Pudel "Schoki" entführt und im Netz angeboten

Die Diebin verlangt 1.300 Euro für den Hund. Gestohlen hat sie ihn aus Geldnot. Wegen der Corona-Krise ist die Münchnerin arbeitslos.
| Ralph Hub
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Zwergpudel Schoki im Garten. Eine Frau hat ihn vor einem Supermarkt mitgenommen, um ihn über das Internet zu verkaufen.
Zwergpudel Schoki im Garten. Eine Frau hat ihn vor einem Supermarkt mitgenommen, um ihn über das Internet zu verkaufen. © privat

Fürstenried - Das ist gerade noch mal gut gegangen. Schoki ist wohlbehalten zurück bei Frauchen und Herrchen. "Wir sind überglücklich, dass Schoki wieder bei uns ist", sagen Nilay und Özgür Günes. Eine 52-Jährige aus der Blumenau hatte ihren Zwergpudel vor einem Supermarkt in Fürstenried entführt und dann auf einer Internetplattform zum Kauf angeboten.

Münchnerin will gestohlenen Hund im Internet verkaufen

"Ich wollte nur beim Rewe kurz zum Einkaufen, es hat kaum länger als fünf Minuten gedauert", erzählt Özgür Günes, "als ich aus dem Laden kam, war Schoki spurlos verschwunden." Der Zwergpudel hört normalerweise aufs Wort, wenn notwendig, hätte er stundenlang auf sein Herrchen gewartet. Deshalb war er auch nicht angeleint. "Ich war mir trotzdem sicher, dass er nicht einem anderen Hund nachgelaufen ist", sagt der 39-jährige Angestellte. Schnell kam ihm der Verdacht, der neun Jahre alte Pudel könnte von jemandem entführt worden sein.

Zuhause setzte er sich zusammen mit seiner Frau Nilay an den Computer. Tatsächlich gelang es der 32-Jährigen, Schoki auf der Internetplattform deine-tierwelt.de aufzuspüren. Unter den zahllosen Hunden, die dort angeboten werden, war Schoki. Ganz leicht zu erkennen an seinem dunklen, schokoladenfarbenen Fell. Daher auch der Name Schoki. In der Annonce stand, dass es sich um einen elf Monate alten Welpen handle, der für 1.300 Euro vom "Besitzer" abgegeben werde. Ein plumper Täuschungsversuch, Schoki ist neun Jahre alt.

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Özgür Günes erstattete sofort Anzeige bei der Polizei und bat zugleich aber auch einen Freund, einen Polizisten, um Hilfe. Gemeinsam erstellten sie unterschiedliche Fake-Profile und nahmen so Kontakt zu der Verkäuferin im Internet auf. "Die Frau war sehr misstrauisch, sie hat sich zwischendurch nicht mehr gemeldet", erzählt der 39-Jährige. Schließlich kam doch ein Termin zustande, bei dem der Hund übergeben werden sollte. Doch Özgür Günes erschien nicht alleine, sondern in Begleitung der Polizei. Die Beamten nahmen die 52-Jährige aus der Blumenau fest. Gegen sie wird wegen Diebstahls ermittelt. Juristisch gelten Tiere in Deutschland als Sache.

Besonders tragisch an dem Fall: Die Entführerin ist keine skrupellose Tierhändlerin, die mit Welpen aus dubiosen osteuropäischen Hundezuchten Kasse machen will. Ein Millionengeschäft in ganz Europa, weil im Lockdown auch in München viele Menschen einsam sind und sich deshalb zum Trost ein Haustier zulegen.
Die Entführerin von Schoki ist selbst ein Opfer der Corona-Pandemie. Die 52-Jährige hat während des Lockdowns ihren Job verloren und steckt seitdem in großen finanziellen Schwierigkeiten.

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