Stephan Zinner: Vom Eberhofer-Metzger zum Nockherberg-Derblecker

Vom Eberhofer-Metzger zum Nockherberg-Derblecker: Stephan Zinner, bekannt aus Kino, TV und Kabarett, übernimmt als prominenter Fastenredner die Bühne. Warum der Münchner Allrounder als erste Wahl gilt und wie er Tradition und Starbonus verbindet.
von  Ruth Frömmer
Stephan Zinner steht auch mal solo auf der Bühne – zuletzt mit dem Programm "Der Teufel, das Mädchen, der Blues und ich".
Stephan Zinner steht auch mal solo auf der Bühne – zuletzt mit dem Programm "Der Teufel, das Mädchen, der Blues und ich". © IMAGO/Klaus Rainer Krieger

Mit Stephan Zinner steht zum ersten Mal seit Jahren wieder ein regelrechter Promi als Derblecker auf der Nockherberg-Bühne. Seine Vorgänger und seine Vorgängerin der letzten 20 Jahre (Bruno Jonas, Django Asül, Michael Lerchenberg, Luise Kinseher und Maxi Schafroth) waren vor ihrer Zeit als Fastenredner nur dem interessierten Kabarett-Publikum ein Begriff. Stephan Zinner ist zwar ebenfalls Kabarettist, aber er hat sich schon als Kino- und Fernsehstar einen Namen gemacht.

1974 in Trostberg geboren, strebte er bald eine Karriere als Schauspieler an. Er besuchte die Münchner Schauspielschule Zerboni und war später Ensemblemitglied im Salzburger Landestheater und bei den Münchner Kammerspielen. Schon früh wirkte er bei unterschiedlichen Kinofilmen mit, zum Beispiel in mehreren Filmen von Marcus H. Rosenmüller ("Beste Zeit", "Räuber Kneißl", "Die Perlmutterfarbe") oder in Ralf Westhoffs Speed-Dating-Film "Shoppen".

Von Pfarrer über Kommissar bis Metzger

Dem Fernsehpublikum wurde er durch sein Mitwirken in Formaten wie Tatort, Rosenheim Cops oder die Bergretter bekannt. Den Durchbruch schaffte er schließlich als Metzger in den erfolgreichen Eberhofer-Krimis ("Dampfnudelblues", "Leberkäsjunkie" oder "Rehragout-Rendezvous"). Aktuell ist Zinner als Ermittler im Münchner Polizeiruf 110 zu sehen. Seine Premiere als Pfarrer feierte er im BR-Sechsteiler "Himmel, Herrgott, Sakrament".

Zinner in seiner Rolle als Metzger Simmerl (rechts) im Eberhofer-Krimi "Guglhupfgeschwader" mit seinen Spezln aus dem fiktiven Niederkaltenkirchen – dem Dorfpolizist Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel, links) und Wirt Wolfi (Max Schmidt).
Zinner in seiner Rolle als Metzger Simmerl (rechts) im Eberhofer-Krimi "Guglhupfgeschwader" mit seinen Spezln aus dem fiktiven Niederkaltenkirchen – dem Dorfpolizist Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel, links) und Wirt Wolfi (Max Schmidt). © dpa/Bernd Schuller

Neben der Schauspielerei ist die Musik seine zweite Leidenschaft. Mit Kollegen wie Stefan Leonhardsberger oder Hannes Ringlstetter steht er regelmäßig für musikalische Lesungen auf der Bühne. Zuletzt tourte er mit Letzterem mit dem Programm "2 Typen, 2 Gitarren, 2 Bücher" durch Deutschland.

Privat hat er immer schon gerne Folk, Countrymusik und auch Blues gehört, erzählt er der Kollegin in einem Interview 2018. Übrigens genauso, dass er ein so guter Schinkennudel-Koch sei, dass ihm das quasi mit verbundenen Augen von der Hand ginge. Auf Nachfrage nimmt er das damals lachend zurück.

Geschichten zwischen Bühne, Baumarkt und Familientisch

Aber Zinner steht auch solo auf der Bühne, zuletzt mit dem Programm "Der Teufel, das Mädchen, der Blues und ich".

Im Heyne-Verlag ist sein Buch "Prachtexemplar" erschienen, eine Sammlung von Geschichten zwischen Bühne, Baumarkt und Familientisch, die sich mit den Kuriositäten des Alltags befassen. Darin ist viel über sein Leben mit Frau und Kindern in München zu lesen.

Erste Wahl auf dem Nockherberg

Den Nockherberg kennt Stephan Zinner bestens. Stolze 15 Jahre lang (2004 bis 2019) schlüpfte er dort im Singspiel in die Rolle des Markus Söder. Als sich die Paulaner-Brauerei vom Fastenredner Maxi Schafroth trennte, sei er die erste Wahl gewesen, wie eine Sprecherin damals mitteilte. Lange überlegt habe er nicht, sagte Zinner daraufhin zur AZ. Schließlich komme so eine Chance nur einmal im Leben.

Vor 20 Jahren: Markus Söder (r.), damals noch Generalsekretär der CSU, stößt im  März 2006 Starkbieranstich mit seinem Double an: Stephan Zinner.
Vor 20 Jahren: Markus Söder (r.), damals noch Generalsekretär der CSU, stößt im März 2006 Starkbieranstich mit seinem Double an: Stephan Zinner. © dpa/Peter Kneffel

Den Wunsch der Brauerei nach einer traditionelleren Fastenrede, ohne größere Musikeinlagen oder Ähnliches, werde er erfüllen. Sogar auf ein Kostüm verzichtet der Schauspieler. Er bedient sich einfach aus seinem Kleiderschrank. Die Verkleidung überlässt er lieber seinen Schauspieler-Kollegen im Singspiel. Die Prognosen sind bestens. Gut möglich, dass es nicht beim ersten Mal bleiben wird.

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