"Lassen uns nicht abspeisen": Bündnis "Stadt für Alle" fordert mehr Klimaschutz in München
Man muss eher fragen, wer nicht da ist an diesem Dienstag um 11 Uhr am Marienplatz. Da hat das Bündnis "Stadt für Alle" sich vorgenommen, dem Stadtrat seine Forderungen zu übergeben. Und die Fraktionen sind alle gekommen – zumindest alle, die dem demokratischen Spektrum zuzurechnen sind.
Bündnis "Stadt für Alle": Symbolisches Sterben auf dem Marienplatz
Sauber aufgereiht vor einem kleinen Pflanztrog-Stadtwäldchen stehen die Stadträte und Stadtpolitiker da und schauen zunächst dem durch-choreografierten Spektakel zu, das sich das Bündnis "Stadt für Alle" überlegt hat, um ihr Anliegen in Tanztheater-Form noch zu untermalen.

Eine Biene, ein Pinguin, ein Känguruh, ein Bär und ein bunter Vogel tanzen fröhlich, werden dann aber symbolisch gemeuchelt von einem Mann, der Pappen mit Bildern von Hochhäusern und Staustraßen hochhält. Das Münchner Kindl ist geschockt. Doch ein eilig dazu geschobenes KI-Bild von begrünten Straßenzügen und Hochbeeten lässt die toten Tiere wieder auferstehen. Das Münchner Kindl frohlockt.

"Heilsbringer war das Münchner Kindl"
"Wir wollten auch ein bisschen unterhalten und bebildern was passiert, wenn man nicht dagegen angeht", sagt Martin Ulm von Extinction Rebellion, der Mann im Bärenkostüm. Darum hätten sie dieses sogenannte "Die-In" inszeniert. "Heilsbringer war das Münchner Kindl, das die Empfehlungen für die Stadt auch übergeben hat", sagt Ulm.

Über 80 Münchner Initiativen sind bei "Stadt für Alle" dabei, viele davon aus dem Klimaschutzbereich wie zum Beispiel Green City, das Netzwerk Klimaherbst oder der BUND. Aber auch zum Beispiel die Supermarktkette "Vollcorner" oder die Aktivisten von "Extinction Rebellion".
Forderungen an die Stadt München in sechs Bereichen
Sie haben konkrete Forderungen an die Stadt in sechs Bereichen: "Sie sind alle praxisnah, auf der kommunalen Ebene umsetzbar und sie verbinden konsequent Klimaschutz mit sozialer Gerechtigkeit", sagt Bündnis-Sprecherin Helena Geißler an die Stadtpolitiker gerichtet. Einige davon dürften den Stadträten auch aus ihren Koalitionsverträgen der letzten Jahre bekannt vorkommen.

Konkret fordert das Bündnis: Bestehender Wohnraum soll erhalten bleiben und Leerstand beendet werden, die Stadt soll klimaresilienter werden, also mit mehr Bäumen, Superblocks in allen Vierteln und mehr Abkühlung im Sommer. Außerdem fordern sie unter anderem eine Solardachpflicht, keine Neubauten auf Grünflächen, mehr Bio- und regionale Lebensmittel und natürlich mehr Radwege, einen besseren und günstigeren ÖPNV – und zuletzt: den Boulevard Sonnenstraße mit mehr Grün und weniger Autos.

Nach der Übergabe der Forderungen, die etwas von einer öffentlichen Zeugnisübergabe an eine nicht ganz so erfolgreiche Schulklasse hat, packt das Bündnis aber gleich gemeinsam mit den Stadträten an. Es werden die Schaufeln gepackt, um symbolisch die ersten Erdhaufen für mehr Baumpflanzungen zu bewegen.
"Lassen uns nicht mit Knappe-Kasse-Argument abspeisen"
"Dadurch, dass wir so ein breites Bündnis sind, haben wir schon erwartet, dass wir ein bisschen Aufmerksamkeit erzeugen", sagt Geißler zur AZ. "Und dass wir auch nicht überhört werden können." In knapp einem Monat ist die Kommunalwahl, das Bündnis will auch danach weiter Druck machen. Es gibt viele Organisationen und viele Menschen in München, die immer noch für Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit sind", sagt Geißler. "Die lassen sich nicht mit dem Knappe-Kasse-Argument abspeisen."
Neben den Forderungen hat das Bündnis "Stadt für Alle" auch einen Wahlcheck gemacht, in dem die Positionen der verschiedenen Parteien zu ihren Forderungen dargestellt werden.
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