Unklare Gefahrenlage: Polizeihubschrauber über München

Viele Münchner konnten in der Nacht zum Freitag nicht (ein)schlafen. Über eine Stunde stand "Edelweiß" knatternd über der Innenstadt. Der Grund dafür war eine Lebensrettung – in einem anderen Viertel.
| Nina Job
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Der Hubschrauber flog zunächst über die Münchner Innenstadt. (Symbolbild)
Der Hubschrauber flog zunächst über die Münchner Innenstadt. (Symbolbild) © dpa

Schwabing - Mehrere Dutzend Münchner haben in der Nacht zum Freitag besorgt den Polizei-Notruf gewählt. Nicht, weil sie einen Notfall melden wollten, sondern weil sie beunruhigt oder verärgert waren. Grund: Über eine Stunde lang stand der Polizeihubschrauber über der Innenstadt in der Luft. Ein Anwohner am Tag danach zur AZ: "Ich dachte, jetzt überwachen sie das Partyvolk schon aus der Luft."

Doch um Nachtschwärmer, die sich in diesem außergewöhnlichen Corona-Sommer in Feierlaune an der Isar oder auf dem Gärtnerplatz versammelt hatten, ging es dieses Mal ausnahmsweise nicht. Der Einsatzgrund lautete: "unklare Gefahrenlage". Die Gefahr bestand für eine junge Frau, die - das war die große Angst einer Freundin - vermutlich Suizid begehen wollte.

Dutzende Polizisten auf Klinikgelände

Gegen 23 Uhr hatte die Freundin den Polizeinotruf gewählt. Ihre Freundin stünde auf dem Dach des Schwabinger Krankenhauses. Sofort rückten mehrere Streifenwagen aus, später wurde auch noch das Spezialeinsatzkommando (SEK) alarmiert. Insgesamt waren etwa 40 bis 50 Polizisten im Einsatz.

Das Problem: Wo genau sich die 19-Jährige aufhielt, war unklar. Aus diesem Grund wurde der Polizeihubschrauber alarmiert. Die Luftflotte der Polizei ist unter anderem mit hochauflösenden Wärmebildkameras ausgestattet. Um die Frau aber nicht darauf aufmerksam zu machen, dass der Hubschrauber wegen ihr über München flog, blieb der Polizeihubschrauber über der Innenstadt in der Luft stehen. "Auf Abruf", hieß es am Freitag.

Als er dann aber irgendwann doch über Schwabing flog, konnte die Besatzung die verzweifelte Frau lokalisieren und den Einsatzkräften am Boden ihren Standort durchgeben. Das Hochklettern zu ihr übernahm dann ein SEK-Beamter. Zu ihren Aufgaben  unter anderem Amoklagen, Geiselnahmen, Bedrohung - gehört auch die Rettung von Menschenleben unter besonderen Bedingungen.

Erst gegen 3 Uhr war der Einsatz beendet und die 19-Jährige in Sicherheit. Sie wurde in eine psychiatrische Klinik gebracht.

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Anmerkung der Redaktion: Wir berichten in der Regel nicht über (versuchte) Selbsttötungen. Außer Suizide erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst depressiv sind oder Selbstmord-Gedanken haben, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe und bekommen Auswege aus schwierigen Situationen aufgezeigt.

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