Streit um 155-Meter-Türme in München: Mit Ballons gegen die Hochhaus-Pläne?

Das Münchner Forum kritisiert die Höhe der Türme an der Paketposthalle. Die Forderung: Zwei Ballons sollen die 155 Meter markieren.
| Eva von Steinburg
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Aus der Perspektive des Landtags gesehen: Die Simulation des Münchner Forums zeigt die beiden geplanten 155-Meter-Hochhäuser rechts neben der Frauenkirche.
Aus der Perspektive des Landtags gesehen: Die Simulation des Münchner Forums zeigt die beiden geplanten 155-Meter-Hochhäuser rechts neben der Frauenkirche. © Simulation: A. Dorsch

München - Der eine hat den Ausblick, die Mehrheit den Anblick. Die einen haben Licht, die anderen Schatten – auch weil Hochhäuser ihre Umgebung "beherrschen" lehnt das Münchner Forum die geplanten 155-Meter-Türme an der Paketposthalle entschieden ab.

Kritiker nennt geplante Türme "unökologisch"

"Die Höhe sprengt jeden Rahmen. Ich sehe nicht, dass Hochhäuser über 60 Meter eine Lösung darstellen", sagt Wolfgang Czisch vom Münchner Forum. Der 77-Jährige leitet den Arbeitskreis Stadt, Gestalt und Lebensraum. Er kritisiert den "Triumph der Technik über die Natur".

Die beiden von Investor Ralf Büschl geplanten Türme nennt er "unökologisch", auch weil sie eine Barriere für die Frischluft darstellen, die nachts von den Alpen nach Neuhausen und Nymphenburg strömt.

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Zudem unterstellt er, dass das Projekt "exklusiv" sein müsse, um finanzierbar zu werden. Als Beispiel nennt er das noble "The Seven"-Wohnhaus im Glockenbachviertel. "Dort sprach der Investor zunächst von einem Café auf der Dachterrasse. Doch nun ist alles Privatgelände. Bürger dürfen das Haus nicht betreten", empört sich der frühere SPD-Stadtrat.

Münchner Forum schickt Brief an Stadtbaurätin

Das Münchner Forum möchte aufrütteln. In einem langen Brief an Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) fordert es: Zwei Fesselballons sollen am Hirschgarten aufsteigen, um die Höhe der geplanten Türme für die Bürger begreifbar zu machen. 2004 habe die Ballon-Methode bereits funktioniert, um vier kleinere Hochhäuser zu verhindern, die von Schloss Nymphenburg aus sichtbar gewesen wären.

So sollen die Türme an der Paketposthalle mal aussehen.
So sollen die Türme an der Paketposthalle mal aussehen. © Herzog & De Meuron

Als "unerlässliche Entscheidungshilfe" regen die rund 200 Mitglieder des Münchner Forums an, dass die Stadt folgende Informationen über die Auswirkungen der Türme an der Paketposthalle ermittelt – und zugänglich macht: eine umfassende Verschattungsanalyse, eine Luftstromanalyse, und Sichtfeldanalysen, "die das Erscheinungsbild der Hochhäuser für die Gesamtstadt nachvollziehbar machen".

Eine Simulation des Blicks vom Landtag aus hat das Münchner Forum schon erstellt: "Die Hochhäuser wären neben den Türmen der Frauenkirche zu sehen. Ich bürge für die Maßstäblichkeit dieser Darstellung", sagt Andreas Dorsch, Zweiter Vorsitzender des AK Stadt im Münchner Forum. Eine Visualisierung des Blicks vom Schlossrondell hat er ebenfalls erstellt.

Mit Hochhäusern: Das könnte der Blick von Schloss Nymphenburg sein.
Mit Hochhäusern: Das könnte der Blick von Schloss Nymphenburg sein. © Simulation: A. Dorsch

Sind die Hochhäuser für bezahlbares Wohnen geeignet? Wie würde das neue Zentrum den Verkehr auf der Landsberger- und Arnulfstraße belasten? Wie ist die CO2-Bilanz? Zu diesen Fragen erwarten die Hochhausgegner ebenfalls Antworten von der Stadt.

Bürgergutachten zum Bauvorhaben Paketposthalle

Um die Bürger zu beteiligen, hat das Planungsreferat ein Bürgergutachten im Sinn: 100 zufällig ausgewählte Münchner über 14 Jahren befassen sich dann vier Tage intensiv mit dem vom Stadtrat abgesegneten und gewünschten Bauvorhaben Paketposthalle – und der Problematik der Höhe der Türme. "Ich sehe das mit Sorge. Ich halte es für vermessen, dass Bürger in so kurzer Zeit eine komplexe stadtentwicklungspolitische Maßnahme beurteilen können", so Czisch skeptisch.

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Befürworter schwärmen, dass die geschwungenen Türme mit der Paketposthalle ein optisch schönes Ensemble bilden. Sie hoffen, dass die eleganten Hochhäuser mit ihrem Mix aus Arbeiten, Hotel und Wohnen das Areal "vitalisieren" – und die Gegend an der S-Bahn-Station Hirschgarten. Das Münchner Forum hält davon – nichts.

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