Toter (†68) liegt stundenlang nackt in Schaufenster

Ein Toter liegt über Stunden im Schaufenster, für alle von der Straße aus sichtbar, in seinem Geschäft in Neuhausen am Boden.
| Serafina Schwinge, Ralph Hub
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Sein Teppichladen war gleichzeitig auch Schlafplatz für den 58-jährigen Inder.
hub 3 Sein Teppichladen war gleichzeitig auch Schlafplatz für den 58-jährigen Inder.

Die Nachbarn haben Singh W. schon seit einiger Zeit nicht mehr zu Gesicht bekommen. Der 68-jährige Kanadier indischer Abstammung handelt in Neuhausen mit Textilien und Accessoires. In der Mettinghstraße nahe der Donnersbergerbrücke hat er einen kleinen Laden kombiniert mit einer Wohnung.

Montagnachmittag kommt eine Anwohnerin an dem Geschäft vorbei. Sie sieht Singh W. am Boden liegen. Er rührt sich nicht. Die Frau ruft die Polizei. Gegen 17.30 Uhr trifft eine Streife ein. Die Polizisten betreten den Laden und stehen vor einem Toten.

Sechs Stunden liegt der Leichnam für alle sichtbar im Laden

 Die Polizisten versiegeln die Tür zum Laden. Doch sie verhängen weder die etwa drei Mal drei Meter große Schaufensterfront, noch decken sie den Leichnam ab. Nach etwa zweieinhalb Stunden werden die Beamten zu einem anderen Einsatz gerufen.

Der Leichenschaudienst ist zwar verständigt. Doch der hat an diesem Tag viel zu tun. Die Polizisten können nicht bis zum Eintreffen des Mediziners warten. Sie haben einen neuen Einsatz.

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„Warum die Polizeibeamten keinen Sichtschutz angebracht haben, wird zurzeit intern beim Präsidium geprüft“, sagt Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. „Das wäre angebracht gewesen. In ähnlich gelagerten Fällen wird das normalerweise so praktiziert.“

Bis zum Abend bleibt der unbekleidete Tote hinter der Schaufensterscheibe liegen. Insgesamt sechs Stunden, wie Anwohner der AZ erzählen. Wie ein Polizeisprecher erzählt, musste man schon genau hinsehen, um den Leichnam zu erkennen.

Jedes Jahr werden im Stadtgebiet 2380 Tote gefunden

Gegen 21 Uhr meldet sich Fabian S. bei der Polizei. „Ich fand es einfach pietätlos dem Toten gegenüber“, kritisiert der Münchner. Genau das sagt er auch einem Polizisten am Telefon. Das sei ein Tatort. Da werde überhaupt nichts verändert, bekommt Fabian S. als Antwort. Er solle sich lieber um seine Angelegenheiten kümmern.

Bis tief in die Nacht dauert der Einsatz. Polizei- und Feuerwehrautos stehen in der Straße. Erst als der Fundort untersucht und alle Spuren gesichert sind, wird der Tote gegen 23 Uhr in die Gerichtsmedizin gebracht. Am Ende stellt sich heraus, Singh W. starb ohne Fremdeinwirkung.

Warum der 68-Jährige unbekleidet war, ist nicht geklärt. Möglicherweise lag der Mann bereits seit mehr als einem Tag tot in seinem Laden. Möglicherweise ist er nachts aufgestanden, weil er sich unwohl fühlte. Denkbar wäre, dass er zusammenbrach, als er Hilfe rufen wollte.

In München werden nach Angaben des Präsidiums jedes Jahr 2380 Tote gefunden. Im Schnitt sechs Todesfälle täglich. Die allermeisten sind nicht Opfer eines Verbrechens, sonder sie sind eines natürlichen Todes gestorben oder in Folge einer Krankheit.

 

 

 

 

 


 

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