Perlachs Dorfkern ist bedroht: Am Pfanzeltplatz droht der Abriss historischer Häuser

Am Pfanzeltplatz stehen noch Häuser mit dörflichem Charme. Doch die sollen abgerissen werden. Im Viertel regt sich Widerstand.
| Gaby Mühlthaler
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Auch einen Bach findet man am Altperlacher Pfanzeltplatz.
Auch einen Bach findet man am Altperlacher Pfanzeltplatz. © Daniel von Loeper

Perlach - Noch ist er ein Kleinod im hektischen Treiben der Großstadt, der Altperlacher Pfanzeltplatz, auf dem sich ein reges Vereinsleben abspielt. Doch das Idyll ist in Gefahr, weil alte Gemäuer aus Zeiten, als Perlach noch ein Dorf jenseits der Stadtgrenze war, nach und nach durch mehrstöckige Wohn- und Geschäftshäuser ersetzt werden.

Der Bezirksausschuss wehrt sich

Der Bezirksausschuss (BA) sieht den Charakter des alten Dorfkerns in Gefahr und wehrt sich vehement gegen dessen stückweise Zerstörung. Er fordert seit langem eine Gesamtplanung und wird ohne diese "keinem weiteren Bauvorhaben auf dem Pfanzeltplatz mehr zustimmen".

Der Brunnen am Platz.
Der Brunnen am Platz. © Daniel von Loeper

Kritische Stellplatzsituation

Aktuell hat das Gremium den Antrag auf Baugenehmigung für ein Wohngebäude mit 17 Wohneinheiten und Tiefgarage am Pfanzeltplatz 12 auf dem Tisch. "Das Bauvorhaben wird abgelehnt", schreibt der BA in seiner Stellungnahme. Besonders kritisch sieht er die Stellplatzsituation, denn "der Aufzug zum Transport von Autos in die Tiefgarage wird vermutlich weder von Besuchern noch Bewohnern angenommen werden. Der Ein- und Ausfahrtvorgang ist zu kompliziert".

Stattdessen werde wohl auf dem Pfanzeltplatz geparkt, der schon jetzt durch parkende Autos überfüllt sei. BA-Planungssprecher Wolfgang Thalmeir (CSU) kritisiert zudem, der Einfahrtsbereich sei zu eng und unübersichtlich "im Hinblick auf die verschiedenen Nutzer des rückwärtigen Grundstückteils".

Der Pfanzeltplatz: Hier in Altperlach fühlt sich viel noch an wie in vergangenen Zeiten.
Der Pfanzeltplatz: Hier in Altperlach fühlt sich viel noch an wie in vergangenen Zeiten. © Daniel von Loeper

Hier könnte ein Versammlungssaal realisiert werden

Auch die Versiegelung des gesamten Grundstücks für Tiefgarage und oberirdische Parkplätze kritisiert der BA. Wolfgang Thalmeir ist Fachanwalt für Baurecht und meint, genehmigungsfähig sei das geplante Gebäude nur, wenn es vorwiegend für den Allgemeinbedarf genutzt werde.

Hier könne der Versammlungssaal realisiert werden, den die Vereine in Perlach schmerzlich vermissen, seit der Gasthof zur Post geschlossen wurde und dort ein Boarding-Haus realisiert werden soll. Auch alters- und behindertengerechtes Wohnen sei am Pfanzeltplatz 12 umsetzbar.

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Warum das Planungsreferat nicht gut dasteht

Aufs Planungsreferat ist der BA nicht gut zu sprechen, das habe auf "keine der bisherigen Anregungen, Anfragen und Forderungen nach einer Gesamtplanung für den alten, historischen und ensemblegeschützten Dorfplatz reagiert". Ohne diesen geforderten Bebauungsplan sind Bauvorhaben nämlich nur genehmigungsfähig, wenn sie sich in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen.

Die idyllische Umgebung am Pfanzeltplatz.
Die idyllische Umgebung am Pfanzeltplatz. © Daniel von Loeper

Krasser Widerspruch?

Thalmeir sieht im Verhalten des Planungsreferats einen krassen Widerspruch zu den Ausführungen von Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) in einer Broschüre vom November 2020 zu den Münchner Dorfkernen. Darin betont Merk, sie hätten "prägend-gestalterische Wirkung auf das heutige Stadtbild als Keimzellen ursprünglich eigenständig gewachsener Orte", deren individuell geprägte Gebäude mit ländlichen Details machten "vergangene Lebens- und Arbeitsformen unmittelbar erfahrbar." Und: "Ohne die historischen Dorfkerne wäre das vielfältige Gefüge Münchens nicht zu verstehen".

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Eigentlich ist ein Workshop für den Erhalt des Dorfkernes vorgesehen

Einen Widerspruch sieht der BA auch darin, dass im neuen Handlungsraumkonzept "Neuperlach und Umgebung" ausdrücklich ein Workshop für den Erhalt des historisch wertvollen Platzes vorgesehen ist. Der BA werde reagieren, wenn die Landeshauptstadt dessen langfristiger Zerstörung zusehe. "Dazu gehört auch, die ungezügelte, den Dorfkerncharakter zerstörende Nachverdichtung durch weitere Neubauvorhaben zu stoppen", so Wolfgang Thalmeir.

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