Polizei stellt bei Razzia in Münchner Eventlocation 1,7 Tonnen Lachgas sicher

Kurz vor Mitternacht stürmten Beamte der Polizei und des Kreisverwaltungsreferats (KVR) am vergangenen Samstag das Lokal in der Landsberger Straße. Während die Gäste feierten, standen Lachgaskartuschen herum. Zudem lagen Luftballons griffbereit zum Konsum der seit Kurzem für Minderjährige verbotenen Substanz.
Paletten voll mit Lachgaskartuschen
Die Lachgaskartuschen waren laut Polizei bei der Kontrolle über das gesamte Lokal verteilt. Die Gäste hätten sich gegen Bezahlung an den Ballons bedienen können. Als die Beamten die Bar betraten, konsumierte allerdings niemand der anwesenden Gäste Lachgas, wie eine Polizeisprecherin am Mittwoch berichtete. In einem Nebenraum des Lokals fanden die Beamten zwei Europaletten mit Kartons.
Bei der Razzia wurden nach Polizeiangaben 900 Kartuschen sichergestellt, jede von ihnen enthielt zwei Kilo Lachgas. Pro Kartusche bezahlt man im Einkauf zwischen 55 und 65 Euro. Insgesamt hatte der 34 Jahre alte Gastwirt laut Polizei 1,7 Tonnen Lachgas in seinem Lokal. Die 900 Kartuschen wurden sichergestellt und abtransportiert. Nur an den Ballons zeigten die Kontrolleure kein Interesse, die sind schließlich nicht verboten.
Gastwirt droht Freiheitsstrafe
Der Münchner wurde von den Beamten vorläufig festgenommen und ins Polizeipräsidium gebracht. Die Staatsanwaltschaft entschied am Sonntag, dass der Verdächtige wieder freikommt. Das Kommissariat 82 hat die weiteren Ermittlungen übernommen. Gegen den Lokalbetreiber wird wegen eines Verstoßes gegen das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz ermittelt, so eine Polizeisprecherin.
Im Fall einer Verurteilung könnte ihm eine Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr drohen. Der Gastwirt fiel bereits früher wegen seines Lokals auf. Dabei ging es beispielsweise um einen Verstoß gegen ein Tanzverbot in Lokalen an sogenannten stillen Tagen und ähnliche Ordnungswidrigkeiten. Der 34-Jährige war von den Behörden erst kürzlich über die neuen Regelungen in Bezug auf Lachgas informiert worden.
Gäste brachen auf Party zusammen
In dem Lokal kam es im vergangenen Jahr zu einem Großeinsatz von Rettungskräften. Gegen 3.20 Uhr kollabierten am 2. November 2025 bei einer privaten Feier mit rund 500 Gästen frühmorgens die ersten Personen. Dann folgten weitere. Der Rettungsdienst wurde verständigt. Die Sanitäter hatten zunächst Mühe, unter den vielen Gästen ihren Patienten auszumachen. Dabei stießen sie noch auf zwei weitere hilflose Personen. "Um alle Patienten versorgen zu können", sagte damals ein Sprecher der Feuerwehr, "wurden weitere Kräfte und Notarztteams zur Unterstützung angefordert."
Polizeibeamte lösten die Party schließlich auf. Die Gäste wurden nach Hause geschickt. Zwei junge Männer und eine Frau wurden vom Rettungsdienst mit Kreislaufkollaps ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei stellte in dem Lokal an dem Wochenende im November 2025 über 100 Flaschen mit Lachgas sicher.
Lachgas für Jugendliche verboten
Der Verkauf von Lachgas ist seit dem 12. April 2026 eingeschränkt: Im Internet oder an Automaten darf die Droge nicht mehr verkauft werden, außerdem sind nur kleine Mengen erlaubt, höchstens zehn Kartuschen à 8,4 Gramm dürfen pro Käufer über die Ladentheke gehen. Grund ist, handelsübliche Verbrauchsprodukte wie Sahnekapseln nicht zu kriminalisieren.
Die Abgabe an Minderjährige unter 18 Jahren ist dagegen grundsätzlich verboten, unabhängig von der Stoffmenge. Die Gesetzesänderung solle insbesondere Jugendliche schützen, unter denen Lachgas zu einer beliebten Partydroge geworden sei. Der Konsum von Lachgas kann unter anderem zu Psychosen oder Nervenschädigungen führen.