Schwulen-Café "For Friends": Unter Freunden

Das erste Schwulen-Café Schwabings eröffnet – während im Glockenbach die Szene gerade verschwindet.
| Anja Perkuhn
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Drei wichtige Elemente des "For Friends": Gründer Alexander Vesely (l.), Mitarbeiter Alex und frische Zimtschnecken.
Schramek Drei wichtige Elemente des "For Friends": Gründer Alexander Vesely (l.), Mitarbeiter Alex und frische Zimtschnecken.

Schwabing - Ein richtiger Regenbogen ist es noch nicht, da kann Alexander Vesely nicht drumrum reden: Es ist nämlich schwierig bis unmöglich, gelbe Kissen zu bekommen – zumindest in der Qualität, in der er sich das vorstellt.
Und so wird er in den kommenden Tagen ein paar weiße Kissen gelb einfärben, damit alles perfekt ist und die Polster an der Rückwand des Cafés wirklich einen Regenbogen ergeben – schließlich ist das "For Friends" ein Schwulen-Café.

Die Zimtschnecken sind liebevoll gerade nicht ertränkt in Ahornsirup

Das erste, das in Alt-Schwabing eröffnet. "Das Glockenbach ist tot", sagt Alexander Vesely, der schon den Feinkostladen "Gaumenspiel" und den 24-Stunden-Kiosk an der Münchner Freiheit betreibt. Tatsächlich schloss erst im Februar die schwule Szenekneipe "Bau" im Glockenbach-Viertel.

Die Schließung des Baus sei die Fortsetzung einer unschönen Entwicklung, sagte damals Alexander Miklosy, Vorsitzender des zuständigen Bezirksausschusses Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt und Mitglied der Rosa Liste: "Die schwule Szene nimmt im Viertel schon seit Jahren ab, und das Problem ist, sie verlagert sich nicht. Es ist ein richtiges Aussterben."

Vesely sieht das anders: "Die Community sucht sich eine neue Gegend und kommt gerade in Schwabing an", sagt er. "Klar trifft sich die Schwulenszene verstärkt online, aber sie sucht auch Plattformen im echten Leben, wo sie sich treffen kann."

Und die soll das "For Friends" bieten: ein gemütliches Tagescafé, dessen Innenausstattung von einer metallisch schimmernden 70er-Jahre-Tapete dominiert wird und von zwei langen Tischen. Denn das Motto hier – es steht auf einem Schild an der Wand – lautet: "Alle sind gleich! Bei uns sitzen alle an einem Tisch!"

Nicht nur Schwule sind hierher eingeladen, sondern jede und jeder – Hauptsache, es handelt sich um "friends", also Freunde. Oder zumindest freundliche Menschen. Vesely und sein Team haben extra vorher in der Nachbarschaft herumgefragt, wie die Menschen es fänden, dass sie ein Schwulen-Café eröffnen wollen. "Die fanden das interessant!"

Zum gemütlichen Sitzen dazu gibt es Croissants, Müsli und Salate, täglich ein Mittagsgericht (immer 4,50 Euro) und süße Snacks – Muffins, Donuts und himmlisch leckere Zimtschnecken (liebevoll gerade so nicht ertränkt in karamellisiertem Ahornsirup), die das "For Friends"-Team selbst backt nach einem Rezept der Schwabinger Zuckerbäckerin Annik Wecker. Die Tasse Kaffee gibt’s für 1,90 Euro.

Die Tasse Kaffee gibt’s für 1,90 Euro – Dank der netten Vermieterin

Wie geht das eigentlich – solch vergleichbar niedrige Preise bei den Ladenmieten, die man inzwischen bei so einer zentralen Lage zahlen muss? Vesely sagt begeistert: "Die Vermieterin findet es toll, wenn junge Leute hier was Neues aufmachen, darum zahlen wir eine moderate Miete." Unter Freunden geht sowas.

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