Stolpersteine erinnern an die Münchner Familie Rosenfeld im Gärtnerplatzviertel

Vier goldglänzende Gedenksteine sind seit Freitag vor dem lachsfarbenen Altbau in der Buttermelcherstraße 4 im Pflaster vor der Fassade versenkt. Die sogenannten Stolpersteine sind eine Erinnerung daran, dass in diesem Haus im Gärtnerplatzviertel 25 Jahre lang eine jüdische Familie wohnte – bis 1938. Es waren Moritz Rosenfeld, seine Frau Maximiliane (geborene Pappenheimer) und ihre beiden Töchter Beate und Hildegard. Ihre Namen und Daten sind in Handarbeit in die rund zehn Zentimeter breiten Messingplatten gehauen.
Junger Lehrer im Ersten Weltkrieg
Moritz Rosenfeld (*1879) wurde nach seiner Lehrerausbildung und dem Armeedienst im Ersten Weltkrieg Schulleiter an der jüdischen Münchner Volksschule in der Herzog-Rudolf-Straße. Er war auch Schriftführer des Israelitischen Lehrervereins Bayern. Nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 verhafteten ihn die Nazis und verschleppten ihn ins KZ Dachau. Schwer misshandelt starb er am 3. September 1939.

Flucht nach Bolivien
Seiner Frau Maximiliane (*1886) gelang die Flucht nach Bolivien. Später zog sie zu ihren Töchtern nach Israel, sie starb 1958 in Ramat-Gan. Tochter Beate (*1908) ging am Münchner Luisengymnasium zur Schule, studierte Philosophie in Breslau und promovierte 1934. Mit ihrer Schwester Hildegard (*1909), einer Kindergärtnerin, gelang ihr die Emigration nach Palästina.
"Die Geschichte der geachteten Familie Rosenfeld zeigt die Tragödie der Münchner Juden," sagte Terry Swartzberg von der Initiative Stolpersteine für München bei der Gedenkfeier. Die Gegend um den Gärtnerplatz sei bis 1933 ein jüdisches Viertel gewesen. "Im Stadtbezirk Ludwigs-/Isarvorstadt haben in 900 Wohnungen und Geschäften 2000 Jüdinnen und Juden gelebt und gearbeitet."

"Wir handeln für die Menschen, die heute Schutz brauchen"
Heute gehört das Haus an der Buttermelcherstraße 4 Dietmar Holzapfel und Sepp Satter, den Wirten der nur wenige Meter entfernten Hotelgastronomie Deutsche Eiche. Dass die Rosenfelds dort einst gewohnt haben, habe er erst kürzlich erfahren, sagt Holzapfel – und als schwuler Mann habe er sofort zugestimmt, dass vor dem Gebäude Gedenksteine angebracht werden.
"Als Mitglied einer Minderheit, die mit 200.000 Opfern unter der Schreckensherrschaft der Nazis sehr zu leiden hatte, bin ich für das Bedürfnis, zu gedenken, sensibilisiert", sagte er. "Wenn wir der Opfer von damals gedenken, handeln wir für die Menschen, die heute unsere Anteilnahme und unseren Schutz brauchen."
440 Stolpersteine in München
Mit den vier neuen Gedenksteinen seien es nun insgesamt 440 Stolpersteine in München, sagt Swartzberg. "440 Menschen, die wir aus der Vergessenheit gerettet haben."
Stolpersteine werden in München nur auf staatlichem oder privatem Grund verlegt. Denn Charlotte Knobloch (93), die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, die den NS-Terror in München als Kind miterlebte, plädiert für Erinnerungstafeln auf Augenhöhe an Wänden anstatt auf dem Boden.
Eine Idee des Künstlers Gunter Demnig
Initiator der goldglänzenden Gedenksteine ist der Künstler Gunter Demnig, der die Idee zu den Kunst-Denkmälern schon 1992 hatte. Inzwischen sind über 116.000 Stolpersteine in 31 Ländern Europas verlegt. In München sollen im Sommer und Herbst weitere Verlegungen folgen.