Stefan-Schörghuber-Preis: Geldsegen für zwei Münchner Bildungsprojekte
Fördergelder von Stadt und Staat für soziale Projekte bekommen? Das ist nicht leicht in Zeiten klammer Haushaltskassen. Kein Wunder also, dass sich heuer gleich 186 gemeinnützige Organisationen aus der ganzen Republik um den begehrten "Stefan Schörghuber Preis“ beworben haben, den die Stefan-Schörghuber-Stiftung zum zweiten Mal vergeben hat – mit einem großzügigen Preisgeld von insgesamt 150.000 Euro.
Alle Bewerber haben eins gemeinsam: Sie kümmern sich darum, dass Menschen in schwieriger Lebenslage, die keinen Job haben, einen beruflichen Neustart schaffen – das passte zum Jahresmotto ("Neu beginnen. Chancen nutzen“) fürs Preisgeld in diesem Jahr.
Am Donnerstagabend hat die Stiftung im Paulaner am Nockherberg nun vier Preisträger bei einem Festakt ausgezeichnet. Darunter sind zwei Organisationen aus München: der Suchthilfeverein Prop, dessen Arbeitsberatung/-vermittlung (Abv) 25.000 Euro Preisgeld bekommt. Und die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. mit ihrem Ausbildungsprojekt "Helfen Können“ (18.000 Euro).
Die beiden weiteren Preisgelder gehen nach Dresden und Berlin – an die Bildungsberatung der Dresdner Volkshochschule und die Berliner Netzwerk Chancen NC gGmbH.

"Wir möchten Menschen sichtbar machen"
Warum die Stefan-Schörghuber-Stiftung diesen Preis verleiht? "Wir möchten Menschen sichtbar machen, die Brücken bauen zwischen einer schwierigen Vergangenheit und einer selbstbestimmten Zukunft“, sagt Florian Schörghuber, der dem Stiftungsrat angehört.
Zu diesen Menschen gehören definitiv die vier Münchner Berater und Sozialpädagoginnen der Arbeitsberatung und Arbeitsvermittlung von Prop. Der Suchthilfeverein berät seit über 30 Jahren Menschen, die wegen Alkohol-, Drogen-, Glücksspielsucht, Essstörungen oder anderen psychischen Erkrankungen in Behandlung sind. Und die eine Arbeitsstelle finden oder in einen Job zurückkehren wollen.
Promovierte und Menschen, die im Gefängnis waren
Bis zu 350 Männer und Frauen pro Jahr kommen ins Job-Coaching, berichtet Projektleiter Philip Gürtler der AZ. "Die Bandbreite ist groß, von Promovierten bis zu Menschen, die zuvor 20 Jahre im Gefängnis waren.“ Ein Drittel der Klienten schaffe es danach in ein normales Beschäftigungsverhältnis, sagt er, einem weiteren Drittel gelinge es, einen Job auf dem zweiten Arbeitsmarkt zu finden, etwa bei einer gemeinnützigen Tätigkeit oder in einer Weiterbildung.
"Das Ergebnis ist richtig toll“, sagt Gürtler. Mit dem Preisgeld könne Prop nun digitale Angebote ausbauen und noch mehr Zielgruppen erreichen.

Langzeitarbeitslose werden Sanitätshelfer
Die Johanniter-Unfall-Hilfe bildet an ihrer Akademie am Campus in Obersendling seit 2018 jedes Jahr rund 50 Menschen, die langzeitarbeitslos sind oder eine Flucht- oder Migrationsgeschichte haben, zu Sanitätshelferinnen und -helfern oder zu Pflegehelfern aus. Jeweils fünf Monate dauern die Teilzeitkurse, an deren Ende ein Abschlusszertifikat steht. Vier Fachdozenten und Sozialpädagogen kümmern sich dabei um die Azubis und unterstützen auch mit Sprachförderung und sozialpädagogischer Betreuung, erklärt Projektleiterin Anja Feichter der AZ.
"In den letzten Jahren hat die Hälfte unserer Auszubildenden nach dem Kurs eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen, teils im Sanitäts- und Pflegedienst, teils auch woanders. Das ist ein großer Erfolg." Das Preisgeld stelle nun sicher, dass die sozialpädagogische Betreuung sicher weiterlaufen kann.
Gedenken an den Ehemann und Vater
In der Jury saßen neben Alexandra Schörghuber und ihren Kindern Stefanie Rieger, Michaela und Florian Schörghuber auch TUM-Präsident Thomas Hofmann und Handwerkskammerpräsident Franz Xaver Peteranderl. Die gemeinnützige Stefan-Schörghuber-Stiftung hatte Alexandra Schörghuber 2019 mit ihren Kindern gegründet – zum Gedenken an ihren Ehemann und Vater Stefan Schörghuber. Der Münchner Bau- und Brau-Löwe (Paulaner, Bayerische Hausbau, Arabella-Hotels) war 2008 mit nur 47 Jahren an Herzversagen gestorben. Heute führt sein Sohn Florian Schörghuber die Schörghuber Gruppe.
Wie das Preis-Motto für 2027 lauten wird, gibt die Stiftung Anfang nächsten Jahres auf www.stefanschoerghuberpreis.de bekannt.
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