Streit um Neubauquartier im Eggarten: Vogelschützer ziehen vor Gericht

Im 100 Jahre alten Eggarten nahe dem Lerchenauer See im Münchner Norden soll eine Neubausiedlung mit rund 1900 Wohnungen für 4500 Menschen entstehen. Schon lange kritisieren Naturschützer, dass damit das 21 Hektar große Naturidyll mit vielen alten Bäumen, in dem auch zahllose Tiere leben, zerstört wird. Jetzt droht eine juristische Auseinandersetzung.
Die Kreisgruppe München des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV) kündigt an, Klage gegen die Bebauung einzureichen. In 45 Jahren Vereinsgeschichte geht der Verein zum ersten Mal gegen ein Bauvorhaben vor.
"Widersinnig, einen kompletten Stadtwald zu roden"
Einige der historischen Häusl der Gartensiedlung sind schon abgerissen. Dass für das Neubauquartier aber auch 1000 alte und unzählige junge Bäume gefällt werden müssen, wollen die Vogelschützer nicht hinnehmen. "In Zeiten von immer häufigeren und extremeren Hitzewellen ist es widersinnig, einen kompletten Stadtwald zu roden", sagt LBV-Chef Heinz Sedlmeier. "Die Wohnungsnot kann man nicht durch eine beispiellose Naturzerstörung im Münchner Norden lösen. Gegen die Zerstörung unserer Lebensgrundlage wehren wir uns, auch im Namen zukünftiger Generationen.“
Noch könne man den Waldkauz in der ehemaligen Eggarten-Siedlung entdecken, auch Eidechsen Fledermäuse und Wildbienen seien zwischen dem weitläufigen Baumbestand, Hecken und Sträuchern zu finden. Aber schon in diesem Herbst könnten Bagger und Kettensägen anrücken, um fast alle Bäume zu roden.

Sedlmeier: "Das kann doch nicht sein"
Einerseits rufe die Stadt zu Spenden für Stadtbäume auf, auf der anderen Seite werde hier der Baum-Kahlschlag billigend in Kauf genommen. "Das kann doch nicht sein", sagt Sedlmeier.
Der Eggarten sei eine grüne Lunge und Kaltluftschneise im Norden Münchens. "In Hitzewellen, wie wir sie gerade erlebt haben, ist sie enorm wichtig für das Stadtklima." Auch für den Artenschutz sei das alte, grüne Stück München von großer Bedeutung.

LBV wirbt um Spenden für die Klage
Der LBV rechnet mit erheblichen Kosten für die Klage – und wirbt nun um Spenden. "Uns ist bewusst, dass die Rechtslage nicht einfach ist, da die Baumschutzverordnung im Eggarten nicht greift. Aber wir müssen es versuchen und ein Zeichen setzen", sagt Sedlmeier.