Zum Ersten, zum Zweiten, Umzug! Auktionshaus Nusser muss aus Schwabing weg

Nach mehr als 30 Jahren am Schwabinger Elisabethplatz zieht das Auktionshaus Nusser um nach Nymphenburg.
| Marie Heßlinger
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Christiane Pelikan, eine Mitarbeiterin des Auktionshauses, zeigt eines der Gemälde, die versteigert werden.
Christiane Pelikan, eine Mitarbeiterin des Auktionshauses, zeigt eines der Gemälde, die versteigert werden. © Daniel von Loeper

Schwabing - Waltraud Krätzler sitzt hinter Marmortreppen und hohen Fenstern, zwischen Umzugskartons und Gemälden. "Ich hatte die Wahl zwischen Pest und Cholera", sagt die Frau, die in einem Alter ist, in dem andere schon längst in Ruhestand sind.

Krätzler aber ist es nicht. Die Antiquitätenhändlerin hat von ihrer verstorbenen Freundin Ursula Nusser das Auktionshaus Nusser geerbt. Kurz vor deren Tod im April 2020 hatte der Vermieter ihr Mietverhältnis am Elisabethplatz in Schwabing auslaufen lassen. "Ich hatte die Wahl zwischen aufhören und traurig sein oder weitermachen und viel Ärger haben", sagt Krätzler und lacht.

Auktionshaus Nusser zieht nach Neuhausen

Sie hat sich für Letzteres entschieden und sich über Monate hinweg mehr als 30 Immobilien angeschaut. Am Ende fand sie etwas Passendes: ein denkmalgeschütztes Haus an der Nymphenburger Straße in Neuhausen. Vergangenen Freitag ist das Team des Auktionshauses Nusser mitsamt seinen Sammelstücken umgezogen.

Repräsentativ: der neue Standort an der Nymphenburger Straße.
Repräsentativ: der neue Standort an der Nymphenburger Straße. © Daniel von Loeper

Das helle Gebäude versteckt sich in einer Hofeinfahrt unweit der U-Bahnhaltestelle Mailingerstraße. In ein paar Wochen sollen Hinweisschilder und Fähnchen darauf aufmerksam machen. An Nussers altem Standort in Schwabing waren Hinweisschilder mitnichten nötig.

Gegründet wurde das Auktionshaus in einem "Kellerloch"

Ursula Nusser gründete ihr Aktionshaus 1984 in einem "Kellerloch" in Schwabing, erinnern sich ihre Mitarbeiter. Fünf Jahre später aber schon war sie erfolgreich und zog mit ihrem Unternehmen direkt an den Elisabethplatz. In den Räumen einer ehemaligen Bank wurde nun versteigert statt gehortet, die Schaufenster luden Passanten zum Eintreten ein.

"Sie war so eine anziehende Person", erinnert sich Krätzler an ihre verstorbene Freundin, "sie konnte mit jedem." Mit ihrer Herzlichkeit und ihrem Humor habe sie viele Menschen für ihre Auktionen begeistert.

In der Nordendstraße war jahrzehntelang der Standort des Auktionshauses, nun ist hier alles geschlossen.
In der Nordendstraße war jahrzehntelang der Standort des Auktionshauses, nun ist hier alles geschlossen. © Daniel von Loeper

Krätzler führt in den Auktionsraum des neuen Gebäudes. Zwischen Kartons stehen herrschaftliche Sessel und pompöse Schränke, verschnörkelte Kommoden und samtüberzogene Stühle. Ein riesiges Gemälde lehnt an der Wand, ein Kronleuchter liegt auf einem Karton. All diese Gegenstände sind der Nachlass eines Menschen. In den kommenden Monaten sollen sie versteigert werden.

Anders als andere Auktionshäuser hat sich Nusser nicht auf eine Kategorie spezialisiert - beispielsweise nur Gemälde, oder ausschließlich Möbel, sondern im Auktionshaus Nusser arbeiten Sachbearbeiter für Kunst und für Möbel, für Porzellan und für Schmuck. Insgesamt 15 Mitarbeiter sind es an der Zahl. Eine Zigarre des ehemaligen Bundeskanzlers Ludwig Erhard zählte ebenso zu ihren kuriosen Verkäufen wie ein Kleid der Schauspiel- und Stilikone Marilyn Monroe.

Außerdem versteigert das Auktionshaus Nusser nicht bloß Wertgegenstände für mehrere Tausend Euro, sondern auch Möbel oder Kunstgrafiken im Wert von nur 100 oder 200 Euro. Auch Studierende zählen daher zu Nussers Kunden.

Auch Gegenstände, die etwas kurioser sind, befinden sich im Bestand, zum Beispiel diese goldfarbene Kini-Büste.
Auch Gegenstände, die etwas kurioser sind, befinden sich im Bestand, zum Beispiel diese goldfarbene Kini-Büste. © Daniel von Loeper

So läuft eine Auktion im Auktionshaus Nusser

Eine Auktion läuft dann wie folgt ab: Schon einige Tage vor einer Versteigerung - die alle sechs Wochen dienstags stattfindet - sind die Verkaufsgegenstände online zu finden und lassen sich an den Wochenenden vor Auktionsbeginn betrachten.

Zu den Auftraggebern des Auktionshauses Nusser zählen Sammler, die ihre Stücke verkaufen wollen ebenso wie Hinterbliebene von Verstorbenen, die das Auktionshaus beauftragt haben, ihren Nachlass zu versteigern. Mit dem Auktionshaus haben sie einen Mindestpreis vereinbart, für den jedes Objekt verkauft werden soll.

Ist im Auktionsraum dann nur eine Person an einem bestimmten Gegenstand interessiert, bekommt sie diesen für den Mindestpreis und macht damit ein Schnäppchen: "Es wird alles unter dem Marktpreis angeboten", sagt Krätzler.

Sind jedoch mehrere Personen an einem Objekt interessiert, können sie sich in ihren Preisvorschlägen schnell in große Höhen steigern. Auch online und am Telefon können sie mitbieten. Manchmal dauern die Auktionen von 15 Uhr bis spät in die Nacht.

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"Man muss schon ein bisschen Zockermentalität haben", sagt Krätzler über die Bieter und lacht. Sie selbst hat ihre verstorbene Freundin bei einer Versteigerung in Schwabing kennengelernt. Viele der Menschen, die an einer Auktion teilnähmen, hätten zudem viel Sinn für Ästhetik und Kunst.

Krätzler will das Auktionshaus Nusser ganz im Sinne Ursula Nussers weiterführen. Ihrer Freundin, vermutet sie, hätte der Neuanfang in Neuhausen bestimmt gefallen. Die Räume sind ruhig und hell, die Lage ist zwar versteckter, aber dennoch zentral. Und vor der Türe kann man parken.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Neuhauser und Nymphenburger ihre Kunstaffinität und Versteigerungsfreude genauso entdecken wie einst die Schwabinger vor 37 Jahren. Am 28. September wird sich das zeigen: Da ist die erste Nusser-Auktion in der Nymphenburger Straße 86.

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