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Streik geht weiter! So fahren die S-Bahnen in München

Die GDL hat einen erneuten Streik gestartet, der fünf Tage lang dauern soll. Auch die S-Bahn in München ist betroffen. Das Arbeitsgericht lehnt eine Verfügung der Deutschen Bahn gegen den Lokführer-Streik ab. Auch die Berufung blieb ohne Erfolg.
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Auch München ist vom erneuten GDL-Streik betroffen. Er soll bis Montag (7. September) andauern.
Auch München ist vom erneuten GDL-Streik betroffen. Er soll bis Montag (7. September) andauern. © dpa/Peter Kneffel

München - Weil die Deutsche Bahn (DB) und die Lokführergewerkschaft GDL nach wie vor keine Einigung erzielt haben, wird seit Donnerstag (2. September) für fünf Tage gestreikt – zum dritten Mal in kürzester Zeit. Das teilte Gewerkschaftschef Claus Weselsky am Montag in Frankfurt mit.

Der bundesweite Streik hat auch am Freitagmorgen für zahlreiche Zugausfälle und -verspätungen in Bayern gesorgt. "Die Streikbeteiligung ist gut, denn der Frust ist gewaltig", erklärte ein Sprecher der GDL Bayern am Donnerstag.

DB legte GDL neues Angebot vor

Die Deutsche Bahn legte am Mittwoch im Tarifkonflikt mit der GDL ein neues Angebot vor. Es beinhalte eine Lohnerhöhung von 3,2 Prozent, eine Corona-Prämie von bis zu 600 Euro und eine Laufzeit des Tarifvertrags von 36 Monaten, wie aus Bahnkreisen verlautete.

"Wir erfüllen zentrale Forderungen der GDL", erklärte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler zu dem Angebot. "Es gibt jetzt erst recht keinen Grund mehr für einen fast einwöchigen Streik." Doch die GDL lehnte das Angebot der Bahn ab, die Arbeitsniederlegung der Lokführer startete wie geplant am Donnerstagmorgen um 2 Uhr.

Arbeitsgericht lehnt Verfügung gegen Lokführer-Streik ab

Das Arbeitsgericht Frankfurt lehnte am Donnerstagabend eine Einstweilige Verfügung ab, mit der die Bahn den Arbeitskampf stoppen wollte. Zuvor war der Versuch des Vorsitzenden Richters Volker Schulze gescheitert, mit einem Vergleich beide Seiten an den Verhandlungstisch zurückzuholen. Die GDL hatte es erneut abgelehnt, in Gespräche einzutreten, bevor nicht ihre sämtlichen Forderungen aus dem Mai erfüllt würden. 

Nach der Niederlage vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt ging die Deutsche Bahn in der nächsten Instanz gegen den Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) vor. Doch auch die Berufung blieb ohne Erfolg. 

"Wir waren uns bewusst, dass die Hürden in einem Eilverfahren sehr hoch liegen und dass das Streikrecht in Deutschland mit gutem Grund sehr geschützt ist", teilte die Sprecherin mit. "Dennoch sehen wir es als unsere Verantwortung, im Interesse unserer Kunden nichts unversucht zu lassen, den Streik zu beenden."

GDL-Chef Weselsky lehnt Angebot der Deutschen Bahn ab

Schon vor der vorigen Streikrunde in der vergangenen Woche hatte die bundeseigene Bahn eine Corona-Prämie in Aussicht gestellt und damit gehofft, den damaligen Arbeitskampf noch abwenden zu können. GDL-Chef Weselsky hatte den Vorstoß aber kurz darauf abgelehnt und unter anderem kritisiert, dass die Bahn keine konkrete Zahl genannt habe. Die nun angebotenen 600 Euro Prämie entsprechen der Forderung der Gewerkschaft.

Bei der Laufzeit eines Tarifvertrags will die GDL allerdings 29 Monate erreichen. Außerdem will sie, dass die erste Tarifstufe von 1,7 Prozent noch im laufenden Jahr gezahlt wird. Weselsky wies die neue Offerte am Montagmorgen zurück. "Der Streik geht weiter." Im ARD-"Morgenmagazin" beklagte er, die neue Offerte sei auch inhaltlich "nicht annehmbar". So enthalte sie für dieses Jahr eine Nullrunde.

GDL will fünf Tage lang streiken

Die Gewerkschaft hatte am Mittwochnachmittag (17 Uhr) mit dem Streik im Güterverkehr begonnen. Der Ausstand im Personenverkehr begann am Donnerstagmorgen (2. September, 2 Uhr) und soll bis Dienstag (7. September) um 2 Uhr andauern. 

Auch die S-Bahn München ist betroffen. Die Bahn will aber wie bei vergangenen Streiks einen Notfall-Plan erstellen. Bereits seit Montag (30. August) gilt die flexible Ticketnutzung. Seit dem 2. September soll es ein stabiles Grundangebot geben.

S-Bahn München fährt mindestens im Stundentakt

Die S-Bahn-Linien sollen mindestens im Stundentakt verkehren, auf mehreren Linienabschnitten auch alle 20 bis 40 Minuten. Die Bahn weist Fahrgäste darauf hin, regelmäßig die Fahrplanauskunft der Verbindung zu prüfen. Die Fahrplanänderungen im Detail – so verkehren die S-Bahnen am Donnerstag und Freitag:

  • Die S1 verkehrt im 20 bis 40 Minuten Takt und nur zwischen Leuchtenbergring und Freising (nicht bis zum Flughafen)
  • Die S2 verkehrt zwischen Dachau und Markt Schwaben alle 20 bis 40 Minuten, auf den übrigen Linienabschnitten im Stundentakt. (Haltausfälle in Poing und Heimstetten wegen planmäßiger Bauarbeiten)
  • Die S3 verkehrt zwischen Maisach und Ostbahnhof alle 20 bis 40 Minuten, auf den übrigen Linienabschnitten im Stundentakt
  • Die S4 verkehrt stündlich zwischen Geltendorf und Ostbahnhof sowie stündlich zwischen Buchenau und Grafing. Dadurch entsteht ein 20/40-Minuten-Takt zwischen Buchenau und Ostbahnhof
  • Die S6 verkehrt im Stundentakt. Gemeinsam mit der S4 besteht zwischen Ostbahnhof und Grafing ein 20/40-Minuten-Takt. (Der zwischen Trudering und Grafing Bahnhof für die S-Bahn geltende Baufahrplan wird vorübergehend außer Kraft gesetzt, die Busse des Schienenersatzverkehrs verkehren wie geplant.)
  • Die S7 verkehrt im Stundentakt. (Planmäßige Bauarbeiten mit SEV zwischen Hohenbrunn und Kreuzstraße)
  • Die S8 verkehrt zwischen Pasing und Flughafen im 20-Minuten-Takt, in den westlichen Außenabschnitten ab/bis Germering alle 20 bis 40 Minuten und ab/bis Herrsching alle 60 Minuten
  • Die S20 entfällt

DB: "Tarifvertrag lässt sich nicht diktieren"

"Es ist eine der längsten Arbeitskampfmaßnahmen, die wir durchführen, und zwar absichtlich“, sagte Weselsky am Montag. Und weiter: "Das einzige Mittel, den Konflikt zu lösen, ist die Vorlage eines verhandelbaren Angebots", sagte Weselsky. Das sei aber weit und breit nicht in Sicht. Unbefristete Streiks stünden derzeit allerdings noch nicht zur Debatte.

Die Bahn hält den dritten Streik hingegen für nicht gerechtfertigt. "Ein Tarifvertrag wird in Verhandlungen erzielt und lässt sich nicht diktieren", wird DB-Personalvorstand Martin Seller in einer Mitteilung vom Montag zitiert. "Wenn die GDL wirklich eine Lösung will, dann muss sie endlich an den Tisch kommen. Dieser erneute Streik bringt uns einem Tarifabschluss kein Stück näher. Der GDL-Spitze geht es ausschließlich darum, ihre Macht auszuweiten – und das zu Lasten der Reisenden und der Wirtschaft." Die DB habe ihr Angebot zuletzt weiter verbessert, man könne eine Einigung erzielen, sagte Seller.

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Auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt übt Kritik an GDL-Chef Claus Weselsky. Der "Bild" sagte er: "Der Ego-Trip von GDL-Chef Weselsky nervt gewaltig. Er soll sich gefälligst an den Verhandlungstisch setzen. Die Bahnreisenden und Pendler dermaßen in Mithaftung zu nehmen, kann man nur als ganz schlechten Stil bezeichnen."

Bereits zwei Streiks im August

Die GDL hatte zuletzt bereits zweimal mehrere Tage lang gestreikt. Erst Montag und Dienstag vergangener Woche hatte ein GDL-Streik zu Zugausfällen und -verspätungen geführt – auch in Bayern. Der Streik hatte 48 Stunden gedauert. Die erste Streikwelle begann am 11. August und dauerte bis zum 13. August.

Die GDL fordert eine höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen. Zudem will sie offensichtlich auch im Konkurrenzkampf mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), der größeren der beiden Bahn-Gewerkschaften punkten.

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