Suche nach einem bisschen Österreich

Jeden Freitag erzählt ein bekannter Münchner in der AZ von seinem Wochenende. Heute: die Schauspielerin Aglaia Szyszkowitz.
| Aglaia Szyszkowitz
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In der Glyptothek wollte Aglaia Szyszkowitz ihre Kinder auf den Griechenland-Urlaub vorbereiten. Doch die meinten nur, das ginge mit einem Gyros besser.
Gregor Feindt In der Glyptothek wollte Aglaia Szyszkowitz ihre Kinder auf den Griechenland-Urlaub vorbereiten. Doch die meinten nur, das ginge mit einem Gyros besser.

Jeden Freitag erzählt ein bekannter Münchner in der AZ von seinem Wochenende. Heute: die Schauspielerin Aglaia Szyszkowitz.

Ich habe in München sehr lange gebraucht, bis ich Orte gefunden hatte, an denen ich mich wohl fühle. Ich komme ja aus Graz, habe in Wien studiert – aber diese Tradition des Kaffeehauses gibt es in München einfach nicht. In Österreich kann man ewig sitzen, lesen und in aller Ruhe eine Melange trinken, ohne dass man vertrieben wird. Das ist hier anders. Für mich war es nicht einfach, mich an die deutsche Hektik zu gewöhnen.

Reingekommen ins Stadtleben bin ich dann durch meine Münchner Freunde. Ich bin sehr gut mit meiner Schauspielkollegin Jule Ronstedt befreundet, die in Haidhausen lebt. Dort waren wir öfter im Preysinggarten, weil ich das Essen und die Atmosphäre dort sehr mag. 

Und wenn wir abends eine Kino- oder Theaterpremiere besuchen, gehen Jule und ich danach oft ins Maria Passagne, eine kleine Bar in der Steinstraße. Die haben sehr gute Cocktails. Aber ich darf mich da nicht zu sehr hinreißen lassen. Ich muss ja noch nach Baierbrunn rausfahren. Auf dieser Strecke kontrolliert die Polizei sehr häufig. Da gab es schon so manch lebhafte Auseinandersetzung. Und mit Schlangenlinien würden man ja sofort  auffallen.

Baierbrunn hat aber auch seine Vorteile. An der Isar unten, da am Georgenstein, ist es ja geradezu wildromantisch. Außerdem hat man es nicht weit zu den Wildschweinen im Forstenrieder Park, zum Fischmeister in Ambach – und mein Lieblingsitaliener ist auch da draußen, das Il Brigante direkt am S-Bahnhof in Schäftlarn.

Ich versuche auch so oft wie möglich mit meinen beiden Söhnen ins Museum zu gehen. Aber ganz ehrlich: Ich bewundere Eltern, die es früh geschafft haben, ihre Kinder auf die Museumsspur zu setzen. Wir waren zum Beispiel vergangenes Jahr zu Ostern mit meinen Eltern in Griechenland. Da wollten wir davor die Kinder ein bisschen einstimmen und sind in die Glyptothek gegangen. Die Begeisterung hielt sich allerdings sehr in Grenzen. Wir haben es gerade mal geschafft, sie eine halbe Stunde lang durch die Reihen mit den antiken Skulpturen zu schleifen, dann wollten sie lieber Gyros essen gehen. Das würde sie der griechischen Kultur auch näher bringen, sagten sie. Es gibt momentan in der Hypo-Kunsthalle allerdings eine vor allem für Kinder hervorragend geeignete Ausstellung über Pompeji, die auch meine Söhne begeistert hat.

Mein Lieblingscafé habe ich schlussendlich auch noch gefunden, im Stadtmuseum. Die Atmosphäre dort kommt noch am ehesten an die in einem Wiener Kaffeehaus heran: ein bisschen alternativer, nicht so schick, eher entspannt. Und das Museum selbst ist auch sehr sehenswert. 

Was ich auch noch gerne mache: in die Allerheiligen-Hofkirche gehen. In der Kirche finden immer wieder gute Konzerte statt, zum Beispiel habe ich kürzlich dort das Clemente-Trio gehört Die Allerheiligen-Hofkirche ist mir die liebste von den Münchner Kirchen. Ich setzte mich auch so ab und zu da rein, weil es ein Ort der Ruhe ist. 

Wenn ich einkaufen gehe, dann gerne in den kleinen Boutiquen in Schwabing. Da gibt es in der Franz-Joseph-Straße das Pajas von Ruth Gassner, einer sehr guten Designerin, die schon viel für mich genäht hat, zum Beispiel auch das tolle Kleid, das ich letztens beim Bayerischen Filmball anhatte. Und in der Belgradstraße gibt es das Hautnah, das ist ein Unterwäscheladen, dessen charmante Besitzerin mich und Kolleginnen berät, wenn wir für Dreharbeiten Unterwäsche brauchen.

Und für den heutigen Abend hätte ich einen wirklich heißen Tipp: der Gauklerfasching im Künstlerhaus. Wenn man als Österreicherin schon auf einen bayerischen Ball geht, dann auf diesen. Nirgends gibt es so phantasievolle Kostüme. Heuer geht es zum Beispiel um den Wilden Westen, aber ich kann leider nicht dabei sein, weil dieses Wochenende Berlinale ist. 

Protokoll: Florian Zick
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