Isar-Brücken marode: Es wird teuer und langwierig
Zahlreiche Brücken in München sind marode. Darüber hat die AZ bereits mehrfach berichtet. Nun werden die Pläne für zwei bekannte Isarbrücken konkreter. Der Stadtrat soll nächste Woche im Bauausschuss entscheiden. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass sich die Mango-Koalition gar nicht einig ist.
Bekommt die Wittelsbacherbrücke breitere Radwege?
Die 1905 erbaute Wittelsbacherbrücke über die Isar muss dringend saniert werden. "Bauwerksprüfungen ergaben erhebliche Schäden", heißt es in der Beschlussvorlage aus dem Baureferat. Unter anderem ist der Beton beschädigt. Auch dass das Abwasser von der Brücke in die Isar läuft, ist eigentlich nicht mehr zulässig.
Dass die Stadt die Brücke reparieren muss – darüber dürfte es im Stadtrat keine ernsthaften Debatten geben. Der Streitpunkt ist ein anderer: Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer (Grüne) schlägt eine neue Aufteilung der Brücke vor. Auf beiden Seiten sollen 2,30 Meter breite Radwege entstehen. Dafür soll eine Auto-Fahrspur stadteinwärts entfallen.
Für den Busverkehr soll es zumindest stadteinwärts einen extra Fahrstreifen geben. Stadtauswärts ist nur eine Fahrspur geplant, die sich Busse und Autos teilen sollen.
CSU: "Rückstau bis Untergiesing"
Die CSU lehnt diesen Vorschlag ab. "Der Rückstau wird bis Untergiesing reichen", sagt CSU-Stadtrat Andreas Babor. "Ausbaden müssen diese ideologiegetriebene Politik die Menschen, die im Stau stehen und die Anwohner, die den Stau und die Umweltbelastung vor der Haustür aushalten müssen."

Doch nicht nur die Opposition sieht den Vorschlag kritisch. Auch SPD-Chefin Anne Hübner hat noch Diskussionsbedarf: "Nicht alle Isarbrücken dürfen ihre Leistungskraft für den Autoverkehr verlieren. Die Ludwigsbrücken sind bereits einspurig." Und auch wenn sich dort viele Radfahrer und Fußgänger über mehr Platz freuen, dürften doch auch einige Autofahrer fluchen, wenn sie auf der Ludwigsbrücke im Stau stehen.
Zwei Jahre soll es dauern
Die Grünen wiederum stehen hinter dem Vorschlag ihrer Referentin. Denn schließlich seien insbesondere in den Sommermonaten außerordentlich viele Radler und Fußgänger auf der Wittelsbacherbrücke unterwegs, meint Grünen-Stadtrat Florian Schönemann.
Er sagt außerdem: "Uns ist wichtig, dass alle, die diese Brücke queren, das auch sicher tun können." Dafür sei eine bessere Trennung zwischen Fuß- und Radverkehr notwendig – auf der Brücke, aber auch an den Kreuzungen.
Doch noch ein weiteres Problem gibt es: In der Variante, die die Verwaltung am liebsten umsetzen würde, sind Radfahrer und Fußgänger auf einer Ebene unterwegs – was laut der Beschlussvorlage eine höhere Brüstung nötig macht. Nämlich 1,30 statt wie heute ein Meter. Ob da der Denkmalschutz einverstanden ist? Laut der Vorlage ist das fraglich. Auch die Kosten stehen noch nicht fest.
Ein paar Jahre bleiben noch, um diese Fragen zu klären. Baubeginn soll 2030 sein. Die Bauzeit soll zwei Jahre dauern. Die Verwaltung schlägt vor, in dieser Zeit die Brücke teilweise für Autos und Busse zu sperren. Behelfsbrücken sind nicht geplant. Der Verkehr wird also auf andere Brücken ausweichen müssen.
40 Millionen Euro soll die Sanierung der Thalkirchner Brücke kosten
Unbedingt vermeiden will die Stadt deshalb, dass gleichzeitig die Thalkirchner Brücke saniert wird. Über diese Maßnahme entscheidet der Stadtrat ebenfalls nächste Woche. 40 Millionen Euro veranschlagt das Rathaus für die Sanierung. Baubeginn soll 2028 sein. Nach zwei Jahren soll alles fertig sein. Während der Bauzeit wird die Brücke voraussichtlich für den Autoverkehr gesperrt.

"Wichtig ist uns, dass die Sperrung der Thalkirchner Brücke so kurz wie möglich gehalten wird und dass auf keinen Fall beide Brücken gleichzeitig lahmgelegt werden", sagt CSU-Stadtrat Babor. "Die Querung von Rettungskräften über die Isar muss ohne erhebliche Zeitverzögerung gewährleistet sein." Der Umbau der Wittelsbacherbrücke darf also erst beginnen, wenn die Thalkirchner Brücke fertig ist, fordert Babor.
Dann wird es auch hier für Radfahrer und Fußgänger besser. Denn die Thalkirchner Brücke wird verbreitert, dadurch entsteht Platz für getrennte Fuß- und Radwege.
Übrigens: Wenn das alles geschafft ist, steht schon die nächste Brücken-Sanierung bevor. Die Brudermühlbrücke steht laut der Beschlussvorlage 2033 an.
Keine Radbrücke zum Olympiapark
Und nicht nur über Brücken-Sanierungen diskutiert der Stadtrat nächste Woche. Er wird sich voraussichtlich auch von einem Brücken-Neubau endgültig verabschieden: Das Rathaus hatte eine Rad-Brücke über die Schwere-Reiter-Straße prüfen lassen.
Auf dieser Brücke (zwischen Heß- und Emma-Ihrer-Straße) sollten Radfahrer und Fußgänger möglichst schnell vom Kreativquartier in den Olympiapark kommen. Doch nun rät die Verwaltung in einer Beschlussvorlage dazu, die Pläne nicht mehr weiter zu verfolgen. Ein Grund sind die Kosten von bis zu 20 Millionen Euro.
"Ich kann verstehen, dass man darauf verzichtet", sagt sogar Katharina Horn von der Linken, die einst als Sprecherin des Radentscheids diese Brücke gefordert hatte. Wichtig sei, dann für Radfahrer und Fußgänger die Querung auf der Straße zu verbessern. Denn noch sei es zu unklar, wie man von der Heßstraße in den Olympiapark kommt, findet Horn.
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