden Kräfte eben so, dass der Mond noch näher zu uns herankommt. Dadurch wird er auch um bis zu 30 Prozent heller strahlen als im Durchschnitt. Zuletzt hatten wir diese extreme Nähe 1948. 2034 wird er sogar noch mal hundert Kilometer näher sein.

Es heißt, ein Supermond strahlt im Winter noch heller als sonst, stimmt das?
Nein. Im Winter ist er genauso hell wie im Sommer. Er ist aber auffälliger, weil er höher am Himmel steht, früher auf- und auch später untergeht als im Sommer.

Was ist der Unterschied zum sagenumwobenen Blutmond?
Blutmond sagen manche zu einer totalen Mondfinsternis. Kupfermond ist mir als Begriff aber lieber. Dazu müssen Sonne, Erde und Mond in einer Reihe liegen und der Vollmond in den Schatten der Erde treten. Er strahlt dann rot, weil langwelliges Licht von der Erdatmosphäre in den Schatten gestreut wird. Den nächsten Blutmond werden wir erst am 21. Januar 2019 wieder über München sehen.

Wer diesen Supermond verpasst – wann kommt der nächste kleinere?
Ein kleinerer wird am 14. Dezember zu sehen sein. Der hat auch eine Besonderheit: Eigentlich erwarten wir an dem Abend besonders viele Sternschnuppen, die Geminiden. Weil aber der Mond so hell scheint, wird man diesen Meteoritenstrom nicht sehen.

Wie fotografiert man am Montag den Supermond am besten?
Mit einem starken Teleobjektiv mit einer Brennweite ab 200 Millimeter. Ein kleiner Trick noch: Stellen Sie ein Fernglas auf ein Stativ, dann können Sie es auch mit dem Smartphone versuchen.

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