Substanz-Gründer Jürgen Franke ist tot

Er prägte mit dem Substanz und unzähligen Ideen Münchens alternative Nachtkultur, zog Underground-Künstler wie Weltstars an und verband Menschen jenseits des Mainstreams: Nun ist Substanz-Gründer Jürgen Franke, eine Schlüsselfigur der Münchner Subkultur, im Alter von 65 Jahren gestorben.
Moses Wolff |
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Jürgen Franke hatte stets ein offenes Ohr für Künstler, legte Platten auf und liebte Tresengespräche.
Jürgen Franke hatte stets ein offenes Ohr für Künstler, legte Platten auf und liebte Tresengespräche. © Substanz

Wenn er manchmal nicht schlafen konnte und grübelnd auf der Couch lag, erzählte Jürgen Franke am nächsten Tag schmunzelnd, dass er die Nacht mit Nachdenken verbracht hatte. Er war ein wichtiger und prägender Teil der Münchner Subkultur, kannte quasi jeden Wirt und alle wichtigen Künstlerinnen und Künstler, hatte stets ein offenes Ohr für Projekte, liebte Tresengespräche, Konzerte und Poesie.

1990 kam ihm gemeinsam mit seinem Sozialpädagogik-Kommilitonen Frank Bergmeier die Idee, eine Kinderbetreuungsstätte zu gründen. Sie machten sich also auf die Suche nach einer geeigneten Location und fanden gegenüber vom Kreisverwaltungsreferat eine große Räumlichkeit mit Charme und Charakter. Sie entschließen sich, gleich eine Kleinkunstbühne mit Gastronomie zu eröffnen. So entstand das "Substanz" und entwickelte sich rasch zur Independent-Kultstätte mit Fußballübertragungen und Pub-Quiz-Abenden.

Magnet für Untergrund-Künstler und Weltstars

Ko Bylanzky und Rayl Patzak etablierten auf der Substanz-Bühne nach amerikanischem Vorbild den ersten Poetry Slam Munichslam, der bald zu einem Symbol für freie Kunst, und erfolgreichem und festem Bestandteil der Münchner Szene wurde. Jürgen hatte die große Gabe, Menschen abseits des Mainstream zusammenzubringen. Eine Zeit lang leitete er das Kilombo in Haidhausen. Jeder liebte ihn. Als Jaromir Konecny ihn fragte, ob er einen tschechischen Abend veranstalten dürfe, sagte Jürgen sofort zu. Die Veranstaltung fand dann regelmäßig statt, es gab eingelegte Würste und tschechisches Bier, am Schluss der Show trat Jürgen ans Mikro und sang gemeinsam mit Konecny den Song "Föhn, Föhn, Föhn. Hörst du, wie ich stöhn. Der Föhn ist besser, als wenn du lachst. Der Föhn ist einfach schön."

Jürgen und sein Lokal wurde zum Magneten für Underground-Künstler, Weltstars wie Skin von Skunk Anansie und Iggy Pop gaben sich die Ehre. Einmal kollabierte Warren Ellis auf der Bühne, Jürgen brachte ihn in den Backstagebereich und versorgte ihn mit kaltem Wasser. Nick Cave, der an jenem Abend im Publikum saß, kam kurz darauf in einer Stretchlimousine vorgefahren und überreichte Jürgen Franke ein signiertes Buch. Nun ist Jürgen Franke, das Urgestein der Münchner Alternativszene, im Alter von 65 Jahren verstorben.

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  • Der wahre tscharlie vor 20 Minuten / Bewertung:

    Einen Dank an Jürgen Franke, dass er das Substanz geschaffen hatte.
    Ich hoffe, dass das Substanz noch lange erhalten bleibt und die Subkultur weiter eine Bühne findet.

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