Street-Art-Ausstellung: Die Poesie der Straße

München war 1983 eine Wiege der Graffiti-Kunst - das zeigt ab heute die Street-Art-Ausstellung "Magic City".
| Eva von Steinburg
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Die Ausstellung "Magic City".
dpa 4 Die Ausstellung "Magic City".
Besucher in der 3D-Illusion „Seven Sins“ des Künstlers Leon Keer.
dpa 4 Besucher in der 3D-Illusion „Seven Sins“ des Künstlers Leon Keer.
„Dresden Gargoyle“ heißt diese Installation.
dpa 4 „Dresden Gargoyle“ heißt diese Installation.
Das dreht sich rasant: die Karussel-Installation des Künstlers „Olek“.
dpa 4 Das dreht sich rasant: die Karussel-Installation des Künstlers „Olek“.

München - Für die einen ist sie pure Sachbeschädigung: Die wilde, flüchtige, oft illegale Kunst von Graffiti-Sprayern und Street-Art-Künstlern.

Die inspirierende, auch politische, ironisch-witzige, unerwartete und geheimnisvolle Straßenkunst "Street Art" ist stets im Wandel. Sie überrascht, reißt Menschen aus ihrem Alltag. Ihre grellen Farben beleben, die Figuren schrecken auf - spornen zum Nachdenken an.

"Etwas im öffentlichen Raum zu gestalten birgt Faszination aber auch ein gewisses Maß an Wagnis", sagt der Münchner Graffiti-Pionier Loomit. Kein Wunder, dass die Jugend Street Art liebt. Darauf spekuliert auch die Ausstellung "Magic City, die Kunst der Straße", die morgen in der kleinen Olympiahalle eröffnet.

Künstler Loomit zeigt darin sein 3-D-artiges Werk "Dickhäuter", mit einem fliegenden Elefanten in Regenbogenfarben. Rund 40 weitere Street-Art-Künstler sind vertreten. Für Schülergruppen und Interessierte gibt es Workshops.
Der Franzose "Blek le Rat" macht in Paris mit Ratten-Wandkunst auf soziale Probleme aufmerksam. Er stellt hier aus. Von Banksy aus Großbritannien – mit diesem politischen Star der Szene wirbt "Magic City" – sind lediglich zwei kleine Rattenportraits auf Papier zu sehen.

"Die Züge gehören uns" war das Motto der Münchner Sprayer

München gilt übrigens als eine Wiege der Graffiti-Kunst: "Die Züge gehören uns" - dieser gesprayte Schriftzug steht als Motto über der wilden, frühen Münchner Szene. 1982 besprüht "Ray" als erster hier einen Güterwagon. Die damaligen Flohmarkthallen an der Dachauer Straße bieten der Szene eine legale Spielwiese. Astrid Weindl (62) vom städtischen Kulturzentrum "Färberei" fördert die Sprayer: "Ich war von Anfang an verliebt in Graffiti. München war zentral. Ich habe Flächen organisiert. Von hier haben sich viele gute Leute aufgemacht in die Welt", sagt sie heute.

Loomit oder Z-Rock gehören dazu – auch der Sprayer "Won ABC2. Früher als kleiner Vandale und Schmierer verschrien, ist er in der "Magic-City"-Stadt mit einem blauen "Mural" vertreten: Es hat eine spektakuläre Höhe und heißt "blaue Stadt", drüber trohnt ein Polizist. Sein Münchner Sprüher-Freund Akim, erinnert sich noch gut an spektakuläre Aktionen, ohne Genehmigung: Nach vielen Scharmützeln mit der Polizei hat Won ABC wegen der Bemalung von 15 S-Bahn-Zügen eine Bewährungsstrafe erhalten.

Bis 3. September ist die Ausstellung "Magic City" in der kleinen Olympiahalle zu sehen. Ein scharfer Kritiker ist Sebastian Pohl: "Wir nennen das Projekt Tragic City. Für Street Art sollte man nicht 14 Euro Eintritt zahlen. Und es gibt leider kaum politische Kunst."

Was Straßenkunst ihm persönlich bringt, erklärt Akim: "Street Art bringt Menschen zusammen. Das ist Fun und Völkerverständigung. Ich fahre nach China, treffe dort Künstler und wir vereinbaren. Kommt, lasst uns eine Wand zusammen machen!"


Infos zu Öffnungszeiten und Workshops: www.magiccity.art, www.faerberei.de

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