Verfall gestoppt: jetzt kurz Kunst, dann Büros und ein Museum

 Nach jahrzehntelangem Verfall belebt sich das alte Isartalbahngelände gleich hinterm Maria-Einsiedel-Bad wieder. Erst einmal ist hier ein Kunstareal.
| Adrian Prechtel
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Nach Jahrzehnte langem Verfall belebt sich das alte Isartalbahngelände an der Benediktbeuererstraße wieder. Gleich hinterm Maria-Einsiedel-Bad ist jetzt erst einmal ein Kunstareal.

Thalkirchen - Lange rottete das Industriedenkmal vor sich hin: zwischen Maria-Einsiedel-Bad und Isarhang waren der Lokschuppen und Betriebsgebäude der Isartalbahn. Vor 125 Jahren verkehrte sie zwischen der heutigen Goßmarkthalle und Bichl in Oberbayern. Erst kurz vor der Aufnahme des S-Bahnbetriebs 1972 wurde die Isartalbahn endgültig eingestellt.

Jetzt entsteht ein Kunstareal - bis März

Denkmalschützende Sicherungsarbeiten haben begonnen. Bis zum Baubeginn hat er das verwilderte Areal einem Künstler und Kurator anvertraut: Christoph Nicolaus. Er hat für die schon fünfte „Kunst im Bau“-Aktion 40 Künstler oder Kunst-Teams ausgesucht, die jetzt die vier Hallen bespielen. Ab Samstagabend sind die Hallen öffentlich zu besuchen.

Vier Hallen, vierzig Künstler ud Gruppen in zwei Phasen

Mitten in der großen vierten Halle unter der großen Deckenwölbung steht eine von innen hell leuchtender Würfel aus milchig-durchsichtigen Plastikplanen. Wie ein grünes Treibhaus im Raum bildet er den Lebensraum für Baumfarne und Hummeln, und hier wohnt – in seinem Kunstobjekt – auch der Künstler Marcus Kaiser selbst. In der Nachbarhalle 3 ist die „Kulturjurte“ untergebracht: ein aufklärerischer Aktionsraum, der über Nachhaltigkeit, Bildungsnotstände und Flüchtlingsfragen aufklärt und auch Kleider- und Nahrungsmittel-Tauschbörse ist. Der ehemalige Lokschuppen selbst hat im Vorbereich kein Dach mehr: Hier wird es eine Klanginstallation geben. Im angebauten Gebäude hat die Obersendlingerin Nausikaa Hacker eine begehbare Dreirauminstallation aufgebaut und spielt mit Kreisformen, hat eine Wachsfigur zum Thema Selbstliebe und Schöpfung modelliert und im dritten Raum den Boden wie einen Miniaturacker aufgeraut mit Messing-Keilnägeln, die unheimlich aus der Erde schimmern. Wieder geht es auch um Boden, Fruchtbarkeit und sanften umgang mit Mensch und Natur.

Den Biotop-Würfel von Marcus Kaiser aus Halle 4 nimmt in ganz anderer Form der Untergiesinger Marcel Tyroller wieder auf: auch sein Würfel ist begehbar - aber innen totalverspiegelt, so dass man in die Unendlichkeit nach allen Seiten geworfen wird. Aber die Wände bewegen und biegen sich, so dass man in einer gekrümmten Unendlichkeit steht und so doch wieder ganz auf sich zurückgeworfen ist.

Viele andere Künstler haben in den vier Hallen noch Raum bekommen. Und am 14. Februar bekommen wieder andere Künstler ihren Raum. Darunter Berkan Karpat, der hier seine „koranische Skulptur“ mit Akustik, Puderzuckerwolken und Wasser fortsetzen wird.

Uwe Binnberg saniert das gesamte Areal

Wenn es im Frühjahr wärmer wird, soll die allgemeine Sanierung beginnen für Büros und ein kleines Architekturmuseum für einen Bauhausarchitekten. Der Münchner Architekt und Designer Uwe Binnberg entwickelt das gesamte alte Bahnareal, er hat auch schon den Hochbunker in Untergiesing, in der Claude-Loraine-Straße zu einem Mehrfamilienhaus umgestaltet für Burda Innenräume und Vip-Lounges für die Allianzarena entworfen.

Thalkirchen, Benediktbeuererstr. 22, beim Asamschlössl: „Kunst im Bau: Bahnen - zwischen Wallfahrtskirche und Zoo“, ein Kunstprojekt in den ehemaligen Betriebswerkstätten der Isartalbahn, bis 9. März, Eintritt frei Eröffnung, Phase I: Samstag, 18.01., 19:00 Uhr; Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag 17 – 20 Uhr, die Halle 4 ist schon donnerstags zugänglich

 

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