Unter Spargelstangen: Das neue Grünwalder Stadion

Das Grünwalder Stadion ist für zwölf Millionen saniert worden. Manche Neuerungen sind noch gewöhnungsbedürftig – ein Stadion-Rundgang.
| Filippo Cataldo
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Endlich ready für die dritte Liga: Das Grünwalder Stadion ist nach einjährigem Umbau (12 Millionen Euro) endlich fertig. Die Bilder.
Petra Schramek 37 Endlich ready für die dritte Liga: Das Grünwalder Stadion ist nach einjährigem Umbau (12 Millionen Euro) endlich fertig. Die Bilder.

München – Die Anzeigetafel aus Wellblech mit der Bahnhofsuhr in der Mitte steht noch da, wo sie hingehört. Auch die schmalen Steinstufen ragen so steil und verwittert wie eh und je in den Giesinger Himmel. Doch wer von der Westkurve des Grünwalder Stadions rüberblickt gen Osten, der hat gewisse Mühe, das alte Sechzger noch zu erkennen.

Wo früher eine irgendwie hingeschustert wirkende runde und flache Tribüne stand, erheben sich jetzt hohe Stufen aus Sichtbeton in die Höhe. Verschwunden sind auch die Holzbänke der Haupttribüne und die orangen Sitzschalen der Gegengerade, stattdessen nun: flächendeckend graue Sitze. An die Haupttribüne schließt sich noch ein Glas-Beton-Kasten an, auf dem Weg dahin der Schriftzug: „VIP-Raum“.

Mehr als ein Jahr lang war das Grünwalder Stadion geschlossen, die Stadt hat das 102 Jahre alte Stadion umfassend saniert. Rund zwölf Millionen Euro haben die neue Ostkurve, die Kabinen und Duschen, der VIP-Raum samt Stadiongaststätte und die neuen Flutlichter, die nicht mehr rechteckig, sondern hoch angeordnet sind und ein wenig wie Spargelspitzen aus Stahl aussehen, gekostet. Dazu gab es noch eine Rasenheizung.

Nächsten Mittwoch findet das erste Spiel statt, die Zweitvertretung der Löwen empfängt in der Vierten Liga Illertissen. Richtig voll – erlaubt sind maximal 12500 Zuschauer – wird es wohl am 6.August beim kleinen Derby: Der FC Bayern II empfängt den TSV 1860 II.

Nun aber schreitet noch Sportbürgermeisterin Christine Strobl über den Rasen, Fotografen, Kameramänner und Reporter im Schlepptau. Strobl schießt ein paar Mal den Ball Richtung Tor. Richtig fest geraten die Schüsse nicht, Strobl trägt Sandalen, außerdem sei Fußball nicht so „meine Sportart“. Trotzdem freut sie sich, dass „ich wenigstens ein bisschen Bewegung bekomme einmal am Tag“.

Sie will in Zukunft öfter kommen, vor allem zu den Spielen der Bundesliga-Frauenmannschaft der Bayern, die bisher in Aschheim spielte. Dort kamen meist nicht mehr als ein paar hundert Zuschauer, dennoch sagt Strobl jetzt: „Bei den Spielen der Bayern-Frauen erwarte ich mir einen regen Zuschauerzuspruch“. Auch das offizielle Eröffnungsfest soll am 14. September bei einem Spiel der Bayern-Frauen stattfinden. Danach folgt noch ein Spiel der 1860-Traditionsmannschaft.

Lesen Sie hier den AZ-Sportkommentar: Eröffnung mit falscher Farbe

„Das wird bestimmt eine runde Sache“, sagt Strobl. Ein paar Meter weiter Richtung Westkurve steht einer, der viel länger als Strobl um den Erhalt des Sechzgers gekämpft hat. Richtig glücklich wirkt die Bürgermeisterin nicht, als sie Roman Beer von den Freunden des Sechzger Stadions sieht. Beers Verein wollte eigentlich die Stadiongaststätte betreiben, die Stadt entschied sich aber für eine vereinsneutrale Pächterin.

Beer gibt sich aber diplomatisch. „Im großen Ganzen sind wir zufrieden“, sagt er. Und die Spargel-Flutlichter? „Immerhin stehen die Masten noch“, sagt er achselzuckend, „das war anfangs auch nicht sicher.“ Das Stadion habe seinen Charakter behalten. Gottlob.

 

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren